Bedrohte Arten Die dunkelrote Liste

Die Erde verliert ihren Artenreichtum - mit wachsender Geschwindigkeit. 17.000 Tierarten sind bedroht. Sollten viele davon tatsächlich aussterben, sind die Folgen unabsehbar.

Von Martin Kotynek

Die Welt verliert ihren Artenreichtum mit wachsender Geschwindigkeit. Der Zustand von 183 Tierarten hat sich seit den jeweils letzten Untersuchungen verschlechtert; nur 40 Arten haben sich erholt.

Auf der Roten Liste: Auch afrikanische Pinguine sind vom Aussterben bedroht.

(Foto: Foto: dpa)

Damit gelten nun 17.000 Tierarten weltweit als vom Aussterben bedroht. Fast ein Zehntel davon steht akut vor dem Aus. 870 weitere Arten sind seit dem Jahr 1500 ausgestorben. Das geht aus einer Analyse der knapp 45.000 Tierarten hervor, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN stehen.

Demnach ist das Artensterben bei den Amphibien - also Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern - besonders dramatisch. Fast die Hälfte aller Populationen schrumpft. Zudem hat sich der Rückgang zuletzt weiter beschleunigt.

Elf der 28 bereits ausgestorbenen Amphibien-Arten sind in den vergangenen 29 Jahren verschwunden. Bei 120 weiteren Arten haben die Forscher kaum noch Hoffnung, ein lebendes Exemplar zu finden. So gilt mittlerweile ein Drittel aller Amphibien als vom Aussterben bedroht - das sind 2000 Spezies.

Die meisten davon leben in einem Streifen, der sich vom Süden Mexikos über Ecuador nach Venezuela zieht. Sie kommen meist in winzigen Lebensräumen vor, etwa engen Bergtälern. Dadurch können die Tiere Bedrohungen kaum ausweichen.

Bedrohte Süßwasserbewohner

Dazu gehören die Zerstörung ihres Lebensraumes und die sich weiter ausbreitende, tödliche Pilzerkrankung Chytridiomykose. Mediziner befürchten, dass mit dem Verschwinden der Amphibien auch viele unentdeckte Wirkstoffe für Medikamente für immer verloren gehen könnten.

Noch dramatischer ist das Artensterben offenbar unter den Süßwassertieren. Die Bedrohung von Krabben und Muscheln, die eine hohe Bedeutung für die Wasserqualität von Flüssen und Seen haben, ist noch wenig erforscht.

Die IUCN-Biologen äußern den Verdacht, dass die Süßwasserbewohner am stärksten bedroht sein könnten, da Flüsse und Seen stark miteinander vernetzt sind und sich Verschmutzungen und feindliche Arten so rascher ausbreiten können als an Land.

Am dramatischsten ist das Artensterben in Südostasien. Nirgendwo sonst wirken sich die Abholzung der Wälder und die Jagd so stark auf die Tierwelt aus. Amphibien, Vögel und auch kleine Säugetiere dienen den Menschen dort als Nahrungsmittel, werden aber auch in der traditionellen Medizin eingesetzt. Der Lebensunterhalt vieler Menschen hängt direkt vom Handel mit diesen Tieren ab.

Zusätzlich zu diesen Bedrohungen macht sich der Klimawandel bemerkbar. Etwa 71 Prozent aller Korallen sind der Erwärmung schutzlos ausgeliefert, genauso wie die Hälfte aller Amphibien und ein Drittel aller Vögel, die derzeit noch nicht vom Aussterben bedroht sind. Die Forscher fordern die Regierungen daher dazu auf, das Artensterben genauso hart zu bekämpfen wie die globale Wirtschaftskrise.

Ein wenig Hoffnung

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