Astronomie Restekomet "Ison"

Voller Spannung hatten Astronomen auf den Vorbeiflug des 4,6 Milliarden Jahre alten Kometen "Ison" an der Sonne gewartet. Dann hieß es, der Schweifstern habe diese Begegnung vermutlich nicht überstanden. Neue Fotos zeigen jedoch: Völlig verschwunden ist "Ison" nicht.

Erfüllt sich die Hoffnung der Astronomen doch, dass der Komet Ison seine Begegnung mit der Sonne überlebt hat?

Kurz nach neun Uhr unserer Zeit hat die Europäische Weltraumbehörde Esa getwittert: "Nun, es sieht so aus, als seien Berichte über das Ende des Kometen Ison stark übertrieben."

Auf Bildern ist zu sehen, wie zumindest ein Teil des Kometen hinter der Sonne wieder hervortritt. Um was genau es sich aber handelt - einen größeren harten Kern oder nur noch Staub, der sich auf der erwarteten Kometenbahn bewegt, ist unklar.

Endgültige Gewissheit über das Schicksal von Ison ist dem Esa-Kometenexperten Gerhard Schwehm zufolge erst Anfang Dezember zu erwarten. "Wenn wir in zehn Tagen noch etwas beobachten können, hat er doch überlebt". Auf der Nordhalbkugel müsste der Schweifstern dann sogar mit bloßem Auge oder Feldstecher zu beobachten sein.

Am Donnerstagabend, nachdem der Himmelskörper seinen sonnennächsten Punkt erreicht hatte, waren die Fachleute noch sehr pessimistisch gewesen.

Die Reste des Kometen, aufgenommen von der Sonde Soho um 7:18 UT heute Morgen, nach seiner Begegnung mit der Sonne.

(Foto: Soho (Esa & Nasa))

"Es scheint, als ob Komet Ison seine Reise nicht überlebt habe", hatte der Kometenforscher Karl Battams vom Naval Research Laboratory nach Betrachten von Weltraumbildern gesagt. Von anderen Wissenschaftlern waren ähnliche Äußerungen gekommen. Astronomen hatten allgemein erwartet, dass der Eis- und Gesteinsbrocken bei dem Flug an der Sonne vorbei verglühen würde.

Weder das Nasa-Sonnenobservatorium Solar Dynamics Observatory (SDO), noch die gemeinsam von der Nasa und der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa betriebene Sonnensonde Soho finde noch eine Spur des Kometen, obwohl sie "sehr gute Detektoren für Kometen" seien, hatte Pesnell gesagt. Doch das hat sich nun geändert.

Die Kometenexpertin Carey Lisse von der Johns Hopkins University hatte den Komet mit einem "losen Schneeball" verglichen, der zu 30 oder 50 Prozent aus Wassereis bestehe. Zudem sei er mit 1,2 Kilometer Durchmesser eher klein. Der Schweifstern hatte am Donnerstag gegen 19:30 MEZ den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht.

Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Abstand zum glühend heißen Zentralgestirn nur noch einen Sonnendurchmesser. Bei einer Entfernung von 1,17 Millionen Kilometern war er Temperaturen von 2700 Grad Celsius ausgesetzt und verlor drei Millionen Tonnen pro Sekunde. Es war daher damit gerechnet worden, dass der aus der eisigen Tiefe des Weltraums heranfliegende Komet dies nicht überleben würde.

Spekulationen über ein mögliches Ende des Kometen hatten bereits am Nachmittag neue Nahrung erhalten: Bilder von Soho hatten gezeigt, dass die Helligkeit von Ison kurz vor seiner dichtesten Annäherung an die Sonne deutlich abgenommen hatte.

Ison fasziniert Astronomen, seitdem er im September 2012 von russischen Forschern entdeckt wurde, da sein Ursprung etwa 4,5 Milliarden Jahre bis in die Anfänge des Sonnensystems zurückreicht. Er war vor gut einem Jahr entdeckt worden und hatte sich vor mehreren Millionen Jahren aus der sogenannten Oortschen Wolke gelöst, einer Ansammlung von Gesteinsbrocken auf halber Strecke zwischen der Sonne und dem nächstgelegenen Stern.

Battams betonte, es sei noch nie ein solcher Komet aus der Oortschen Wolke gesehen worden, der sich derart der Sonne nähere. Wenn sich Kometen auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sich oft Gas- und Staubschweife, die stets von der Sonne wegweisen.