Astronomie Astronomen finden verborgene Materie

CSIRO's Compact Array in Australia under the night lights of the Milky Way. Pressebild: http://www.csiro.au/en/News/News-releases/2016/Dark-noodles-may-lurk-in-the-Milky-Way

(Foto: Alex Cherney)

Erstmals konnten Forscher Radioblitze messen. Die Strahlung stammt aus einer fernen Galaxie - und führt zur Entdeckung bisher unbekannter Gaswolken in der Leere des Weltraums. Nach denen wurde lange gesucht.

Von Christian Endt

Das große kosmische Versteckspiel hat ein Ende. Astronomen haben lange gesuchte Materie im Weltall aufgespürt. Diese bislang unentdeckten Gaswolken machen immerhin die Hälfte der gesamten Atome und Moleküle des Universums aus. Wenn es stimmt, was Forscher nun in der Fachzeitschrift Nature schreiben, befindet sich die vermisste Masse in der kaum sichtbaren großen Leere zwischen den Galaxien.

Nach dem gängigen Modell besteht das Universum nur zu fünf Prozent aus gewöhnlicher Materie. Der Rest, die Dunkle Energie und Dunkle Materie, ist für Kosmologen ein ziemliches Rätsel. Aber auch die gewöhnliche Materie wirft Fragen auf: Zählen sie die Massen aller Himmelskörper zusammen, kommen Forscher nur auf die Hälfte der theoretisch berechneten Materie. Wo ist die andere Hälfte?

Die Astronomen waren vorbereitet

Am 18. April 2015 registrierte das Parkes-Radioteleskop in Australien einen nur eine Millisekunde langen Ausbruch von Radiostrahlung im All. Es war zwar das siebzehnte Mal, dass ein solcher Radioblitz gemessen wurde. Aber niemand wusste bisher, woher sie kommen und wie sie entstehen. Weil die Blitze so schnell wieder weg sind, wurden sie oft erst Monate oder Jahre später in aufgezeichneten Daten entdeckt. Dieses Mal waren die Astronomen vorbereitet. Als das Signal in Australien einging, haben sie Kollegen auf der ganzen Welt benachrichtigt.

Auf mehreren Erdteilen beobachteten die Himmelsforscher sechs Tage lang ein Nachglimmen des Blitzes. So konnten sie zum einen herausfinden, wo es herkommt: aus einer fernen Galaxie, etwa sechs Milliarden Lichtjahre entfernt. Dort könnte der Radioblitz entstanden sein, als zwei Neutronensterne zusammenstießen. Zum anderen stellten die Astronomen fest, dass die Strahlung unterwegs gebrochen wurde. So entdeckten die Forscher heiße Gaswolken zwischen der Ursprungsgalaxie des Radioblitzes und der Milchstraße. Die Dichte dieser Wolken passt zur bislang vermisste Materie.