Astronomie Brösel über Russland

Der Sternenhimmel von Anfang März 21.30 Uhr (MEZ) bis Ende März 20.30 Uhr (MESZ).

(Foto: M. Rothe)

Der jüngste Meteoritenregen war harmlos - es gibt noch ganz andere Himmelskörper. Ansonsten: Der Sternenhimmel im März.

Von Helmut Hornung

Mehr als 1400 Menschen sind Mitte Februar beim Meteoritenregen über Russland verletzt worden. Der Hauptbrocken hatte zum Glück nur einen Durchmesser von etwa 15 Metern und war wohl von einem Apollo-Asteroiden abgebröselt. Die rund 4100 bekannten Trümmer dieser Familie von Himmelskörpern können auf ihrem Weg um die Sonne die Erdbahn kreuzen und bei einer Kollision katastrophale Schäden anrichten. Forscher vermuten, dass um die 240 Asteroiden der Apollofamilie mindestens einen Kilometer Durchmesser haben.

Auch wenn man gegenüber solch einer Bedrohung derzeit machtlos ist, suchen die Astronomen weltweit nach kosmischen Geisterfahrern. Eines ihrer Programme dafür heißt "Panstarrs". Der Prototyp des Teleskops steht auf dem Hawaiianischen Vulkan Haleakala. Mit einem Spiegeldurchmesser von 180 Zentimetern gehört das Fernrohr nicht zu den riesigen Lichtfallen, verfügt aber über eine der weltweit größten Digitalkameras - mit 1,4 Milliarden Pixel.

Das elektronische Auge mustert eine Region am Firmament eine halbe Minute lang und zeichnet sie auf. Nach einiger Zeit nimmt die Kamera dasselbe Gebiet dann erneut unter die Lupe. Objekte wie Asteroiden oder Kometen ziehen langsam zwischen den Sternen dahin, verändern zwischen den Aufnahmen ihre Positionen - und werden so aufgespürt.

Einer der Findlinge könnte im März eine Show abliefern: der Komet C2011/L4 Panstarrs. Er zeichnete sich am 6. Juni 2011 als Pünktchen auf einem Foto ab. Damals war der Komet noch rund 1,2 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Wenn er am 5. März im sicheren Abstand von 163,5 Millionen Kilometer an uns vorbeizieht, ist er von der nördlichen Halbkugel aus noch unsichtbar.

Drei Tage später sollten ihn erfahrene Kometenspechtler in unseren Breiten erstmals in der Abenddämmerung tief im Westen ausmachen, wahrscheinlich mit bloßem Auge. Im Lauf des Monats klettert der Komet am Firmament durch die Sternbilder Walfisch, Fische, Pegasus und Andromeda immer höher (Karte). Nach dem 19. März stört das Licht des zunehmenden Mondes die Sicht.

Merkur, Venus und Mars sind von der Bühne verschwunden und halten sich unbeobachtbar am Taghimmel auf. Jupiter steht nach Einbruch der Dunkelheit schon hoch im Süden. Der Ringplanet Saturn in der Waage verfrüht seine Aufgänge und wird allmählich zum Objekt der ganzen Nacht; Mitte März etwa klettert er gegen 22.20 Uhr über den Osthorizont. Uranus im Grenzgebiet Fische/Walfisch und Neptun im Wassermann können wir von der Beobachtungsliste streichen. Sternschnuppen, die im März übers Firmament huschen, gehören vor allem zu den Strömen der Virginiden, Hydraïden und Sigma-Leoniden, sind aber weder häufig noch hell.

Der Fahrplan des Erdtrabanten: Letztes Viertel am 4., Neumond am 11., Erstes Viertel am 19. und Vollmond am 27. März. Die Sonne kreuzt am 20. März den Himmelsäquator - um 12.02 Uhr beginnt der astronomische Frühling. Am letzten Tag des Monats werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt: Von nun an gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit.