Archäologie Zimmerleute vor 7000 Jahren

7000 Jahre alt ist diese Konstruktion, mit der frühe Zimmerleute in Altscherbitz bei Leipzig einen Brunnen eingefasst hatten. Das rechte Bild zeigt eine Laserscanaufnahme des Basisrahmens mit Eckverbindungen in Form eines Zapfenschlosses. Außerdem sind Keramikfunde zu sehen.

(Foto: Tegel W. et al., Plos one 2012)

Vor mehr als 7000 Jahren haben frühe Siedler bei Jena bereits Brunnen mit Holz ausgekleidet. Wurden die Leistungen der Steinzeitmenschen als Baumeister bislang unterschätzt?

Frühe Siedler haben vor mehr als 7000 Jahren im heutigen Ostdeutschland komplexe Brunnen aus Eichenholz gebaut. Deutsche Archäologen zeigen sich von den Funden in der Nähe von Leipzig überrascht. Nun sei klar, dass Menschen lange vor der Erfindung der ersten Metallwerkzeuge aufwendige Holzbauwerke errichten konnten, sagen die Altertumsforscher.

Die ersten Bauern seien wohl zugleich auch die ersten Zimmerleute in Europa gewesen, schreibt das Team um den Archäologen Willy Tegel von der Universität Freiburg im Online-Fachjournal Plos One. Das lasse vermuten, dass der Lebensstandard damals insgesamt höher war als bislang gedacht.

Die vier Brunnen waren in den vergangenen Jahren im Großraum Leipzig freigelegt worden. Bis zu sieben Meter tief hätten die Menschen in der frühen Jungsteinzeit den Schacht mit Holz ausgekleidet, berichtet Tegel. Sie spalteten die Stämme und fügten die Bretter dann mit aufwendigen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammen.

Nach Angaben der Forscher gehören die Brunnen zu den ältesten aus jener Epoche erhaltenen hölzernen Bauwerken weltweit. Sie seien sogar die ältesten exakt datierten Holzbauten überhaupt, erläuterte Tegels Freiburger Kollege Dietrich Hakelberg.

Dass die Kultur in Mitteleuropa vor gut 7000 Jahren eine Blütezeit erlebte, war Archäologen bereits bekannt. Die Jäger und Sammler wurden allmählich sesshaft, die ersten Dörfer entstanden. Doch von den Holzhäusern jener Zeit ist kaum etwas erhalten geblieben.

Deshalb konnten Experten bislang nur vermuten, wie der Alltag ausgesehen haben könnte. Umso wichtiger sei der Fund der vier Holzbrunnen, betonte Tegel. Weil die Holzbretter dort unterhalb des Grundwasserspiegels und abgeschlossen vom Sauerstoff lagen, haben sie die Jahrtausende überstanden.

Anhand der Jahresringe im Holz konnten die Wissenschaftler auf das Jahr genau bestimmen, wann die Bäume gefällt wurden: Zwischen 5206 und 5098 vor Christus. Letztlich müsse nun das Bild, das die Wissenschaft von unseren Vorfahren zu jener Zeit hatte, überdacht werden, betont Tegel.

"In sämtlichen Rekonstruktionen wurden Gebäude aus dieser Zeit und die Infrastruktur wahrscheinlich unterschätzt." Waren die Menschen in der Lage, solche komplexen Holztechniken anzuwenden, könnten auch ihre Gebäude aufwendiger gewesen sein, als bislang vermutet wurde.