Altweibersommer Meteorologen erwarten viele warme Tage

Zumindest auf den Altweibersommer scheint Verlass zu sein: Hoch "Kieron" verbündet sich über Mitteleuropa mit einem Russlandhoch. Manche sprechen schon von einem Gigahoch. Tatsächlich: Es handelt sich um das Jahr 2014.

Von Andreas Frey

Es ist großes Glück, dass die politische Großwetterlage über Europa nichts mit der meteorologischen gemein hat. Sonst bliebe es in den nächsten Wochen - wie nicht selten im vergangenen Sommer - wohl unbeständig, stürmisch und kalt.

Das Wetter folgt seinem eigenen Kurs. Und der heißt vorerst: Appeasement. Das über dem Atlantik gelegene Azorenhoch Kieron verbrüdert sich mit dem Russlandhoch und bringt sonnige und warme Tage. "Es sieht nach langer, langer Zeit wieder danach aus, dass ein stabiles Hochdruckgebiet einige Tage lang über Mitteleuropa bleiben könnte", sagt der Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Das bedeutet einen satten Sonnen- und Sommerzuschlag, hauptsächlich im Süden der Republik. Die 25-Grad-Celsius-Marke dürfte in einigen Gebieten noch einmal geknackt werden. Deutschlandweit sind tagsüber mindestens 20 Grad wahrscheinlich.

Eigentlich ist es nichts Besonderes, wenn sich eine sogenannte Hochdruckbrücke über den Kontinent wölbt. Die aktuelle Ausdehnung sei allerdings schon außergewöhnlich, sagt Leyser. Vor allem der Supercomputer des amerikanischen Wetterdiensts spuckte in dieser Woche wiederholt beeindruckende Wetterkarten aus. Sie zeigen einen vom Tiefdruck befreiten Kontinent, wenige Wolken, wenig Wind und kaum Regen. Wetterexperten, die nicht von der Behörde DWD stammen, haben bereits Ausdrücke wie Beton- oder Gigahoch für das Gebiet geprägt, das von der 1020-Hektopascal-Linie in der Wetterkarte umrissen wird (siehe Grafik).

Nebel könnte Sonnenstrahlen bremsen

Der Zeitpunkt dieses Wärmeschubs kommt nicht überraschend. In zwei von drei Jahren baut sich Ende September über Mitteleuropa ein Hochdruckgebiet auf, das die letzten warmen Tage des Jahres bringt - den Altweibersommer. Bauern erkannten diese Wetterregel früh. Sie wussten: Es gibt einige Tage im Jahr, da kann man sich auf das Wetter verlassen. Meteorologen sprechen bei diesen wiederkehrenden Mustern von Singularitäten.

Eine Einschränkung bleibt allerdings: der Nebel. Da sich die Sonne seit vergangenem Dienstag, dem astronomischen Herbstbeginn, wieder mehrheitlich der irdischen Südhalbkugel zuwendet, verliert sie an Kraft - ihr Erscheinen kann häufiger von Nebel und Hochnebel getrübt werden. Ob sie sich durchsetzt, entscheidet die Lage des Hochs. Liegt es eher im Norden, bläst Ostwind - die Nebelneigung ist hoch. Ebenfalls trüb fallen die Tage vermutlich aus, wenn sich das Hoch genau über Mitteleuropa stülpt; dann weht überhaupt kein Wind. Platziert es sich hingegen südlich, ist es um den Nebel geschehen.

Da zudem Juli und August sehr regenreich ausfielen, sind viele Böden noch nass. "Hätten wir einen sehr trockenen Sommer gehabt, dann würden die kommenden Tage noch wärmer ausfallen", sagt der Wetterexperte Kai Zorn vom privaten Dienst wetter.com. Gleichwohl rechnet er damit, dass es Sonntag und Montag noch einmal sommerlich wird. Die Wärmehochburgen dürften im mittleren und höheren Flachland liegen, wo immer ein Lüftchen weht und die Neigung zu Nebel grundsätzlich gering ist. Laut Zorn gab es vor zwei Jahren eine ähnliche Wetterlage, bei der es im Allgäu auf 700 Metern 28 Grad warm wurde, während das Tal kaum 20 Grad erreichte.

Und wie stabil ist das aktuelle Hoch nun? "Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich auch in der ersten Oktoberwoche behauptet, ist hoch", sagt DWD-Meteorologe Leyser. Zudem macht eine weitere Wetterregel Hoffnung auf einen goldenen Oktober, die sein Kollege Zorn kennt. Sie lautet: "September schön in den ersten Tagen, will den ganzen Herbst ansagen." Und tatsächlich: Der Septemberbeginn verlief spätsommerlich und schön. Über Mitteleuropa lag ein Hoch.