30. November 2012 15:59 Emotionen Nebulöse Mimik

Von Sebastian Herrmann

Ob jemand sich freut oder zornig ist, zeigt sich am Gesichtsausdruck - meinen wir. Doch wenn der Körper nicht zu sehen ist, sind diese Gefühle anhand der Mimik kaum zu unterscheiden.

Extremer Ärger und überschäumende Freude stehen Menschen ins Gesicht geschrieben - sollte man meinen. Doch offenbar gleichen sich die Spuren dieser entgegengesetzten Gefühle in der Mimik so sehr, dass sie kaum zu unterscheiden sind, zumindest für einen Moment.

Menschen beziehen daher ihre Informationen über die erlebten Gefühle eines anderen vor allem über die Haltung und die Bewegung des Körpers, berichten zumindest Psychologen um Hillel Aviezer von der Universität Princeton (Science, Bd. 338, S. 1225, 2012).

Die Wissenschaftler legten ihren Probanden Fotos von professionellen Tennisspielern vor, die direkt nach dem Gewinn oder Verlust eines wichtigen Ballwechsels aufgenommen worden waren. Betrachteten die Teilnehmer ausschließlich das Gesicht der Spieler, konnten sie sich nur schwer oder gar nicht entscheiden, ob die Mimik auf dem Foto Freude oder Ärger widerspiegelte.

Sahen sie hingegen nur die Körper der Sportler oder die Körper plus Gesichter, identifizierten sie zuverlässig, ob Freude oder Ärger im Spiel war. Insbesondere der Ausdruck positiver Gefühle war für die Probanden besser zu erkennen, wenn sie den ganzen Tennisspieler betrachten konnten.

Bilder isolierter Gesichter, die Freude zeigten, wurden sogar als negativer bewertet als solche, die Ärger oder Schmerz ausdrückten. Der erste mimische Ausdruck starker Gefühle sei offenbar sehr ähnlich, schreiben die Forscher.

Zugleich verdeutlichte die Studie, dass den Teilnehmern dieser Umstand nicht bewusst war. 80 Prozent gaben an, dass ein Blick auf das isolierte Gesicht am zuverlässigsten das Innenleben eines Menschen verrate. 20 Prozent vertraten die Ansicht, dass dazu ein Gesicht plus Körper am besten geeignet seien. Keiner traute nur dem Körper dignostische Qualität zu.