Zwischen den Zahlen: Google Teure Hilfsarbeiter

Google hat in Großbritannien aus steuerlichen Gründen zwar keine vollwertige Niederlassung. Das fällt aber nicht auf - weder bei den Gehältern, noch beim neuen Bürogebäude, dessen Entwürfe Firmenchef Page nicht spektakulär genug sind.

Von Björn Finke

Die schöne neue Internet-Welt befreit Menschen von der lästigen Notwendigkeit, für bestimmte Pflichten bestimmte Orte aufzusuchen. Angestellte können dank Breitband-Verbindung von zu Hause arbeiten anstatt ins Büro zu pendeln. Regale vom schwedischen Möbelhaus werden mit einem Klick auf dessen Webseite geordert - niemand muss sich mehr den Irrsinn antun, samstags an den Stadtrand zu fahren und mit viel zu vielen Gleichgesinnten durch unwirtliche Hallen zu irren.

Auch die Internet-Konzerne selbst sind irgendwie losgelöst von der Geografie, von Orten und Ländern. Räumlich ungebunden sozusagen. Ein schönes Beispiel dafür ist Google und die britische Landesgesellschaft des Suchmaschinen-Unternehmens. Im Königreich ist eine hitzige Debatte darüber entbrannt, wieso der amerikanische Milliarden-Konzern so wenig Steuern auf der Insel zahlt. Der Anlass: Google hat sich mit Her Majesty's Revenue and Customs, also dem Fiskus, darauf geeinigt, für die vergangenen zehn Jahre umgerechnet 170 Millionen Euro Steuern nachzuzahlen.

Diese Überweisung bringt Google aber nicht die Sympathie der anderen britischen Steuerzahler ein. Im Gegenteil erinnert die Einigung nur daran, wie wenig Abgaben die Firma in Großbritannien entrichtet, einem Land, aus dem immerhin 6,5 Milliarden Dollar ihrer Umsätze stammen. Da wirken die Beträge für den Fiskus lächerlich gering.

Viele Einnahmen, wenig Steuern - für dieses Rätsel gibt es eine ganz legale Erklärung. Google betreibt in Großbritannien offiziell kein sogenanntes Permanent Establishment, keine richtige Niederlassung, die Verträge mit Werbekunden unterschreiben darf. Die Umsätze aus dem Königreich werden daher bei der Europa-Zentrale in Dublin verbucht, wo die Steuern niedriger sind.

Orte, Länder, Grenzen: Internet-Konzerne wie Google sind da flexibel. Eben räumlich ungebunden.

Das Arrangement klingt fast so, als seien die 2300 Angestellten in Großbritannien Mitarbeiter zweiter Klasse, bloße Büttel ihrer Kollegen aus Dublin. Für diese Demütigung werden sie immerhin entschädigt: Das Durchschnitts-Jahresgehalt der 2300 Google-Hilfsarbeiter liegt bei 220 000 Euro. Und demnächst sollen viele von ihnen ihre Zuarbeit für die wichtigeren Google-Gesellschaften in einem schicken neuen Büro erledigen, in der Nähe des Londoner Bahnhofs St. Pancras.

Da plante Google ursprünglich den Bau eines 330 Meter langen - nicht hohen - gläsernen Riegels: eine Art umgekippter Wolkenkratzer. Auf dem Dach sollte eine Joggingstrecke entstehen. Doch Larry Page, Chef der Google-Mutterholding Alphabet, fand den Entwurf langweilig und heuerte einen Star-Architekten an, sich etwas Aufregenderes auszudenken. Google mag keine vollwertige Niederlassung im Königreich unterhalten, aber etwas hermachen sollte die Filiale schon.