Deutschland droht eine Mischung aus Depression und Deflation - doch Regierung und Sachverständigenrat haben keinen Plan für die Krise.
Der Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck war von 1998 bis 1999 Staatssekretär im Finanzministerium, er ist einer der führenden Vordenker für eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik in Deutschland. Heute arbeitet er als Chefökonom der Unctad in Genf, der Handelsorganisation der Vereinten Nationen.
Heiner Flassbeck, Chefökonom der Unctad in Genf (© Foto: dpa)
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Im Herbst 2007 prognostizierte der Sachverständigenrat, dass Deutschlands Wirtschaft im Jahr 2008 um 1,9 Prozent wachsen wird. Im Wesentlichen beruhte diese optimistische Zahl auf der Erwartung, dass die privaten Verbraucher 1,7 Prozent mehr ausgeben würden. Es gab für diesen Optimismus schon damals, wie wir im November 2007 in der Süddeutschen Zeitung vorhersagten, keine stichhaltigen Gründe. Insofern ist es kein Wunder, dass die damalige Prognose mit der Realität des Jahres 2008 nichts zu tun hat: Der private Verbrauch wird nach heutiger Schätzung des Sachverständigenrats um 0,3 Prozent sinken. Jetzt steht Deutschland vor einer tiefen Rezession. Das schwache inländische Standbein der Konjunktur hat natürlich nicht gehalten, als das ausländische Bein einbrach.
Gelernt hat der Sachverständigenrat aus diesem eklatanten Irrtum nicht. So geht er in seinem jüngsten Gutachten davon aus, dass der Konsum im nächsten Jahr um 0,4 Prozent zunehmen wird - eine überaus erstaunliche Prognose. Der Rat unterstellt dabei offenbar aus, dass ein drohender Abbau von Arbeitsplätzen keine spürbaren negativen Folgen beim Konsum zeitigen wird und die Bundesbürger ungetrübt Geld ausgeben werden. Dabei weisen die "Fünf Weisen" an anderer Stelle ausdrücklich darauf dahin, dass "die Aussichten für eine deutliche Belebung des privaten Konsums in Deutschland eher schlecht sind, da kaum erkennbar ist, welche Faktoren auf der Einkommensseite zu einem merklichen Anziehen des Konsums führen sollen". Ja, sie schreiben sogar, der Konsum könne "seine erhoffte Rolle als Wachstumstreiber nicht erfüllen", weil man dem Konsum die dafür notwendige Grundlage, eine vernünftige Entwicklung der Masseneinkommen, wegen der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts nicht zugestehen will.
Seit Jahren setzen die "Weisen" alles daran, normale Lohnzuwächse zu verhindern. Für die Bundesregierung und Sachverständige waren die Lohnmoderation das Herzstück der Wirtschaftspolitik. Sie verwiesen auf die Erfolge, die diese auf außenwirtschaftlichem Gebiet gebracht habe - abzulesen an dem 2007 fast 180 Milliarden schweren Überschuss in der Leistungsbilanz. Deutschland feierte sich als Exportweltmeister.
Doch dieser Titel ist nicht viel wert. So ist der gesamte Auftragseingang der deutschen Industrie im Oktober drastisch eingebrochen. Es wäre nun an der Zeit zu erkennen, dass sich die Erfolge im Ausland, die durch Lohndumping erzielt wurde, nicht ohne weitere in ein von der inländischen Nachfrage getragenes Wachstum überführen lassen.
Das hat, wie an der Entwicklung von Beschäftigung und Konsum in den vergangenen vier Jahren zu erkennen ist, schon in Zeiten einer dynamisch wachsenden Weltwirtschaft nicht funktioniert. Wie sollte es dann bei einer rückläufigen Auslandsnachfrage möglich sein? Jeder vernünftige Beobachter muss für 2009 einen deutlichen Einbruch des privaten Konsums prognostizieren. Die Empfehlungen der letzten zehn Jahre, sich bei den Lohnsteigerungen zurückzuhalten, waren somit nicht nur mittelfristig wirkungslos, sondern eindeutig schädlich.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es für eine kurzfristige Stärkung des inländischen Konsums durch die Lohnpolitik zu spät ist.
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Demonstrationen in Hamburg
Man stelle sich doch bitte die Bundeskanzlerin und den Finanzminister einmal vor und Figuren ergehen sich seit einiger Zeit, jeder für sich, in immer neuen Horrorszenarien.
Jahrelang hat man dem Treiben in den USA und anderswo zugesehen und die Politik der nicht beherrschbaren Risiken verteidigt. Schlimmer noch, man hat die "Finanzprodukte" als modern bezeichnet. Wie bitte sehr soll den die Regierung auf die immer dramatischeren Nachrichten reagieren. Wenn in den übrigen Ländern ständig beklag "Experten" zu. Natürlich stimmt es, dass die Auftragseingänge dramatisch rückläufig sind, wie in der Metall - und Elektroindustrie. Es steht aber nirgends geschrieben, wie hoch der Gesamt-Vorlauf ist. Hier wird offenbar von interessierter Seite die Wirtschaftslage in unerträglicher Weise weiter schlecht geredet. Andererseits muss man H.Flassbeck in weiten Bereichen zustimmen. Das hat aber sehr viel damit zu tun, dass jeder, der Kenseyanisch argumentiert hat, sofort diskriminiert wurde. Inzwischen sind ganze Heerscharen bemüht, ihre Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen, indem sie die angebotsorientierte Politik verlassen und zur nachfrageorientierten Politik umschwenken wollen. Das ist niemals zu schaffen, weil: 1. die gesunkenen Einkommen das nicht zulassen und 2. Latent die Angst vor Arbeitsplatzverlust besteht. Beides wird noch durch die sogenannten " Experten" weiter befeuert. Das halte ich in der Tat für unverantwortlich! Hinzu kommt, dass in immer größerem Masse Arbeitgeber dazu übergehen, mit zweifelhaften bis unsittlichen Methoden ihre Mitarbeiter zu schröpfen.
Klar ist, dass die Unternehmen Geld verdienen sollen und auch müssen. Doch scheint die Balance schon seit einigen JAHREN aus dem Ruder gelaufen zu sein. Womit sich der Teufelskreis schließt. Man muss davon ausgehen, dass Obama ab Januar die Szene neu beleben wird, um der Welt - vor allen Dingen auch in Deutschland - zu zeigen, mit welchem verheerenden Mittelmaß dort gearbeitet wird.
Nachfrage nach hochqualifizierten Diensten insbesondere gegenwärtig ist mehr als reichlich vorhanden. Von einer Konsumschwäche zu reden, überspringt fiktiv reale Tatbestände. Flassbeck sollte sich daran erinnern, auch nur ein Mensch zu sein und deshalb nie fliegen zu können. Die Frage demgegenüber ist aus diesem Grund, weshalb private Konsumenten die Leistungen vor allem hochqualifizierter Dienste nicht entlohnen und dadurch enorme Skaleneffekte gezielt vereiteln und der Volkswirtschaft vorsätzlich Schaden zufügen. Der weit überwiegende Anteil derjenigen, denen die aufziehende Krise angeblich bange macht, sind daher nichts weiter als schnöde Heuchler und moralisch verkommen.
um vorgeben zu können diese verquere Logik zu verstehen.
Warum soll ich mit Geld, das ich nicht übrig habe, Dinge kaufen, die ich nicht brauche, um damit vielleicht Menschen zu imponieren, die ich unter Umständen nicht einmal ausstehen kann? Ich habe auch keine Lust auf Schnäppchenjagen, koste es was es wolle. Ich brauche eigentlich nur was zum Essen, zum Trinken, ein Dach übern Kopf, eine anstädnige Ausbildung für meine Kinder und einigermaßen gesicherte Verhältnisse für mich und meine Frau.
Was für ein blödsinniger Vergleich. Viele Amerikaner haben Schulden gemacht, weil dank Lohndumping zu wenig zum Leben hatten und immer noch haben. Nicht weil sie Lust am konsumieren und Schulden machen auf Teufel komm raus hatten. Berge von Schulden haben hauptsächlich diejenigen angehäuft, die mit geliehenem Geld gezockt haben.
irgendwie find ich das ganze Gerede vom Konsum irgendwo zwischen laecherlich und traurig. Wie wenn der Konsum das Ziel waere, und nicht das Mittel zum Zweck. Zweck ist doch in seinem Leben gluecklich zu werden.. und was waerz wenn man dazu keinen Konsum benoetigt? Dann bricht anscheinend die Gesellschaftsordnung zusammen..
Irgendwie sind hier die Prioritaeten nicht richtig gesetzt.. ich verstehe eigentlich nicht wieso alles immer wachsen muss? Frueher oder spaeter geht das doch eh nicht mehr.. ich schau mir nur mal die Bevoelkerungspyramide an.. um weiter so zu leben muss die Bevoelkerung wachsen, sonst haben wir eine "Rentnerschwemme".. dass die Bevoelkerung nicht ewig wachsen kann, scheint niemand zu bedenken. Ich weiss nicht ob es mit der Wirtschaft genauso ist, aber irgendwie scheint mir das alles ziemlich kurzfristig und auf Sand gebaut. Muessten wir nicht vielleicht, anstatt zu konsumieren, darueber nachdenken wie wir wirklich Mehrwert fuer die Gesellschaft schaffen? Indem wir lesen, uns zu Diskussionen treffen, anderen Menschen helfen. aber nein dafuer haben wir keine Zeit.. wir muessen ja konsumieren weil sonst die Wirtschaft zusammen bricht..
Vielleicht hat das auch sein gutes wenn wir jetzt alle Zeit haben weil wir arbeitslos sind.. wir haben mehr Zeit darueber nachzudenken was wirklich wichtig ist, und setzen es vielleicht sogar um..
Paging