Wiedereröffnung der Geldhäuser Zypern rüstet sich für Ansturm auf seine Banken

Die EZB liefert Hunderte Millionen in bar, die Polizei bastelt an Einsatzplänen: Zypern stellt sich auf einen Ansturm bei Öffnung der Banken ein. Die soll am Donnerstag erfolgen. Wie viel Geld werden wohlhabende Kunden verlieren?

Zehn Milliarden Euro reichen offenbar nicht zur Beruhigung: Trotz des Rettungspakets traut sich Zypern noch keine Wiedereröffnung seiner Banken vor Donnerstag zu. Eigentlich hatte die Regierung in Nikosia schon für Dienstag geplant, zumindest die Genossenschaftsbanken sowie die nicht angeschlagenen kleineren Banken zu öffnen. Doch die Notenbank ließ eine Öffnung der schon seit mehr als einer Woche geschlossenen Banken nicht zu. Zu groß waren offenbar die Befürchtungen, dass die Kunden die Filialen stürmen und ihre Ersparnisse abziehen.

Um das zu verhindern, hat die Zentralbank den Kapitalverkehr eingeschränkt. Kunden der beiden größten Banken können nur noch 100 Euro pro Tag abheben. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades, der nach den mühsamen Verhandlungen in Brüssel kommentarlos abgereist war, versprach seinem Volk am Montagabend in einer TV-Ansprache eine baldige Normalisierung des Zahlungsverkehrs. Die Kontrollen würden von sehr kurzer Dauer sein und schrittweise gelockert.

Auch Finanzminister Michael Sarris zeigte sich im BBC-Hörfunk optimistisch, dass die Banken am Donnerstag wieder öffnen würden. Er sprach allerdings davon, dass die Beschränkungen anhalten könnten: "Ich denke, wir reden hier über Wochen." Die Zentralbank betonte die Notwendigkeit, "reibungslose Abläufe im ganzen Bankensystem" sicherzustellen.

Bargeld-Lieferung und Polizeischutz

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe an Zyperns Zentralbank verschickt haben. Diese verteile sie bereits an alle Geldinstitute, hieß es aus Finanzkreisen. Zyperns Polizei hat angesichts der bevorstehenden Bankenöffnung Pläne für den Schutz der Geldinstitute entworfen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Sicherheitskräfte erfuhr, sollen alle Bankfilialen am Tag der Öffnung der Banken Polizeischutz bekommen - um "potenzielle Gewalttäter" abzuschrecken.

Zu ersten Demonstrationen kam es bereits an diesem Dienstag. Mit Spruchchören "Ihr habt unsere Zukunft zerstört" protestierten Hunderte Schüler und Studenten in Nikosia gegen die Sparmaßnahmen und die andauernde Bankenschließung. Sie zogen zunächst durch die Stadt bis zum Präsidialgebäude. Dort warfen einige Schüler Gegenstände auf die Polizei, wie Augenzeugen berichteten. Die Beamten reagierten nicht.

Nach wie vor ist unklar, wie die geplanten Einschränkungen aussehen werden, die verhindern sollen, dass alle Sparer bei einer Wiedereröffnung der Banken ihr gesamtes Geld abziehen. Es wird erwartet, dass Bankkunden weiterhin nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen - womöglich angelehnt an das derzeitige Limit für Geldautomaten, das je nach Bank bei 100 bis 120 Euro liegt.

Bankchef tritt aus Protest zurück

Anastasiades verteidigte zudem das ausgehandelte Rettungspaket, das im Gegenzug für zehn Milliarden Euro an internationalen Hilfen eine radikale Schrumpfkur des überdimensionierten Finanzsektors vorsieht: Zyperns zweitgrößte Bank Laiki soll geschlossen werden. Auch bei der größten Bank des Landes - der Bank of Cyprus (BoC) müssen Kunden mit Verlusten rechnen, auf Guthaben über 100.000 Euro gibt es eine Zwangsabgabe. Deren genaue Höhe stehe noch nicht fest, es könnten aber etwa 40 Prozent werden, so Sarris. Bislang war meist von 30 Prozent die Rede.

Der Verwaltungsratschef der größten zyprischen Bank steht Finanzkreisen zufolge unmittelbar vor dem Rücktritt. Andreas Artemis habe der Bank of Cyprus sein Rücktrittsschreiben am Dienstag zugestellt, sagte eine mit der Sache vertraute Person zur Nachrichtenagentur Reuters. Andernorts hieß es, dass der Rücktritt aus Protest erfolge.

Auch Moskau reagierte empört auf die drohenden Verluste, denn viele vermögende Russen haben ihr Geld in Zypern angelegt. Immer wieder wird allerdings auch darüber gemunkelt, dass russische Anleger bereits eine Möglichkeit gefunden hätten, heimlich ihre Konten aus dem Ausland abzuräumen. Belege für größere Transaktionen gibt es bislang jedoch nicht.

Aus Deutschland und anderen Euro-Ländern kam unterdessen Kritik an dem zyprischen Modell, mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laxen Kontrollen Gelder zweifelhaften Ursprungs aus dem Ausland anzulocken.

Anastasiades räumte ein, dass die mit den internationalen Geldgebern erreichte Vereinbarung hart sei. Sie sei jedoch "unter den Umständen die beste, die wir erzielen konnten". Arbeitsminister Harris Georgiades sagte der Bild-Zeitung, die Sanierung des Bankensystems werde die Wirtschaft in große Schwierigkeiten bringen. "Wir werden durch eine sehr schwere Zeit gehen."

"Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt"

Unterdessen gibt es zwischen den Euro-Rettern Streit. EZB-Direktor Benoit Coeure kritisierte Äußerungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zum künftigen Umgang mit strauchelnden Banken. Die Beteiligung von Gläubigern und Eigentümern an der Rettung der zyprischen Banken sei ein Einzelfall und keine Blaupause für künftige Krisen, sagte er dem französischen Radiosender Europe 1. "Ich denke, Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt." Dieser hatte zuvor in einem Interview erklärt, die Beteiligung von Aktionären, Anleihe-Gläubigern und Sparern an der Sanierung von Banken tauge als Modell für künftige Rettungsaktionen. In einer Mitteilung danach ruderte er allerdings zurück und relativierte seine Aussagen. Er sprach von Zypern als einem speziellen Fall.

Die Piraeus-Bank übernimmt derweil für 524 Millionen Euro in bar die griechischen Filialen zyprischer Banken. Dabei gehe es um die Geschäfte von der Bank of Cyprus, der zyprischen Volksbank und der Hellenic Bank, teilte das Institut mit. Die Filialen sollten am Mittwoch wieder öffnen. Die Bankkunden in Griechenland seien zudem nicht von der geplanten Zwangsabgabe für die zyprischen Institute betroffen, hieß es weiter.

Die drei zyprischen Banken kommen zusammen auf einen Marktanteil von ungefähr zehn Prozent in Griechenland. Mit dem Schritt soll das ohnehin schon mit genügend eigenen Problemen kämpfende griechische Bankensystem vor den Folgen der Krise auf Zypern abgeschottet werden.