"Europa am Abgrund", "eine deutsche Tragödie", "Desaster" - mit jedem Tag werden die Horrorszenarien für den Euro dramatischer. Doch so weit ist es noch lange nicht. Zwar gibt es keinen Anlass, die Probleme kleinzureden. Aber die Apokalyptiker gehören in die Schranken gewiesen. Denn wer von Alternativlosigkeit redet, gibt sich auf.
Es reicht! Schluss mit diesen Horrorszenarien um den Euro, mit dem Gerede von einer angeblichen Alternativlosigkeit der Maßnahmen, mit dem Beschwören der Apokalypse. Viel zu lange hat auch der Schreiber dieser Zeilen selbst diese Position eingenommen, zwar mit schlechtem Gewissen. Hat sich zu einer Meinung gezwungen, die verbreitet war, deren letzte Stichhaltigkeit aber nicht überprüft werden konnte. Hat nach dem Lehman-Schock im September 2008 grimmig die Ansicht geteilt, dass man keine Banken pleitegehen lassen durfte. Grimmig deshalb, weil die Marktwirtschaft eigentlich bedingt, dass jeder für seine Fehler einzustehen hat.
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Europas Schuldenkrise: Es doch um die Gefährdung des erreichten Wohlstandsniveaus, nicht um den Weltuntergang. (© ag.dpa)
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Wer sich verplant, verkalkuliert, verspekuliert, der ist am Ende womöglich pleite. Das gilt für Private, für Mittelständler, es sollte gelten auch für jeden Konzern und jede Bank und auch für Staaten. Tut es in der Praxis aber nicht, weil die Wissenden raunen: too big to fail, systemrelevant. Damit ist die Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt. Too big to fail, klar. Wer will schon die "Kernschmelze des Finanzsystems" erleben, den "Super-Gau" befördern?
Schon die Wortwahl ist verräterisch. Kernschmelze, das waren Tschernobyl und Fukushima. In Euro-Land geht es um die Gefährdung des erreichten Wohlstandsniveaus, was schlimm genug ist, aber kein Weltuntergang. Dies schon mal als erste Einordnung.
Dass ausgerechnet die Banker Panik schieben, hängt auch mit deren Selbstsicht zusammen. Lange waren die Fürsten des Geldes unangreifbar, die Welt lag ihnen zu Füßen. Sie kreierten Geld, garantierten Innovation und Wohlstand. Die Politik überbot sich mit Hilfestellung, Deregulierung der Finanzmärkte inklusive. Nun spüren die Masters of the Universe einen nie zuvor erlebten Kontrollverlust. Sie sind darauf nicht vorbereitet und können damit nicht umgehen, und diese Stimmung streuen sie im Land.
Also rüsten die Apokalyptiker im Vorfeld des großen EU-Gipfels noch einmal nach. "Es wird alles ganz schlimm", sagen US-Präsident Obama und sein Finanzminister Geithner gegenüber ihren deutschen Gesprächspartnern, weil sie von ihrer eigenen Super-Verschuldung ablenken wollen, und so steht es täglich in den angelsächsischen Medien. Übers Ziel hinaus schoss jetzt die Financial Times Deutschland. Sie stellte einen ganzen Teil der Zeitung unter den Titel "Europa am Abgrund", beschäftigte sich fast nur mit den Folgen eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone und illustrierte das Ganze großflächig mit Szenen aus dem Triptychon "Das jüngste Gericht" des deutschen Malers Hans Memling aus dem 15. Jahrhundert. Wer noch nicht genug hatte, der bekam im Kommentarteil ein Stück unter der Überschrift "Merkel stalkt Europa ins Desaster. Eine deutsche Tragödie" nachgereicht.
Geht's vielleicht 'ne Nummer kleiner?
Dabei besteht kein Anlass, die Probleme geringzureden. Europa steckt in einer der größten Krisen seiner Geschichte. Die Verschuldungssituation einiger Staaten wie Griechenland und Portugal ist außer Kontrolle geraten, große Staaten wie Italien und womöglich Frankreich sind infiziert. Staatsanleihen sind zeitweise unverkäuflich, Investoren aus Übersee meiden Europa. Hiesige Banken bekamen vorübergehend praktisch keine Dollar mehr, ein Albtraum für die exportorientierte deutsche Industrie, die Geschäfte in Dollar abwickeln muss. Wenn Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums, an den Märkten überhaupt noch Geld zur Umwälzung ihrer 120-Prozent-Verschuldung erhalten will, muss es Zinsen akzeptieren, die nach dem Vorbild Griechenlands den Staatshaushalt sprengen können.
Alles sehr bedrohlich - aber heißt das wirklich auch, dass für politische Maßnahmen kein Raum mehr ist? Dass die Schulden sofort vergemeinschaftet werden müssen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine Wir-zahlen-alles-Garantie ausspricht? Die Apokalyptiker sagen und fordern genau dies. Sie legen keine Beweise vor, argumentieren aber ultimativ. Wer widerspricht, ist naiv, dumm, renitent.
Die Dummen sind immerhin klug genug zu erkennen, dass mit einer Sturz- Finanzierung keine Reparatur des Systems verbunden wäre, das doch erst in die Krise geführt hat. Diese Reparatur, heißt es gönnerhaft, kann ja später kommen - wenn die Krise vorbei ist. Dabei sagt alle Lebenserfahrung: Nach der Krise gehen Geldvermehrung und -entwertung garantiert fröhlich weiter, bis zur nächsten Krise. So kann das also nicht funktionieren.
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Dem Autor dieses Beitrags kann ich in etlichen Punkten beipflichten. Allerdings scheint er sich mit möglichen Auswegen aus der Schuldenkrise noch nicht so richtig beschäftigt zu haben. Diese sind, zumindest theoretisch, folgende: Inflation, Wachstum, Steuererhöhungen, Schuldenschnitt. Wenn man mal in Ruhe die Fakten zusammen sammelt, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass die ersten drei Varianten Jahrzehnte brauchen würde und eine völlig illusorische jahrelange Disziplin der europäischen Regierungen voraussetzt. Das wird nie funktionieren.
Bleibt also nur der Schuldenschnitt -Haircut 100-, also die Streichung aller Staatsschulden bei gleichzeitigem Verbot einer erneuten Verschuldung. Das bedeutet den Zwang zu ausgeglichenen Haushalten auf allen Ebenen, notfalls finanziert durch Steuererhöhungen für die Vermögenden. Natürlich ginge das nur auf europäischer Ebene, d.h. zumindest alle Eurostaaten handeln synchron.
Man mag einwenden, dass führe ins Chaos, aber das ist durch nichts belegt. Das ist lediglich wieder das apokalyptische Gemälde der einschlägig interessierten Kreise, mit dem Ziel, zu suggerieren, die Interessen der oberen Zehntausend wären identisch mit dem Interesse der Gesellschaften insgesamt. So kann man alles als "alternativlos" verkaufen.
- update - Derivaten Müllberg ist auf über 700 Bn. $$$ gewachsen.
ZHedger haben sogar die Struktur auseinander gewuselt.
Einziger Mensch der im Bilde sein kann/sollte, ist der Joe Ackerman, als ISDA Chairman.
Bernank hat seit 2008 den PDs stolze 16 Bn. falsifizierten $$$ ausgehändigt, und die thematisiert kein Schwein. ( Liebe Deutsche Bank hat sich aus diesem pool läppische 534 Mrd. $$$ abgezwackt, und nu quiekt nach dem cash ). Bernie Sanders hat den pdf. ( GAO Fed Audit ). Ich schätze das ein Drittel der Knete als Waffe gegen EU verwendet worden ist. ( Such eine wackelige Bank/Staat, pumpe die Knete rein, drehe denen den Schrott an, besorge dir CDS an den Schrott und die Bank/Staat, und shorte die zum Tode ). MBS franchise pur.
Never touch a running system.
Im Q2 nächsten Jahres sind mickrige 1,6 Bn. € PIIGSFBE Bonds fällig.
Der werte Author serviert den humoristischen KoolAid am Ende des Sessions, sodass die "Wahrheit" mindestens übers Wochenende leben kann, ohne lästige Nörgler die das Meisterwerk des Journalissmuss devalvieren können. Nüx was wir nicht gesehn haben.
Irgendwie funzen die Medien wie die Börse. Meiste Eregniße, ( Ergo Betrug und Manipulationen ), passieren nach der Glocke... :-P
Eg0l - zerohedge , aka Tylers pennen nie ....
Das Vertrackte an der Schuldenkrise ist, dass niemand seine wahren Dimensionen und Folgen kennt bzw. einschätzen kann - weder die Apokalyptiker noch Marc Beise. Insofern können erstere zu Recht gescholten werden, allerdings muss sich auch letzterer vorhalten lassen, dass sein zorniges "Abwiegeln" falsch sein kann.
Ich würde dem Autor in seiner Analyse und seinem versöhnlicherem Ausblick ja gern folgen, wenn sie kräftige Substanz hätten. Doch er verweist lediglich auf drei Micky-Maus-Beispiele, lässt aber den Zielkonflikt, das Dilemma dieser Krise unbesprochen, und zwar die Tatsache, dass ein gigantischer europäischer Schuldenberg bis zu einer verträglichen Marge abgetragen werden, also durch Haushaltsdsisziplin eingespart werden muss, während die nationalen Ökonomien wachsen müssen, um all das finanzieren zu können und um keine weiteren Defizite entstehen zu lassen.
Ich gebe zu bedenken, dass dies den politischen Eliten Europas selbst unter weitaus günstigeren Bedingungen nie gelungen ist. Siehe die von ihnen aufgetürmten Staatsverschuldungen! Wie soll ihnen also unter Krisenlagen gelingen, was sie in normalen Zeiten auch nicht annähernd hinbekommen haben?
Nein, bis auf weiteres neige ich getrost der Ansicht zu, dass die Krise eher so bitterböse ist, wie´s die Tataren-Meldungen verheißen.
In den letzten 3 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 32,5 Bio $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. Beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Europas Banken sitzen auf über 18 Bio $ Kreditrisiken, das sind 44% ihrer gesamten „Vermögensanlagen“.
Europas Bankster erhielten von den EU-Staaten gewaltige Summen zur Verfügung gestellt, um die Finanzstabilität zu erhalten. Allein zwischen Okt. 2008 und Okt. 2010 genehmigte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben Steuergelder der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Mrd Euro (4,5 Bio). Und schon wieder wurde jeder Cent an den Börsen und im Eigenhandel verzockt. Die Armen, die sind schon wieder/immer noch so pleite wie anno 2007.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/EUStaaten-greifen-fuer-krisengeschuettelte-Banken-tief-in-die-Taschen/story/26492176
Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Bio $ absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf
Und sämtliche Konjunkturstrohfeuer sind wirkungslos verpufft, ohne den gewünschten Erfolg. Jetzt sind fast alle westl. Ind.staaten pleite – noch mehr pleite geht nicht mehr. Wegbrechende Steuereinnahmen prallen auf explodierende Ausgaben für Zinsen und Soziales. In DE neigt sich unser kreditfinanzierter Export ebenfalls dem Ende zu. In den letzten 3 Jahren erhielten die PIIG(F)S über 500 Mrd. € von der EZB/DBB, um unsere Rechnungen bezahlen zu können. Da is auch Feierabend.
Unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana
Und in China geht der Spuk von neu erstellten, aber leerstehenden Millionenstädten auch dem Ende zu, von dem gerade wir partizipierten. Die Immobilienpreise purzeln schon wie anno 2007 in den USA. Politkader verlassen bereits das sinkende Schiff und flüchten nach Europa. Vorerst mal.
Von der größten Krise der Neuzeit, entstanden durch Leben auf Pump, sehen wir erst die Spitze des Eisbergs – es hat sich ausgepumpt. In den letzen 20 Jahren hat sich die Weltverschuldung von ca. 18 Bio. $ auf über 96 Bio. $ vervierfacht. Und die Zentralbanken fluten schon im Wochentakt.
Noch ist dafür Zeit, sein Vermögen und seine Ersparnisse günstig und sicher in Rohstoffe und Edelmetalle
Mensch Beise. Der war gut. Tätätätä!
Wenn man nur diese Zeile liest, weiß man, von wem der Text ist.