Ende einer Ära: Nach fast 17 Jahren tritt Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef zurück - mit einer Abfindung von 50 Millionen Euro. Sein Nachfolger ist Produktionsvorstand Macht. Zugleich machten die Eigentümer den Weg frei für eine Kapitalerhöhung, den Einstieg des Emirats Katar - und für eine Zukunft mit VW.
Nach dem Rücktritt von Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef frohlocken seine Gegner im Machtkampf zwischen Porsche und VW.
Machtmensch und Provokateur: Nach fast 17 Jahren im Amt tritt Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef ab. (© Foto: AP)
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Niedersachsens Ministerpräsident, Christian Wulff (CDU), rief dazu auf, jetzt "nach vorne zu schauen". Wiedeking habe bei dem Versuch, Volkswagen zu übernehmen, "die richtige industrielle Logik erkannt", erklärte Wulff am Donnerstag in Hannover. Porsche werde autonom mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen bleiben wie Audi in Ingolstadt. "Die Porsche-Standorte sind sicherer als zuvor", versicherte Wulff.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte: "Wir respektieren diesen Schritt von Herrn Wiedeking und Herrn Härter. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, ein industrielles und finanzielles Gesamtkonzept zu gestalten, das dem Wohle der Arbeitnehmer des Volkswagen-Konzerns und von Porsche dient. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, hat ein gemeinsamer integrierter Automobilkonzern mit Porsche die Chance, ein Erfolgsprojekt zu werden."
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der für den Verbleib von Wiedeking an der Spitze des Unternehmens gekämpft hatte, wollte am Mittag zu den Arbeitern sprechen. Am Donnerstag wollte auch der VW-Aufsichtsrat in Stuttgart beraten. Dabei dürfte das von Piëch und Wulff im Schulterschluss durchgefochtene Konzept der schrittweisen Übernahme von Porsche durch VW beschlossen werden.
Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, der lange Zeit hinter Wiedeking gestanden hatte, sieht die weitere Entwicklung von Porsche "positiv". Zu Beginn einer Sitzung des VW-Präsidiums in Stuttgart sagte er am Donnerstag: "Es ist doch alles wunderbar."
Wiedeking ist das erste prominente Opfer im monatelangen Übernahmemachtkampf zwischen Porsche und VW. Nach fast 17 Jahren an der Spitze von Porsche gibt der 56-Jährige seinen Chefposten in Zuffenhausen mit sofortiger Wirkung auf, wie am frühen Morgen mitgeteilt wurde.
Das hatte der Porsche-Aufsichtsrat in einer kurzfristig anberaumten Sitzung am Donnerstag beschlossen. Nachfolger von Wiedeking bei der Porsche AG soll der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht werden. Dessen Stellvertreter wird der bisherige Personalvorstand Thomas Edig, der seit 2006 bei Porsche ist.
Auch ein Wiedeking-Intimus verlässt den Stuttgarter Autohersteller: Finanzvorstand Holger Härter, der maßgeblich an den riskanten Optionsgeschäften zum Kauf von Volkswagen beteiligt war, gibt seinen Posten ebenfalls ab.
Als Begründung für das Aus der beiden Manager teilte Porsche mit, Wiedeking und Härter wollten mit diesem Schritt "einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der Situation leisten". Sie legen auch ihre Aufsichtsratsmandate bei VW und Audi nieder.
Versüßt wird Wiedekings Abgang mit einer Abfindung von 50 Millionen Euro, von der allerdings die Hälfte in eine soziale Stiftung geht. Ursprünglich hatte Wiedekings Vertrag eine Laufzeit bis 2012. Was der Manager mit den Millionen macht, teilte er in einer persönlichen Erklärung mit.
Sein Finanzvorstad Härter bekommt 12,5 Millionen Euro. Zuvor war in Medienberichten von einer Rekordabfindung von rund 250 Millionen Euro für Wiedeking die Rede.
Neue Milliarden für Porsche
Nach dem Aus für Wiedeking gilt es als sicher, dass VW den Sportwagenbauer schrittweise übernimmt und Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern eingliedert wird. Porsche hat sich mit der Übernahme von knapp 51 Prozent von VW verhoben und mehr als zehn Milliarden Euro an Schulden angehäuft.
Die Milliardenschulden von Porsche sollen durch eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro sowie den Einstieg des Golfemirats Katar abgebaut werden, teilte der Aufsichtsrat in Weissach bei Stuttgart mit.
Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand, die Verhandlungen mit Katar zum Abschluss zu bringen. Ziel sei, die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus der Porsche SE und der Volkswagen AG zu schaffen, erklärte der Aufsichtsrat nach dem einstimmigen Beschluss.
Die anschließenden Gespräche von Porsche und VW über eine Zusammenlegung der Aktivitäten mit Porsche als zehnter Marke unter einem gemeinsamen Unternehmensdach versandeten jedoch. VW machte in Sorge um die eigene Kreditwürdigkeit Druck auf Porsche, zunächst die hohe Verschuldung zu senken.
Wulff hat dagegen schon einmal klargestellt, wie er sich die Machtverhältnisse zwischen Stuttgart und Wolfsburg vorstellt. "Porsche wird selbstverständlich autonom mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen bleiben wie Audi in Ingolstadt", sagte der CDU-Politiker. Audi ist zwar börsennotiert, doch gehören mehr als 99 Prozent der Aktien Volkswagen. "Die Porsche-Standorte sind sicherer als zuvor", betonte Wulff.
VW-Kontrolleure tagen in Stuttgart
Das zwölfköpfige Kontrollgremium von Porsche war am frühen Mittwochabend überraschend im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach zusammengekommen, um die Weichen für die Zukunft des Autobauers zu stellen. Ursprünglich war die Sitzung für Donnerstag geplant.
Einzelheiten zu dem Rettungskonzept gab es zunächst nicht. Am Donnerstag sollte der Aufsichtsrat von VW in Stuttgart wie geplant zusammenkommen. Der Porsche-Aufsichtsrat wird am Nachmittag nicht mehr tagen.
Die Familien Porsche und Piëch hatten sich nach früheren Angaben aus Konzernkreisen grundsätzlich darauf geeinigt, dass VW Porsche schrittweise komplett übernimmt und der Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Wolfsburger Konzern integriert wird. Damit hätte sich VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch mit seinem Plan durchgesetzt.
In den vergangenen Tagen war schon wiederholt über das Ende von Wiedeking an der Spitze des Sportwagenbauers spekuliert worden, da für den Manager in dem neuen VW/Porsche-Konzern kein Platz mehr ist. Der neue starke Mann im VW/Porsche-Konzern soll VW-Vorstandschef Martin Winterkorn werden.
Lesen Sie hier die persönliche Erklärung von Wendelin Wiedeking im Wortlaut.
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(sueddeutsche.de/dpa/tob/odg/hgn)
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Ein Manager verwettet seine im anvertraute Firma. Porsche einst klein und fein ist heute nur noch eine Marke deren zukünftige Produkte von VW bestimmt werden. So kann man ein stolzes Unternehmen ruinieren........
Ob nun der Herr Wiedeking 50 MIO kassiert, oder den
Banken Miliardenschirme aufgespannt werden, der
Bürger kann sich nur über unsere eifrigen Nichtstuer,
sprich Politiker, wundern. Also weiter so, zu Gunsten
der an den Trögen stehenden. Wichtig sind Aufsichtsratposten
und Diäten.
naja, so geht ja nicht. wenn sie eine managentleistung bewerten wollen, dann isoliert und nicht z.b. innerhalb einer rezession. soll heißen: um eine leistung richtig einzusortieren, müssen alle faktoren rausgerechnet werden, die damit nicht zu tun haben.
wird immer wieder versucht, bspw. bei ifrs-regelungen und der zweckmäßigkeitsanalysen - funktioniert aber nur sehr schwer, da sehr weiche faktoren eine rolle spielen ...
j.
nicht immer durcheinander bringen.
Verdienste rechtfertigen keine Abfindung.
Die Abfindung bekommen Herr Wiedking und Herr Härter weil sie einen laufenden vertrag haben, der Ihnen ein bestimmtes Einkommen zusichert und die Fa. Porsche nicht mehr bereit ist, diesen Vertrag einzuhalten. Um diesen Vertrag aufzuheben, bedarf es der Zustimmung von den genannten Herren. Das Geld ist weder unmoralisch noch illegal. Es ist geltendes Recht.
Da erlebten wir einen der spannendsten Wirtschaftskrimis mit einer ganzen Reihe von noch interessanter Aspekte und worauf konzentriert sich die Mehrheit der Leser? Auf die Auslebung ihres Sozialneids. 50 Mio.! Skandal!!
Aber reden wir hier wirklich von einem Skandal, einer moralischen Entgleisung? Da kommt eine junge, vielversprechende Führungskraft in ein abgewirtschaftetes Unternehmen und lässt sich für sein Karriererisiko 0,7% vom zukünftigen Unternehmensgewinn zusichern. Ich unterstelle, dass die Mehrheit der empörten Leser selbst vor einem solchen Schritt zurück geschreckt wäre. Nachdem viele Menschen mit diesem Unternehmen viel Geld verdient haben, plante Herr Wiedeking mit Zustimmung seiner Herren (einschließlich Piech) einen richtig kühnen Coup. Anschließend ist man zwar bis in den Tresorraum gelangt, kam aber nicht mehr rechtzeitig an den Tresorschlüssel heran.
Und seine zerstrittenen Dienstherren (die jetzt - wenn auch nicht die alleinige - Kontrolle über einen ganzen Autokonzern(!) gewonnen und nebenbei das Risiko für ihr Familienvermögen diserfiziert haben)? Sie reagieren darauf (jeder auf seine Weise) und am Ende gibt es eine Gesamtlösung, der nur noch ein Mann - mit einem wirksamen Vertrag in der Tasche - entgegensteht. Also was macht man? Man zahlt ihn aus. Und am Ende fließen 50 Mio. Euro: Ein großer Teil ins Steuersäckel, ein weitere großer Teil in soziale Projekte und ein, sicher immer noch beachtlicher Teil, an Herrn Wiedeking. DARÜBER soll ich mich empören? Och, ich finde da gibt es eine ganze Reihe besserer Gelegenheiten.
Paging