Verhandlungen mit den Banken Ackermann will Griechenland 70 Prozent der Schulden erlassen

Das wochenlange Ringen ist womöglich vorbei: Deutsche-Bank-Chef Ackermann sagt, die privaten Gläubiger könnten Griechenland statt der Hälfte der Schulden 70 Prozent, vielleicht sogar etwas mehr erlassen. Falls es keine Einigung in den Verhandlungen gebe, könnte es für Portugal gefährlich werden, warnt Ackermann.

Die Gläubiger Griechenlands werden nach Angaben des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann offenbar einen Schuldenschnitt von 70 Prozent akzeptieren, vielleicht sogar etwas mehr. Er selbst wolle möglicherweise am Wochenende nach Athen fliegen, sagte Ackermann in Frankfurt.

Wörtlich sprach er bei der Aufzeichnung eines Interviews mit der BBC in englischer Sprache von "about 70 percent plus". Verwirrung hatte die Übersetzung einer Nachrichtenagentur gestiftet, die das mit "70 Prozent plus X" übersetzt hatte. Die Deutsche Bank stellte im Gespräch mit der SZ klar, dass Ackermann eher "mindestens 70 Prozent" gemeint hatte.

Seit Wochen sind die Verhandlungen zwischen dem Verband der Bankenlobby IIF, der Ackermann vorsteht, und der griechischen Regierung festgefahren. Gestritten wird über die Höhe des Zinssatzes, den Griechenland auf die langfristigen Anleihen zahlen soll, die es im Zuge eines Anleihetauschs an die Gläubiger ausgibt. Dafür geben die Banken ihre kurzfristigen, höher verzinsten Anleihen ab und entlasten so den überschuldeten Staat vorerst.

Es ist das zweite Mal, dass der Prozentsatz des Schuldenschnitts angehoben wird. Auf dem EU-Gipfel im Juli stimmten die Banken einem Verzicht von 21 Prozent zu, im Oktober erhöhten sie ihren Beitrag zum Kampf gegen die Schuldenkrise unter dem Druck der Politik auf 50 Prozent. Das hätte einem Erlass von 100 Milliarden Euro entsprochen.

Geklärt werden muss vor allem noch die Rolle öffentlicher Gläubiger. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit mehr als 50 Milliarden Euro so viel griechische Schulden in ihren Büchern wie sonst kein Institut. Private Banken und Versicherungen drängen darauf, dass auch sie auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen. Bisher weigerten sich die Euro-Regierungen, die EZB miteinzubinden. Doch die Zeichen mehren sich, dass womöglich auch sie an einem Schuldenschnitt teilnimmt - das käme dem Steuerzahler teuer.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann warnt zugleich vor einem Übergreifen der Krise auf Portugal. Wenn es nicht zu einer freiwilligen Einigung komme, könne das dramatische Folgen für andere verschuldete EU-Staaten haben: "Wenn Griechenland fallen sollte, ist nicht auszuschließen, dass Portugal der nächste Kandidat auf dieser langen Liste ist", sagte Ackermann.