Verdacht auf Zinsmanipulation Deutsche Bank in Turbulenzen

Erreicht der Libor-Skandal nun Deutschland? Die Finanzaufsicht BaFin prüft mehrere deutsche Institute - einem Agenturbericht zufolge auch die Deutsche Bank. Das lässt den Kurs um fünf Prozent einbrechen.

Von Marc Beise und Harald Freiberger

Die Manipulationen in Großbritannien um den wichtigsten Zinssatz für Finanzmarktprodukte Libor ziehen immer weitere Kreise. Was zunächst wie ein Sonderproblem der britischen Großbank Barclays aussah, hat längst zu einer neuen Vertrauenskrise des internationalen Finanzsystems geführt. Nun erreicht der Skandal auch handfest Deutschland.

Die Finanzaufsicht BaFin hat offenbar eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank angesetzt, so meldete es am Freitag Abend die Nachrichtenagentur Reuters mit Hinweis auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Der Aktienkurs der einzigen deutschen Bank von Weltgeltung brach am Abend um bis zu fünf Prozent ein.

Die Deutsche Bank gehört damit zu mehr einem Dutzend Investmentbanken, gegen die im Libor-Skandal mit Nachdruck ermittelt wird. Mit der Sonderprüfung solle eine mögliche Verwicklung des wichtigsten deutschen Bankhauses aufgeklärt werden solle, hieß es bei Reuters. Mit ersten Ergebnissen der Nachforschungen sei Mitte Juli zu rechnen, hieß es in den Kreisen.

Ein BaFin-Sprecher wollte die Untersuchung bei der Bank nicht direkt bestätigen, sondern formulierte: "Wir nutzen unser gesamtes Spektrum von aufsichtsrechtlichen Instrumenten aus, soweit es erforderlich ist." Dass die BaFin mehrere deutsche Institute prüft, hat die Behörde bestätigt. Eine unangemeldete Sonderprüfung aus besonderem Anlass aber ist ihr schwerstes Geschütz, etwa um schnell Daten zu sichern oder Sachverhalte aufzuklären.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher verwies nur auf den jüngsten Quartalsbericht. Dort heißt es allgemein, dass die Bank von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

Behörden untersuchen auch mögliche Manipulationen des Euribor

Ermittlungsbehörden in Europa und den USA gehen dem Verdacht nach, dass Banker unerlaubt die Zinssätze, zu denen sich Kredithäuser untereinander Geld leihen, abgesprochen und beeinflusst haben. Die BaFin steht nach eigenen Angaben schon seit 2010 mit der Londoner FSA in Kontakt. Sie hat aber anders als das britische Pendant keine Befugnis zu strafrechtlichen Ermittlungen. In Großbritannien ermittelt mittlerweile die britische Strafverfolgungsbehörde für besonders schweren Betrug (SFO).

Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank Barclays gestürzt. Die Royal Bank of Scotland entließ bereits vor einigen Monaten vier Mitarbeiter. Die Barclays-Bank hatte in der vergangenen Woche ferner bereits zugesagt, wegen der Affäre eine Rekordstrafe von 290 Millionen Pfund (rund 360 Millionen Euro) zu zahlen. Die US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase räumten in ihrem vierteljährlichen Bericht für die US-Bankenaufsicht SEC ein, von Ermittlern kontaktiert worden zu sein.

Gleichzeitig untersuchen die Behörden mögliche Manipulationen des zweiten in Europa populären Marktzinssatzes, des Euribor. Die Prüfungen hier sind aber nicht so weit fortgeschritten wie beim Libor. Beide Zinssätze sind für internationale Bankengeschäfte von großer Bedeutung. Der Libor wird vom britischen Bankenverband BBA berechnet, der Euribor vom europäischen Bankenverband FBE. Die Daten zur Berechnung kommen von mehreren privaten Banken.