Umstrittener Agrarkonzern Monsanto will Image durch taktischen Rückzug verbessern

PR-Kampagne für eine umstrittene Technologie: Monsanto kündigt seinen Rückzug aus Europa an, zumindest was gentechnisch veränderte Pflanzen angeht. Doch der Agrarkonzern versucht nach wie vor, seine Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Das Freihandelsabkommen könnte sein Türöffner für Europa sein.

Ein Kommentar von Silvia Liebrich

Ist es einfach nur ein PR-Gag oder eine ernst gemeinte Wende? Der Agrarkonzern Monsanto hat seinen Rückzug aus Europa angekündigt, zumindest was gentechnisch veränderte Pflanzen angeht. Es ist bereits die zweite Ankündigung dieser Art innerhalb von sechs Wochen. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell deutlich, dass es Monsanto wohl mehr um eine Image-Kampagne geht.

Dass das US-Unternehmen seine Gentechnik-Ambitionen auf dem europäischen Markt aufgibt, davon kann nicht die Rede sein. Der angekündigte Rückzug ist allenfalls taktischer Natur. Zwar sollen einige Anträge zurückgenommen werden. Doch der Anbau der Maissorte Mon810 bleibt davon unberührt. Das gilt auch für die Importzulassung der besonders umstrittenen Genmaissorte Smartstax, die Monsanto so gut wie sicher hat.

Worum aber geht es dann? Monsanto betreibt Schadensbegrenzung und versucht die Gemüter zu beruhigen. Die meisten Europäer lehnen Gentechnik im Essen ab - und ebenso die fragwürdigen Methoden, mit denen der amerikanische Konzern seine Produkte am Markt durchsetzen will. Seit vergangener Woche ist bekannt, wie eng die Verflechtungen von Monsanto mit der amerikanischen Verwaltung, ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeitern und privaten Sicherheitsfirmen sind, wie kritische Wissenschaftler und Gentechnik-Gegner unter Druck gesetzt und beobachtet werden.

In Sachen Gentechnik tobt ein Glaubenskrieg

Der Zeitpunkt, zu dem diese Machenschaften bekannt werden, ist nicht nur für Monsanto, sondern auch für die US-Regierung denkbar ungünstig. Die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa laufen gerade erst an. Landwirtschaft und Lebensmittel spielen dabei eine besonders heikle Rolle. Amerika erwartet in diesem Punkt ein Entgegenkommen der Europäischen Union, also lockerere Regeln. So sind gentechnisch veränderte Lebensmittel bislang in Europa weitgehend verboten, genauso wie hormonbehandeltes Fleisch. Es steht viel auf dem Spiel. Es geht darum, für US-Produzenten einen großen Markt zu erschließen.

Wenn aber das Thema Gentechnik auf dem Acker zur Debatte steht, prallen zwischen Europa und den USA Welten aufeinander. Während US-Farmer fast nur noch gentechnisch veränderten Mais und Soja anbauen, lehnen dies die meisten Bauern in Europa ab. Im Streit um die Technologie geht es dies- und jenseits des Atlantiks nicht einfach nur um die Sache. Es tobt ein Glaubenskrieg.

An der verfahrenen Lage trifft Monsanto eine große Mitschuld. Zwar entwickeln und verkaufen auch andere Agrarkonzerne Saatgut, so die Schweizer Syngenta und die deutschen Firmen Bayer, BASF und KWS Gentech-Pflanzen. Doch kein Konzern versucht, seine Interessen so rücksichtslos durchzusetzen wie Monsanto. Seine Kritiker wiederum lassen keine Gelegenheit aus, den Konzern zu dämonisieren.

Monsanto muss sich vorwerfen lassen, dass sein Geschäftsmodell in erster Linie der eigenen Gewinnmaximierung dient und nicht dazu, eine wachsende Weltbevölkerung sicher zu ernähren, wie es aber das Unternehmen immer wieder verspricht. Pflanzen werden so entwickelt, dass ergänzend dazu jede Menge Pestizide zum Einsatz kommen. So verdient der Konzern gleich doppelt. Neben Saatgut ist er auch einer der führenden Hersteller von Pestiziden.

Langzeitstudien zu gesundheitlichen Risiken fehlen

Glyphosat, weltweit das meistverkaufte Ackergift, beschert dem Unternehmen Milliardenumsätze. Wichtiges Vehikel bei diesem Geschäftsmodell sind Patente, mit deren Hilfe andere Anbieter vom Markt gedrängt und Bauern zur Kasse gebeten werden. Den Beweis, dass sich mit Gentechnik auf dem Feld mehr und bessere Nahrungsmittel produzieren lassen, bleibt das Unternehmen hingegen bis heute schuldig.

Monsanto muss sich auch vorwerfen lassen, dass es gesundheitliche Bedenken nicht ernst nimmt. Unabhängige Fütterungsstudien zeigen, dass etwa Gentech-Mais Tiere krank machen kann. Langzeitstudien fehlen. Solange solche Risiken nicht geklärt sind, muss die EU an ihren strengen Zulassungsregeln festhalten.

Fest steht: die Weichen für die Zukunft der Gentechnik in Europa werden bei den Verhandlungen für das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU gestellt. Wie viele neue Anträge auf Gentech-Pflanzen Monsanto zurückzieht, spielt da kaum eine Rolle. Das Abkommen könnte sich als eigentlicher Türöffner für Monsanto und die umstrittene Technologie in Europa erweisen. Klar ist, die amerikanische Seite wird in diesem Punkt Druck machen. Die EU-Verhandlungsführer müssen dagegenhalten. Zugeständnisse in Puncto Sicherheit und Verbraucherschutz darf es nicht geben.