Übernahmekampf Murdoch greift nach Time Warner

Medienmogul Rupert Murdoch greift nach Time Warner. Der Konkurrent ziert sich bislang.

(Foto: AP)

Das 80-Milliarden-Dollar-Gebot steht: Der Medienunternehmer Rupert Murdoch will Time Warner kaufen - und damit sein Imperium noch vergrößern. Der CNN-Konzern weist das Angebot bislang zurück. Doch erledigt ist der Fall damit nicht.

Von Kathrin Werner, New York

Im März ist Rupert Murdoch 83 Jahre alt geworden. Doch Aufhören ist nichts für ihn. Im Gegenteil: Jetzt will er zu einem großen Schlag ausholen. Murdoch bietet 80 Milliarden Dollar für den Medienkonzern Time Warner, bekannt unter anderem durch den Nachrichtensender CNN. Es wäre nicht nur eine der größten Übernahmen in der Medienwelt, es würde auch die gesamte Branche neu gestalten.

Als 21-Jähriger hatte Murdoch von seinem gerade verstorbenen Vater, einem ehemaligen Kriegsreporter, ein paar Zeitungen in Australien übernommen. Der Erbe hat den Verlag in den Jahrzehnten auch durch spektakuläre Übernahmen zu einem gigantischen Medienimperium ausgebaut, heute nach Disney dem zweitgrößten der Welt. Zuletzt hatte er es in zwei Teile aufgespalten: Das Film- und Fernsehgeschäft läuft unter dem Namen 21st Century Fox, das Verlagsgeschäft mit Zeitungen wie dem Wall Street Journal oder der britischen Times behält den alten Namen News Corp. Laut dem Magazin Forbes ist Murdoch inzwischen 14,2 Milliarden Dollar schwer. Offenbar reicht ihm das nicht.

Time Warner lehnte ein erstes Angebot ab

Murdochs 21st Century Fox bestätigte, Time Warner im Juni ein Angebot für einen Zusammenschluss unterbreitet zu haben: "Der Verwaltungsrat von Time Warner hat es abgelehnt, auf unser Angebot einzugehen. Wir befinden uns momentan nicht in Gesprächen mit Time Warner", heißt es weiter.

Damit dürfte das letzte Wort trotzdem nicht gesprochen sein. Oft machen nach ersten Offerten die Aktionäre Druck, den Bieter weiter anzuhören - schließlich könnte ihnen das gute Profite bringen. Murdoch ist zudem für seine Hartnäckigkeit bekannt.

Auch das Wall Street Journal, die größte Zeitung in den USA, hatte einst seine Angebote mehrfach zurückgewiesen, die Redaktion wollte mit dem umstrittenen, konservativen Mogul nichts zu tun haben. Schließlich hat er das Angebot so oft erhöht, dass der alte Verlag nicht mehr ablehnen konnte. Der Aktienkurs von Time Warner stieg an der New Yorker Börse bis zum Handelsschluss um 17 Prozent.

Mit der Time-Warner-Übernahme entstünde ein Konzern-Gigant

Murdochs Offerte von 80 Milliarden Dollar - teils bar, teils in Aktien - entspricht dem knapp 13-fachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von Time Warner. Mit einem Zusammenschluss entstünde aus zwei ohnehin sehr großen Konzernen ein noch größerer Gigant mit einem Gesamtumsatz von 65 Milliarden Dollar. Murdoch könnte unter anderem das Filmstudio Warner Brothers und den Bezahlsender HBO zu seinem Imperium hinzufügen, zu dem bereits unter anderem der konservative Nachrichtensender Fox News und die Filmstudios 20th Century Fox gehören.

In der amerikanischen Medienlandschaft gibt es derzeit etliche Fusionen und Fusionsbemühungen, die auch Murdochs Plänen für eine Time-Warner-Übernahme neuen Schwung gegeben haben dürften: Der Kabelnetzbetreiber Comcast, also der Konzern, der Murdochs Programme zu den Zuschauern bringt, will den kleineren Rivalen Time Warner Cable übernehmen. Mit dem kombinierten Konzern entsteht ein mächtiges Unternehmen, das eine bessere Verhandlungsposition mit Fernsehsendern hat. 2013 hatte Comcast bereits die Übernahme von NBC Universal abgeschlossen. Zum Konzern gehören seither das Filmstudio Universal und mehrere TV-Sender wie NBC.

Es ist kein Geheimnis, dass Murdoch seit vielen Jahren an Time Warner interessiert ist. Nun ist der Konzern noch interessanter geworden, weil er sich im vergangenen Jahr von seiner Print-Sparte Time Inc. getrennt hat.

Zum Konzern gehört in Deutschland der Bezahlsender Sky

Intern ist der Deal nach Informationen der New York Times relativ weit vorangeschritten. Beide Seiten haben Investmentberater engagiert. Der Nachrichtensender CNN, der zu Time Warner gehört, könnte im Falle eines Kaufs weitergereicht werden, um die Kartellbehörden zu besänftigen. Der Murdoch-Vertraute Chase Carey habe sich im Juni mit Time-Warner-Chef Jeff Bewkes getroffen und ihm ein Angebot gemacht, das mit 86 Dollar pro Aktie 22 Prozent über dem Börsenkurs liegt. Bewkes lehnte ab. Laut Wall Street Journal hat Murdoch das Angebot dann Anfang Juli noch einmal schriftlich eingereicht.

Zum Murdoch-Reich gehört auch der Bezahlsender Sky Deutschland. Die Amerikaner besitzen derzeit mehr als 50 Prozent der Aktien, Murdoch-Sohn James ist Vorsitzender des Aufsichtsrats. Gerade erst hatte Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan seinen Vertrag bis Ende 2016 verlängert.

Nach einer sehr langen Durststrecke befindet sich das Abo-Fernsehen in Deutschland nun im Aufwärtstrend. Die Zahl der Abonnenten steigt kontinuierlich, die Zahlen werden auch besser. Operativ werde schon Gewinn erwirtschaftet. Allerdings musste Murdoch bisher viel Geld in die Tochterfirma stecken. Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass Murdoch seine Sky-Bezahlsender in Italien, Großbritannien und Deutschland zusammenfasst.