Es klingt nach Exkulpation, doch es ist keine: Die US-Verkehrssicherheitsbehörde entlastet Toyota zwar. Dennoch hat sich der Konzern seine Imageprobleme selber eingebrockt.
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Verunglücktes Toyota-Fahrzeug auf einer amerikanischen Polizeistation: Der japanische Konzern wusste intern schon lange von Problemen mit der Qualität. (© dpa)
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Die Behörde hat 58 Unfälle untersucht und erkannt, dass in 35 Fällen die Fahrer gar nicht oder nur schwach gebremst hätten. Das könnte man lesen wie eine Exkulpation des japanischen Konzerns, der durch die Schlagzeilen in massive Schwierigkeiten geraten ist und der nach dem Rückruf von weltweit fast zehn Millionen Autos einen riesigen Imageschaden erlitten hat.
Doch die Untersuchung ist kein Freispruch. Sie ergibt implizit, dass es sehr wohl Fälle gab, in denen das Auto schuld war an Unfällen. Auch der japanische Konzern, der für die Zuverlässigkeit seiner Autos berühmt war, wusste intern schon lange von Problemen mit der Qualität. So erklärt sich auch, dass die Toyota-Manager sofort einknickten und reumütig erklärten, sie würden für ihre Fehler einstehen und die Probleme abstellen.
Die Toyota-Manager haben Fehler gemacht im Umgang mit der Pannenserie. Auf Medienberichte über vermeintlich mangelhafte Produkte muss ein Konzern besonnen reagieren, nicht nervös.
Im Jahr 1993 hatte ein Mann angeblich eine Injektionsnadel in einer Pepsi-Dose entdeckt. Kaum stand die Sache in der Zeitung, tauchten neue Berichte über Nadeln in Cola-Büchsen auf. Einer wollte sogar eine rostige Schraube in dem Getränk gefunden haben. Die Pepsi-Manager reagierten gelassen: Sie bemühten Wissenschaftler und Experten. Nach ein paar Tagen war die Sache aus der Welt. Toyota dagegen wird unter der Pannenserie noch lange leiden.
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(SZ vom 12.08.2010/pak)
Linke-Parteitag in Göttingen
Sehr geehrter Herr Büschemann,
es tut mir leid, aber Ihr Kommentar ist meines Erachtens erschreckend schwach. So etwas erwartet ich eigentlich nicht in der Süddeutschen. Wie schon von anderen bemerkt ist Ihre erste Schlussfolgerung falsch. Aus der Aussage, die Ampel ist nicht grün kann man ja auch nicht darauf schließen, dass sie rot ist!
Der Vergleich mit Pepsi hinkt natürlich auch, einmal aufgrund der Komplexität des Produktionsprozesses und andererseits aufgrund der Einstellung der Politik und der Medien gegenüber dem Unternehmen.
In der Krise hatten diese beiden in den USA nämlich großes Interesse daran, die Dominanz von Toyota zu brechen. Dass die deutschen Medien diese Schlagzeilen einfach übernommen haben (Gaspedalprobleme führten zu X Todesfällen...) ist natürlich auch ein Trauerspiel.
Der Kommentar ist mir etwas unausgegoren und zudem widerspricht er dem ebenfalls der SZ enstammenden Zitat:
"Nun aber fand die Untersuchung heraus, dass in 35 Fällen die Fahrer gar nicht auf die Bremse getreten hatten. In den anderen Fällen bremsten sie zu spät oder nicht stark genug. Elektronik-Probleme wurden keine festgestellt."
Hier steht also nichts davon, dass das Auto Schuld war, auch nicht implizit. Wenn Interpretationen und Anschuldigungen, dann doch bitte etwas genauer.
Der zweite Punkt, dass Toyota doch gelassener reagieren sollen hätte, pflichtet dem sogar bei. Nur wer nichts zu befürchten hat, reagiert mit Recht gelassen.
Zumindest auf Basis der aktuell vorliegenden Erkenntnisse sollten lieber auch mal die Medien bei sich nach der Ursache suchen.
Zu der Aussage "es gab sehr wohl Fälle, in denen das Auto schuld war": Nachgewiesen ist bis jetzt _ein_ Fall, und zwar wegen der Fußmatte. Mein Gott, wie furchtbar. Der Witz war doch aber, dass die amerikanische Regierung sowie die Medien versucht haben, die anderen Fälle der Fahrzeugelektronik in die Schuhe zu schieben, und damit Ängste vor etwas zu befeuern, was der Durchschnittsbürger halt nicht mehr versteht.
Und da wären wir schon beim zweiten Fehler dieses Kommentars, dem absurden Pepsi-Vergleich. Eine dämliche Getränkedose und deren überschaubarer Herstellungsprozess ist ja wohl nicht ansatzweise mit der Komplexität der Elektronik eines heutigen Autos vergleichbar. Jeder, der an der Entwicklung halbwegs komplexer Produkte beteiligt ist, weiß, dass man so viel überlegen und testen kann wie man will -- "nichts ist unmöglich". Ein Ingenieur wird einen Teufel tun und bei Problemberichten sofort lauthals "kann ja gar nicht sein" schreien, auch wenn er überhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben braucht. Da versucht man besser erst mal so viele konkrete Informationen wie möglich zu sammeln und noch mal alles durchzuspielen, was theoretisch möglich wäre, und das dauert eben.
In Verbindung damit, dass die "öffentliche Meinung" so schnell so hochkochte, stand Toyota halt mit dem Rücken zur Wand, und hatte überhaupt nicht die Zeit, die Gerüchte seriös zu verifizieren. Da sollten sich eher die an die Nase fassen, die diese sog. öffentliche Meinung produzieren und beeinflussen.