Suchwörter und Börsenkurse Zocken mit Google

Was haben Google und Börsenkurse miteinander zu tun? Das wollten drei Wissenschaftler der britischen Universität Warwick herausfinden und haben ihre Investments nach der Häufigkeit bestimmter Suchanfragen ausgerichtet. Mit ihrer Google-Trend-Strategie waren sie am US-Aktienmarkt sehr erfolgreich.

Von Markus Zydra

Was macht der Anleger, bevor er sich eine Aktie kauft? Man möchte hoffen, dass er sich zunächst informiert, und wenn er das macht - wo macht der moderne Sparer das vornehmlich? Im Internet bei Google. Drei Wissenschaftler haben sich diesen Umstand zunutze gemacht und die Häufigkeit analysiert, mit der Internetnutzer bestimmte Suchwörter bei Google eingeben, darunter etwa die Begriffe Krise, Schulden, Investieren, Geld und Kredit. Man wollte herausfinden, ob sich aus diesen Daten die künftige Börsenentwicklung ableiten ließe.

Tobias Preis, 31, ist einer der Forscher, die das Experiment durchgeführt haben. Der Finanzprofessor der britischen Universität Warwick nahm sich die Google-Daten der Jahre 2004 bis 2011 vor. "Wenn beispielsweise für den Begriff ,Schulden' die Suchanfragen zugenommen haben, dann haben wir darauf gewettet, dass der amerikanische Dow-Jones-Index fällt", sagt Preis. Diese Aktienposition wurde nach einer Woche verkauft. Wenn sich die Anzahl der Suchanfragen für "Schulden" verringert hat, haben Preis und seine Kollegen eine Long-Position für eine Woche aufgebaut - sprich: sie haben Aktien gekauft, um diese sieben Tage später wieder zu verkaufen.

Hintergrund ist die Annahme, dass Menschen, die nach möglichen Gefahren für die Finanzmärkte googeln - etwa zu hohe Schulden von Unternehmen oder Staaten -, nach längerer Überlegung ihre Aktien auch verkaufen werden, was den Aktienmarkt insgesamt belastet. "Wir haben gesehen, dass dem Herdentrieb an den Börsen ein Herdentrieb bei der Informationsbeschaffung vorausgeht", sagt Preis.

In Zeiten der Finanzkrise wäre der Ansatz sehr erfolgreich gewesen

Die Untersuchung bezog sich auf US-Internetnutzer. Die Wissenschaftler kreierten einen Index der Finanzmarkt-Relevanz, der sich aus der Anzahl der Erwähnungen eines Begriffes in den Ausgaben der Zeitung Financial Times und in allgemeiner Literatur ergab. Ergebnis: Die Häufigkeit von Google-Suchanfragen für bestimmte Begriffe erlaubt Aussagen zur Renditeerwartung.

Preis und Kollegen sind ambitionierte Wissenschaftler, folglich haben sie auch durchgerechnet, wie erfolgreich ihre Strategie gewesen wäre. Also: Die Google-Trend-Strategie hätte zwischen 2004 und 2011 am amerikanischen Aktienmarkt (Dow-Jones-Index) einen Profit von 326 Prozent gemacht; gerade in den Jahren der Finanzkrise, so zeigt das Ergebnis, wäre dieser Ansatz sehr erfolgreich gewesen.

Nun muss man immer skeptisch sein, wenn jemand verspricht, er habe das ewige Glückslos gezogen. Die Finanzmärkte sind voll mit Angeboten mit dem "todsicheren Investmentsystem". Preis weiß das und gibt sich bescheiden. "Das ist keinesfalls eine Anleitung, um reich zu werden", sagt er. Allerdings erhalte man einen Einblick in die Entscheidungsprozesse der Menschen beim Aktienkauf.

"Kurseinbrüchen an den Finanzmärkten gehen Phasen großer Sorge unter den Investoren voraus. In diesen Phasen suchen Anleger nach zusätzlichen Informationen, bevor sie handeln", sagt Preis. Die Menschen hätten gerade vor dem Aktienverkauf - der Verluste bringt - ein riesiges Informationsbedürfnis. Die verhaltensorientierte Finanzforschung spricht vom Phänomen der "Verlust-Aversion". Niemand gesteht sich gerne Fehler ein.