Subventionen Amerika macht es billiger

Mit hohen Subventionen ködern die USA europäische Firmen. Die Konzernchefs frohlocken. Doch Experten warnen, die US-Staaten lieferten sich einen Wettbewerb. Auf Kosten der Bürger.

Von Moritz Koch

Für einen Moment trübte der Gedanke an die Rechnung die Laune. "Es ist eben ein Paradies für Investoren", seufzte Tennessees Kommissar für Wirtschaftsförderung, Matt Kisber. 577 Millionen Dollar hatte sich der US-Bundesstaat die Ansiedlung einer Volkswagen-Fabrik kosten lassen. Im Gegenzug will VW eine Milliarde Dollar investieren, mehr als 2000 Arbeitsplätze schaffen und von 2011 an ganz Amerika mit neuen Mittelklasse-Autos versorgen.

Das landwirtschaftlich geprägte Tennessee hofft auf einen Wachstumsimpuls und steigende Steuereinnahmen. Und so überwand Kisber die eigene Wehmut schnell. "Wir haben hart daran gearbeitet, das beste Geschäftsklima des Landes zu schaffen und das zahlt sich aus", sagte er.

Der Fall ist typisch. Jahrzehntelang haben sich europäische Unternehmen auf der Suche nach günstigen Produktionsstandorten vor allem im Osten umgesehen. Doch seit dort die Löhne steigen und die Währungen teurer werden, sind Alternativen gefragt. Und Amerika ist in den Konzernzentralen immer häufiger erste Wahl. Denn die Geschenke, die Amerikaner zusammenschnüren, sind heute so üppig wie noch nie.

Die Bundesstaaten gewähren gewaltige Steuernachlässe, lassen neue Straßen verlegen und schicken Arbeiter in Fortbildungsprogramme. Stellt man zusätzlich den immer noch relativ günstigen Dollar und die große Bedeutung der USA als Absatzmarkt in Rechnung, wird das Angebot für viele Firmen unwiderstehlich. So auch für den deutschen Stahlkocher Thyssen-Krupp, der erst kürzlich angekündigt hat, ein neues Werk in Alabama zu bauen, und sich seine Entscheidung mit Beihilfen von 811 Millionen Dollar versüßen lässt.

Europa kann nichts ausrichten

In erster Linie konkurrieren die US-Bundesstaaten untereinander. Die Konjunktur ist schwach und Investoren sind selten. Auf Kosten der Steuerzahler liefern sie sich daher einen Wettbewerb, wer die höheren Subventionen zahlt. Dennoch wird die neue Gastfreundschaft der USA in europäischen Hauptstädten mit Sorge registriert.

Denn Europa sind bei der Subventionspolitik die Hände gebunden. Das EU-Recht schränkt die Vergabe von Beihilfen stark ein, damit auf dem europäischen Binnenmarkt die gleichen Spielregeln herrschen. Im globalen Wettbewerb kann sich die Regel aber wie ein Standortnachteil auswirken. Schließlich hindert die europäischen Konzerne nichts daran, neben den amerikanischen auch die europäischen Konsumenten aus US-Fabriken zu beliefern.

Ökonomen sind beunruhigt. "Es besteht ganz klar die Gefahr, dass ein Subventionswettlauf in Gang kommt", sagt Michael Bräuninger, Experte für Strukturpolitik am Weltwirtschaftsinstitut in Hamburg. Allerdings würde sich kein Konzern allein wegen der Beihilfen für die USA entscheiden. Auch andere Faktoren machen Amerika stark.

Günstiger Dollar

Da ist zum einen die hohe Produktivität. Die US-Arbeiter sind besser ausgebildet und besser ausgerüstet als ihre Wettbewerber aus Osteuropa und Asien. Im Schnitt produzieren Amerikaner pro Stunde erheblich mehr als Tschechen, Polen oder Chinesen. Der Hauptgrund für die wiedergewonnene Attraktivität Amerikas ist aber der billige Dollar. Er macht amerikanische Güter im Ausland billiger und untergräbt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Europäer in den USA.

Die europäischen Unternehmen versuchen sich daher von Wechselkursschwankungen unabhängig zu machen. Ihr Kalkül: Wenn sie mehr Fabriken in den USA bauen und ihre Angestellten in Dollar bezahlen, können sie ihre Waren zu günstigeren Preisen anbieten.

Bräuninger hofft, dass sich der Subventionswettbewerb wieder entschärft, sobald sich die US-Wirtschaft erholt. Schließlich seien die Subventionen vor allem eines: "Regionale Konjunkturprogramme."

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