Höhere Mehrwertsteuer? Aufschlag auf die Grundsteuer? Einführung einer Pkw-Maut? Alles ist denkbar - sagen Ökonomen.
Die Bundesbürger müssen sich nach Ansicht führender Ökonomen in den nächsten Jahren statt auf Steuersenkungen auf deutlich höhere Belastungen einstellen. Anders werde sich das gigantische Loch im Staatshaushalt nicht schließen lassen, sagten die Wissenschaftler, unter ihnen Regierungsberater Clemens Fuest, am Dienstag übereinstimmend.
Experten rechnen mit einer Neuverschuldung von mehr als 100 Milliarden Euro. Gut möglich, dass zum Ausgleich die Mehrwertsteuer erhöht wird. (© Foto: AP)
Anzeige
Höchste Neuverschuldung aller Zeiten
Denkbar wäre demnach unter anderem eine Anhebung der Mehrwert- und der Grundsteuer. Auch eine Pkw-Maut komme in Frage. Steuerentlastungen, wie sie FDP und CSU versprechen, bezeichneten die Experten dagegen als illusorisch.
Auf die neue Bundesregierung kommt 2010 wegen der Wirtschaftskrise die höchste Neuverschuldung aller Zeiten zu. Experten rechnen mit einem Betrag von mehr als 100 Milliarden Euro. Das hieße, dass sich der Bund jeden dritten Euro, den er ausgibt, leihen müsste. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) hatten deshalb Einsparungen als unumgänglich bezeichnet.
FDP-Chef Guido Westerwelle bezeichnete die Aussagen der beiden Minister am Dienstag als "nebulös" und verlangte von der Koalition einen "Kassensturz". Gleichzeitig blieb er allerdings bei seiner Forderung, die Einkommensteuerlast massiv zu senken. Im Staatshaushalt würde dies zu Einnahmeausfällen zwischen 35 und 80 Milliarden Euro führen.
Fuest sagte der Süddeutschen Zeitung, die Pläne der Liberalen seien weder bezahlbar, noch förderten sie das Wachstum. Profiteure wären vor allem Besserverdiener, die das Geld nicht ausgäben, sondern zur Bank brächten. "So etwas kann man sich nur leisten, wenn der Staat zu viel Geld hat", sagte der Ökonom, der auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium ist.
Um das Haushaltsloch mittelfristig zu verkleinern, seien zudem eine maßvolle Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Beseitigung von Ausnahmeregelungen und eine höhere Grundsteuer nötig. Hinzukommen müssten Ausgabenkürzungen, die allerdings erst nach mehreren Jahren wirkten. 2010 müsse man sich mit dem Rekorddefizit abfinden.
Seehofer streikt
Ähnlich äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Er sprach sich für Lohnzurückhaltung im öffentlichen Dienst, geringere Sozialleistungen und den Abbau von Subventionen etwa bei den erneuerbaren Energien aus. Diese Förderung sei nicht mehr nötig. Zudem werde man weder um eine Mehrwertsteuererhöhung noch um eine Pkw-Maut herumkommen.
CSU-Chef Horst Seehofer erteilte jedoch sämtlichen Vorschlägen eine Absage und schloss sowohl Steuererhöhungen als auch Sozialkürzungen bis zum Jahr 2013 aus. Zugleich kündigte er einmal mehr Steuererleichterungen an. "Ich werde keine Koalitionsvereinbarung unterschreiben, die keine Steuersenkung beinhaltet", sagte er dem Münchner Merkur. Auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter lehnte Sozialkürzungen ab. Die Steuersenkungspläne von FDP und CSU bezeichnete er erneut als illusorisch.
Die Grünen sprachen gar von einer "groben Wählertäuschung". Die Steuersenkungsversprechen seien um so absurder, als das tatsächliche Haushaltsrisiko 2010 sogar bei 150 Milliarden Euro liege, sagte die Vize-Fraktionschefin Christine Scheel der SZ. Sie forderte den Abbau von Subventionen und mehr Steuerprüfer.
- Thema
- Mehrwertsteuer RSS
- Debatte über Steuern Seehofer stellt Bedingung für Schwarz-Gelb 22.09.2009
- Frank-Walter Steinmeier "Mich nervt dieses taktische Verhalten" 22.09.2009
- Peer Steinbrück im Interview "Ich soll hier den Doofmann spielen" 21.09.2009
- Krisenmanagement Wähler Doofmann 22.09.2009
- Teures Benzin Runter mit der Steuer - FDP umgarnt Autofahrer 31.03.2010
- Kommunen in Not Bettensteuer in Hotels 25.03.2010
- Teures Schulessen Das Tagesgericht mit extra viel Steuern, bitte! 10.03.2010
(SZ vom 23.09.2009/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte wären vor kurzem fast total zusammengebrochen! Etliche Volkswirtschaften wurden gekillt und etliche Staatskassen ausgeplündert. Und die unersättlichen Staatskassenplünderer und Volkswirtschaften-Bedroher gibt es noch immer! Und sie wollen nach dem Exportmarkt nun auch dem Binnenmarkt den Garaus machen.
Und diese Versager sind auch am meisten mit ihrem(!) Teil der Steuern in Verzug. Nicht das übrige Volk. Und die Alten und Jungen, die von diesen Versagern entsorgt wurden bzw. nicht aufgenommen werden, oft trotz guter oder bester Gewinnlage, liegen ja auch dem Staat mit riesigen Kosten auf der Tasche. Und die unfähigen Macher werden noch größere Arbeitslosenheere produzieren.
Wenn es diese riesige Menge an Arbeitslosen und die immer mehr unterbezahlten(!) Arbeiter, die wegen immer geringeren Einkommen auch nur immer geringere Abgaben zahlen können, nicht gäbe, würde es in der Staatskasse auch um Eckhäuser besser aussehen. Weiters würde die längst fällige Finanztransaktionssteuer noch etliche weitere Milliarden bringen.
Und es reicht langsam: Die überbezahlten Macher und "ihre" Politiker, die sich als "Kümmerer" für die Jungen aufspielen, wollen weder heute noch morgen den Jungen anständige Löhne und Zulagen zukommen lassen, und schon gar nicht anständige Pensionen. Sie wollen mit ihren Großaktionären, die nur ihr Geld arbeiten lassen, aber sonst nicht die geringste Arbeitsleistung erbringen, möglichst alles vom gemeinsam erwirtschafteten Kuchen einstecken.
Und Leute, die eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters fordern, aber kein Konzept vorlegen können, wie man die Menschen bis zu diesem Alter in Arbeit halten könnte und wie man - noch wichtiger - vorher die Jungen in Arbeit bringen könnte, sollte man sowieso wegen erwiesener Dummheit sofort rauswerfen.
....lehnt Steuererhöhungen ab, aber Steimeier wird sie wohl oder übel umsetzen müssen.
Egal, was nach der Wahl kommt: WIR haben sie gewählt! ;-)
Aber: Noch haben wir Zeit über unsere Wahl nachzudenken. Leider vermute ich, dass viel zu viele Menschen instinktiv anstatt mit Überlegung ihre Kreuzchen machen.
Für eventuelle Analphabeten oder Legastheniker gibt es das Stück auch zum hören:
auf der CD "Jazz - Lyrik- Prosa"
Ich empfehle zum Thema Kurt Tucholsky: "Ein älterer, aber leicht besoffener Herr". Darf unbedingt ernst genommen werden.
Paging