Stellenabbau bei Eon Kahlschlag in der Zentrale

Jeder zweite Mitarbeiter am Hauptsitz soll gehen: Der größte deutsche Energiekonzern will die Konzernleitung in Düsseldorf radikal ausdünnen. Alle Beschäftigten wurden strikt zum Sparen angehalten. Bei dieser Machtprobe könnten auch unter den Top-Managern die Karten neu verteilt werden.

Von Markus Balser

Der Energiekonzern Eon macht beim geplanten Stellenabbau ernst: In der Zentrale in Düsseldorf soll jede zweite Stelle gestrichen werden. "Nach dem derzeitigen Stand der Vorüberlegungen sollen 40 bis 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Konzernleitung entfallen", erklärte Eon-Vorstand Bernhard Reutersberg in einer E-Mail an Mitarbeiter, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Der massive Stellenabbau bei Eon nimmt Form an: In der Düsseldorfer Zentrale sollen 40 bis 50 Prozent der Stellen gestrichen werden.

(Foto: dpa)

Der Vorstand orientiere sich bei seinen "Vorüberlegungen" an der Aufstellung vergleichbarer Konzernzentralen mit deutlich weniger Mitarbeitern. Anfang August hatte Eon-Chef Johannes Teyssen angekündigt, weltweit den Abbau von bis zu 11 000 der knapp 80 000 Jobs zu prüfen. Die Hälfte der Einsparungen sollen nach Angaben des Betriebsrats auf Deutschland entfallen.

Seit der Ankündigung wird über ein Aus der Eon-Standorte Hannover und München spekuliert. Auch die Zukunft der Zentrale des Traditionskonzerns Eon Ruhrgas in Essen steht auf dem Spiel. Teyssen will mit dem Programm bis 2015 jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erhöhen Spitzenmanager von Eon derzeit intern den Druck auf Führungskräfte, möglichst schnell Sparerfolge zu melden.

In einem Schreiben des Vorstands der Tochter Eon Energie an Vorstände und Geschäftsführungen der Unternehmen der regionalen Einheiten in Deutschland liefert Eon-Energie-Chef Ingo Luge "Empfehlungen zu Sofortmaßnahmen im Bereich Personal". So sollen Neueinstellungen vermieden, befristete Verträge nicht verlängert, Trainees nur in Ausnahmefällen übernommen und Mitarbeiter in der Probezeit nur bei "sehr guter Leistung" übernommen werden.

"Zusätzlich werden alle Einheiten aufgefordert, umgehend zu prüfen, wo und in welchem Umfang Leistungen gewährt werden, die ohne Beteiligung der Mitbestimmung ersatzlos gestrichen werden könnten", fordert Luge weiter. Damit seien auch solche Leistungen gemeint, deren zugrundeliegenden Betriebsvereinbarungen gekündigt werden könnten.

Mit diesem Vorpreschen bahnt sich im Konzern die härteste Auseinandersetzung zwischen Management und Beschäftigten seit Jahren an. Arbeitnehmervertreter fühlen sich ausgeschlossen und kritisieren die Eon-Führung hart: Dass intern bereits Fakten geschaffen würden, stehe im krassen Gegensatz zu Äußerungen von Personalchefin Regine Stachelhaus, verlautet aus dem Betriebsrat.

"Wie Sie wissen, befinden wir uns aktuell im Stadium von Vorüberlegungen", schrieb Stachelhaus Ende August an Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer. "Wir bitten um Verständnis, dass wir deshalb noch nicht in konkrete Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern eintreten können." Noch fehle die Gesprächsgrundlage.

"Das Vertrauen ist erschüttert. Wir erleben einen deutlichen Bruch im Umgang mit den Beschäftigten und Fragen der Mitbestimmung", sagt Jürgen Feuchtmann, zuständiger Betreuer der Gewerkschaft Verdi: "Konzernchef Teyssen benimmt sich wie ein Kapitän, der in tobender See zwei Drittel seiner Mannschaft über Bord wirft."

Mit einer weitreichenden Umbesetzung von Posten im Top-Management stellt Eon derweil weitere Weichen für den Konzernumbau. So werden die Vorstände von Eon Energy Trading und Eon Ruhrgas zusammengelegt. Das kündigte Eon in Düsseldorf an. Dazu rückt Eon-Ruhrgas-Chef Klaus Schäfer in den Konzernvorstand auf und wird vom 1. Oktober an auch die Handelsaktivitäten bei Eon Energy Trading führen.

Auch bei der Münchener Tochterfirma Eon Energie werden einige Posten im Management neu besetzt. Nach SZ-Informationen scheiterte die Eon-Führung jedoch damit, die Personalien noch am Freitag im Aufsichtsrat absegnen zu lassen.