Stellenabbau bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Was sich bei der Lufthansa ändern muss

Sparen, auch beim Personal: 3500 Stellen in der Verwaltung will die Lufthansa abbauen. Experten sehen darin nur den Anfang zu einem großangelegten Umbau. Vor allem auf Kurz- und Mittelstrecken müsse die deutsche Fluggesellschaft flexibler agieren - und dabei von den Billigfliegern lernen.

Von Caspar Busse und Oliver Klasen

Jetzt ist die Zahl auf dem Tisch: 3500 Jobs will die Lufthansa in den nächsten Jahren streichen, davon alleine 2500 in Deutschland. "Wir kommen nicht darum herum, die Strukturen anzupassen. Nur wenn wir die administrativen Funktionen neu strukturieren und auch einen Stellenabbau in Kauf nehmen, können wir langfristig Arbeitsplätze erhalten und neue Arbeitsplätze schaffen", sagte Konzernchef Christoph Franz bei der Bekanntgabe der Sparpläne in Frankfurt.

Überraschend kommt die Ankündigung nicht, bereits in der vergangenen Woche waren Details durchgesickert. Seit Monaten diskutiert die Lufthansa das Sparprogramm. Denn der größten deutschen Fluggesellschaft geht es nicht gut. Das Unternehmen hat 2,3 Milliarden Euro Schulden, die jüngsten Quartalsergebnisse fallen schlecht aus. "Die Situation ist kritisch", so hatte sich Jürgen Weber, der früher die Airline führte und nun bis 2013 dem Aufsichtsrat vorsitzt, in der Börsen-Zeitung geäußert.

Die Kürzungen sollen dabei nahezu ausschließlich die Verwaltung treffen und sind Teil eines groß angelegten Sanierungsprogramms. Das soll das Konzernergebnis um 1,5 Milliarden Euro verbessern. Allein durch die Einsparungen beim Personal solle ein Drittel dieser Summe zusammenkommen.

Lufthansa agiert in einer immer schwieriger werdenden Marktsituation, da die Treibstoffpreise rapide steigen und die Konkurrenz durch Billigflieger und schnell expandierende Airlines wie Emirates härter wird.

Vor allem drei Faktoren bereiten der größten deutschen Fluggesellschaft dabei Probleme:

[] Lufthansa ist zu teuer. Die Konkurrenz operiert mit teilweise deutlich geringeren Kosten. Besonders auf innereuropäischen Strecken werden Verluste gemacht. Ein Grund: Die Personalkosten sind zu hoch.

[] Lufthansa kommt gleich von mehreren Seiten unter Druck. Auf der einen Seite bedrohen Billig-Airlines wie Ryanair das Geschäft, sie bieten vor allem innerhalb Europas sehr niedrige Tarife. Auf der anderen Seite geht das lukrative Langstreckengeschäft zunehmend an die Airlines vom Golf, zum Beispiel Emirates oder Ethiad, verloren. Auch die Business-Class-Kunden wechseln immer öfter.

[] Lufthansa hat sich mit der Expansion der vergangenen Jahre übernommen. Swiss wurde zwar erfolgreich saniert. Schlecht sieht es aber nach wie vor bei Austrian Airlines und bei Brussels aus. Die britische Fluglinie BMI musste sogar mit Verlust verkauft werden.

Allerdings verfügt die Lufthansa gegenüber der Konkurrenz auch über einige Stärken, die dem Unternehmen die Sanierung erleichtern können:

[] Lufthansa genießt weltweit bei Kunden nach wie vor einen guten Ruf, zum Beispiel in den USA oder in Asien, die Airline gilt als besonders sicher. Weltweit besteht ein großes Netz, durch die Einbindung in die Star Alliance können fast alle Destinationen angeboten werden. Auf den Strecken nach Asien etwa sind die Deutschen stark.

[] Im Vergleich zu anderen europäischen Konkurrenten wie zum Beispiel British Airways/Iberia oder Air France-KLM - alles wie Lufthansa ehemalige Staats-Airlines - steht Lufthansa gut da. Positiv wirkt sich die relativ gute Konjunkturlage in Deutschland aus.

[] Noch verfügt Lufthansa auch über eine vergleichsweise solide Bilanz. Die Nettoverschuldung liegt niedriger als bei vielen Konkurrenten. Dazu kommt, dass ein Großteil der Flotte in Besitz der Lufthansa selbst und nicht geleast ist, wie bei der Konkurrenz.

Für Luftfahrt-Experten sind die jetzt bekanntgewordenen Pläne der Lufthansa weniger ein Programm zur Einsparung von Personalkosten als vielmehr ein Signal für eine radikale Änderung des Geschäftsmodells. Die Branche habe sich vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke dramatisch verändert, heißt es.

Das Aufkommen der Billigflieger habe die Preise so stark gedrückt, dass die Branche etwa in den USA in den letzten 31 Jahren unterm Strich 23 Mal Verluste eingefahren habe, hat der Ökonom Severin Borenstein gerade ausgerechnet.

Beim Preis hätten sich Billigflieger und traditionelle Anbieter zwar angenähert, doch die alten Unternehmen schaffen es nicht, die Kosten so stark zu drücken wie die neue Konkurrenz, analysiert Borenstein.

Auch Christoph Brützel, Professor für Luftverkehrsmanagement an der Internationalen Fachhochschule in Bad Honnef, sieht das ähnlich: "Die Lufthansa muss, was ihre Struktur angeht, von Anbietern wie Ryanair lernen". Der irische Billigflieger sei der deutschen Konkurrenz gleich in zwei wichtigen Punkten überlegen. Zum einen könne er sehr schnell auf die Bedürfnisse seiner Kunden reagieren und von einem seiner europaweit mehr als 40 Heimatbasen Direktverbindungen anbieten, zum anderen werde das gesamte Management zentral in Dublin gesteuert, was Kosten spare.

Brützel, der früher Manager bei der Lufthansa war und heute für zahlreiche Fluggesellschaften als Unternehmensberater tätig ist, verweist darauf, dass die Lufthansa mit ihren Tochterfirmen Austrian Airlines, Brussels und Swiss im Grunde eine "Gruppe von nationalen Fluggesellschaften" sei, die sich auf zahlreichen innereuropäischen Strecken gegenseitig Konkurrenz machten.

"Wenn ein Passagier vom Rom nach Kopenhagen fliegen will, wartet die Lufthansa zwar mit Angeboten von verschiedenen Airlines auf, die aber meist nicht nonstop fliegen und nicht nur wenig attraktiv sind, sondern dem Konzern auch hohe Kosten verursachen", so Brützel.

Sich dezentraler aufstellen und gleichzeitig Doppelstrukturen im Management abbauen - das sieht Brützel als einzige Alternative, um die Lufthansa wieder auf Kurs zu bringen. Denn auch das Geschäftsmodell von Emirates, mit großen Flugzeugen von Dubai aus allein den Langstreckenmarkt zu bedienen, sei für die deutsche Linie nicht kopierbar. Die Gebühren für den Frankfurter Flughafen, das wichtigste Drehkreuz der Lufthansa seien nämlich etwa fünfmal so hoch wie in Dubai.