Nahrungsmittelpreise Volksbanken verzichten auf Spekulation mit Lebensmitteln

Die Kampagne der NGOs wirkt: Das Zentralinstitut der Volksbanken, die DZ Bank, will keine Geschäfte mehr mit Lebensmittelpreisen machen. Die Debatte, ob die Armen wegen dieser Geschäfte mehr hungern, ist aber keineswegs zu Ende.

Viele deutsche Volksbanken verzichten in Zukunft darauf, auf Nahrungsmittelpreise zu spekulieren. Diese Geschäfte verstärken in den Augen von Aktivisten Hungerprobleme in armen Staaten. Die DZ Bank, Dachorganisation von mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken und der Sparda-Bank, hat bekanntgegeben, solche Geschäfte nicht mehr anzubieten. Mit einer Bilanzsumme von 407 Milliarden Euro ist sie das viertgrößte Institut des Landes. Sie erledigt für die kleinen Institute Bankgeschäfte, die diese allein nicht stemmen können.

Bereits im Januar ist das Institut ausgestiegen, hatte das aber nur sehr zurückhaltend bekannt gemacht. Nun bestätigte eine Sprecherin der DZ Bank einen Bericht von Spiegel Online bestätigt. In einem Brief an die Nichtregierungsorganisation Foodwatch erklärte die Bank, es gebe derzeit zu wenig Nachfrage nach den entsprechenden Finanzprodukten. Die Bank begrüße auch, dass Wissenschaftler deren Wirkung untersuchten.

Organisationen wie Foodwatch und Oxfam sind die größten Kritiker der Nahrungmittelspekulation. Ihrer Meinung nach schaffen Terminmarktgeschäfte mit Nahrungsmittelpreisen, zum Beispiel für Weizen, künstliche Nachfrage an den Rohstoffmärkten. Das verteuere Nahrungsmittel, was in armen Ländern den Hunger verstärke. Die Menschen dort könnten sich weniger zu Essen leisten. Allerdings ist umstritten, ob diese Geschäfte wirklich schädlich sind. Manche Ökonomen verweisen darauf, dass die Geschäfte die Menge des zur Verfügung stehenden Essens nicht beeinflussten. Die Terminmarktgeschäfte seien zur Absicherung gegen Risiken wie Ernteausfälle für die Landwirtschaft wichtig. Foodwatch steht zudem in der Kritik, weil die Organisation in ihrer PR-Arbeit mit selektiven Fakten und Zitaten arbeitet.

Im Zuge der Kampagnen (zum Beispiel "Mit Essen spielt man nicht") der NGOs haben im vergangenen Jahr mehrere Banken, darunter die Commerzbank, verkündet, auf Geschäfte mit Nahrungsmittelpreisen zu verzichten. Deutsche Bank und der Versicherer Allianz verdienen nach wie vor daran.