Schwere Vorwürfe Deutsche Bahn nahm tödliche Unfälle in Kauf

Bahntechniker beheben einen Oberleitungsschaden (Archivbild)

(Foto: Robert Haas)

Mehrere Menschen starben bei Arbeitsunfällen an Bahnstrecken - der Sicherheitsabstand zu Oberleitungen soll zu gering gewesen sein. Die Deutsche Bahn jedoch ignorierte jahrelang Forderungen nach besserem Schutz, wie aus internen Dokumenten hervorgeht. Anscheinend aus Kostengründen.

Von Bastian Obermayer

Obwohl immer wieder Menschen bei Arbeitsunfällen an Oberleitungen starben, hat die Deutsche Bahn jahrelang ihre Sicherheitsvorschriften nicht verschärft - offenbar aus Kostengründen. Auch wurden geltende Standards nicht eingehalten. Dabei hatten Mitarbeiter des Konzerns wiederholt vor den Gefahren gewarnt und strengere Regeln gefordert. Das geht aus internen Mails und Dokumenten hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen und über die im SZ-Magazin berichtet wird. Betroffen sind Arbeiter von Fremdfirmen, die von der Bahn mit Arbeiten in Gleisnähe beauftragt wurden - dem Fällen von Bäumen beispielsweise oder Reparaturarbeiten an Bahnhöfen.

Allein von 2008 bis 2012 starben mindestens sieben Arbeiter solcher Fremdfirmen bei Stromunfällen. In etlichen Fällen waren die Sicherheitsvorkehrungen offenbar mangelhaft - auch nach Einschätzung von Führungskräften der Bahn, wie interne Vermerke belegen. Weitere Dokumente zeigen, wie über die Jahre Mitarbeiter der Bahn Sicherheitsprobleme meldeten - etwa die Mindestabstände zu Oberleitungen. Im Speziellen ging es um eine geplante Arbeitsanweisung, in der gebündelt festgehalten werden sollte, wie die Arbeiter geschützt werden sollten.

Gegen diese Arbeitsanweisung gab es offenbar erheblichen Widerstand. So heißt es beispielsweise in einer Mail, es seien "finanzielle Nachteile für unser Unternehmen zu erwarten", wenn die Mindestabstände über die gewohnten Schutzabstände hinausgingen. Außerdem kämen durch die geforderte Sicherheitsüberwachung von Fremdarbeitern "Mehrkosten von über zwei Millionen Euro" pro Jahr zusammen; für die "neu zu erstellenden Sicherheitspläne" wiederum müsste eine sechsstellige Summe aufgebracht werden. Dieses Geld sei "in keiner Weise" eingeplant.

Nach SZ-Informationen wurde die fertiggestellte Arbeitsanweisung nicht wie geplant in Kraft gesetzt. Stattdessen hieß es, man müsse sie "unbedingt" einer "unternehmerischen Bewertung" unterziehen. Erst nach dem Tod zweier Arbeiter im Juli 2012 wurde die Anweisung veröffentlicht.

Ein Beamter, der nach dem Tod der beiden Arbeiter auf die Problematik hinwies, wurde seiner Aufgaben enthoben. Zuvor hatte er unter anderem den Vorstand der DB Netz AG auf die Gefahren angesprochen. Später hatte er auch Bahnchef Rüdiger Grube darüber informiert. Die Deutsche Bahn beantwortete die vielen zu diesem Sachverhalt gestellten Fragen der SZ nicht.

Ausführliches zu den Vorwürfen gegen die Bahn lesen Sie im SZ-Magazin in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.