Schuldenkrise Pleitewelle rollt durch Südeuropa

Die Krise spaltet Europa in zwei Teile - auch bei den Unternehmensinsolvenzen. Während die Zahlen in Deutschland, Frankreich oder Dänemark rückläufig sind, nehmen Firmenpleiten in Staaten wie Italien oder Spanien drastisch zu. Am schlimmsten trifft es griechische Unternehmer.

Der griechische Staat geht zumindest vorerst nicht pleite, die Firmen im Land dafür reihenweise. Ein massiver Zuwachs bei den Insolvenzen von Unternehmen in Südeuropa zeigt die Zweiteilung des Kontinents. Während die Zahl der Firmenpleiten zum Beispiel in Griechenland um mehr als ein Viertel zunahm, geht es deutschen Unternehmen vergleichsweise gut.

Die Zahl der Insolvenzen sei 2011 um knapp sechs Prozent auf 30.200 Fälle zurückgegangen, heißt es in einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Auch in Staaten wie Österreich oder Frankreich, die weniger unter dem schwindenden Vertrauen internationaler Anleger leiden, ist die Zahl der Insolvenzen rückläufig. Dänemark meldet sogar einen Rückgang von mehr als 15 Prozent.

Mit insgesamt knapp 175.000 Fällen sei die Zahl der Firmenpleiten in Europa im vergangenen Jahr nahezu stabil geblieben, schreiben die Autoren des Berichts. Doch im historischen Vergleich bleibe das Niveau hoch. Die Lage sei 2012 mit einem hohen Grad von Unsicherheit behaftet.

In den Staaten aber, in denen die Regierungen mit Sparprogrammen gegen die Schuldenkrise kämpfen, schrumpft die Wirtschaft. Immer mehr Unternehmer gehen pleite. Die Autoren der Untersuchung schreiben: "Während die Ausfälle in einer Vielzahl von Kernländern wie Deutschland oder Dänemark zurückgingen, hinterließ die Krise in den Peripherieländern auch bei den Unternehmensinsolvenzen ihre Spuren."

Irland regeneriert sich von allen Krisenstaaten am schnellsten, dennoch machten hier im vergangenen Jahr sieben Prozent mehr Firmen pleite als 2010. In Spanien nahm die Zahl der Insolvenzen um mehr als 18 Prozent zu, in Portugal und Italien um 17 Prozent.

In Griechenland nahmen die Insolvenzen um mehr als 27 Prozent zu. Allerdings ist die Gesamtahl der Pleiten, die in die Untersuchung einflossen, von allen EU-Staaten mit Abstand am geringsten. Das liegt laut Auskunftei Creditreform vor allem daran, dass unterschiedliche Rechtsrahmen einen Vergleich der absoluten Zahlen zwischen den Ländern schwermachen. In Griechenland durchliefen vor allem bankrotte Kleinunternehmer oft gar kein geordnetes Insolvenzverfahren - und tauchten deshalb auch nicht in der Statistik auf. Das Insolvenzrecht sei auf EU-Ebene bislang nicht vereinheitlicht. Somit ist nur der Trend innerhalb eines Landes vergleichbar.