Schmiergeldaffäre Anklage gegen Formel-1-Chef Ecclestone erhoben

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Bernie Ecclestone erhoben. Nach SZ-Informationen lauten die Vorwürfe Bestechung und Anstiftung zur Untreue. 44 Millionen Dollar soll Ecclestone an BayernLB-Vorstand Gribkowsky gezahlt haben. Der Formel-1-Chef beteuert seine Unschuld - doch langsam wird es eng.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (Mittwochausgabe) beim Landgericht München Anklage gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhoben. Die Ermittler lasten dem Briten zwei Delikte an: Bestechung eines Amtsträgers in einem besonders schweren Fall und Anstiftung zur Untreue, auch hier in einem besonders schweren Fall. Die Schmiergeldvorwürfe könnten Ecclestone seinen Job als Formel-1-Chef kosten. Einflussreiche Leute in der Rennszene arbeiten darauf hin, dass der Brite sein Amt ruhen lässt.

Die Anklage ist ein Novum. Bei den großen Weltsportgeschäften - Fußball, Olympische Spiele und Formel 1 - gibt es seit Jahrzehnten viele Hinweise auf und manchmal auch Beweise für Korruption. Erstmals liegt nun eine Anklage gegen einen amtierenden Chef einer dieser drei globalen Sportvereinigungen vor.

Bis die Anklageschrift vom Münchner Landgericht ins Englische übersetzt ist und bei Ecclestone und seinen Anwälten eingeht, dauert es noch einige Zeit. Ecclestone hat im vergangenen Jahrzehnt dem damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky heimlich 44 Millionen Dollar zukommen lassen. Als das später aufflog, musste Gribkowsky ins Gefängnis. Die BayernLB war Hauptaktionär der Formel 1.

Am Ende eines langen Prozesses gestand Gribkowsky

Gribkowsky hatte sich nach Überzeugung der Justiz dafür schmieren lassen, dass er half, die Renn-Aktien der Bank an einen Ecclestone genehmen Käufer zu veräußern. So soll er dem Briten geholfen haben, an der Macht zu bleiben, dabei soll er die Landesbank geschädigt haben. Die Justiz betrachtet den damaligen Vorstand Gribkowsky als Amtsträger. Am Ende eines langen Prozesses gestand Gribkowsky und wurde danach Zeuge der Anklage gegen Ecclestone.

Der Formel-1-Chef beteuert seine Unschuld. Er sei von Gribkowsky mit dunklen Andeutungen über angebliche illegale Steuerdeals erpresst worden. Das mit den Deals stimme zwar nicht, aber allein der Vorwurf hätte ihn viel Geld kosten können. "Ich bin in meinen Leben schon öfters bedroht worden, aber noch nie so raffiniert", so der Brite. Kann er das Gericht von seiner Version überzeugen, bleibt er straffrei. Kann er das nicht, droht ihm Gefängnis. Gribkowsky wurde, inklusive Steuerhinterziehung, zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Die BayernLB soll durch den angeblichen Schmiergeld-Deal um 40 bis 400 Millionen Dollar geschädigt worden sein. Womöglich könnte sich Ecclestone freikaufen, indem er dafür zahlt.