Satire in der Heute-Show Die Deutsche Bank und ihr Sonneborn

Der frühere Chef des Magazins "Titanic", Martin Sonneborn, hat die Deutsche Bank aufs Korn genommen. Ein normaler Mitarbeiter einer Filiale ist das Hauptopfer. Die Frankfurter sind reichlich verärgert: Aus ihrer Sicht ist Sonneborn zu weit gegangen.

Von Hans von der Hagen

Wer die Webseite der Deutschen Bank ansteuert, dem springt ein Fuß ins Gesicht. Der Fuß gehört einem Sprinter, dessen Schuhwerk mit Spikes bewehrt ist. Es geht, wie die Bank betont, um Leistung aus Leidenschaft. Klar.

Doch nun wurde sie von der Leidenschaft anderer gequält. Satiriker Martin Sonneborn führte mit einem Vertreter der Bank ein Gespräch, dessen Fragen und Antworten angeblich von vorneherein feststanden. Gezeigt wurde es ursprünglich weitgehend wahrnehmungsfrei auf ZDF Neo und am vergangenen Freitag dann in der Heute-Show.

Aus Sicht des Zuschauers ist alles ebenso einfach wie verblüffend. In dem kurzen Video wird der Eindruck erweckt, als habe Sonneborn zunächst persönlich per Mail um ein Interview gebeten und gleich einige Fragen mitgeschickt, "über Macht, die Finanzkrise, Hedgefonds und die Millionengehälter der Banker". Und das Institut sei zum Gespräch mit ihm bereit gewesen. Interessanterweise hätten aber die Banker "das komplette Interview gleich mitgeschickt, die Fragen und auch die Antworten".

"So etwas gehört nämlich zu meinen Spezialgebieten"

Aber es seien nicht mehr seine Fragen gewesen, sondern "Unverfängliches". "Ich sollte also für die Bank die Hauptrolle in einem gefakten Interview spielen", sagt Sonneborn im Video. Da habe die Deutsche Bank verdammtes Glück gehabt. Denn: "So etwas gehört nämlich zu meinen Spezialgebieten."

Das mit dem Glück sieht die Bank anders, denn als Sonneborn in Frankfurt ankommt, ist das Verhängnis für das Institut nicht mehr aufzuhalten: Ein Mann, der im Video als Kommunikationsexperte der Bank vorgestellt wird, gibt Sonneborn offensichtlich jene Antworten, die er bereits aus der Mail kannte. Wenn die Wörter fehlten, half Sonneborn bereitwillig nach.

Später bekennt Sonneborn freimütig in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sich manches anders zugetragen hat. Sein Name als Interviewer sei dem Institut nicht mitgeteilt worden, sondern es habe lediglich eine Anfrage der Filmproduktionsgesellschaft Smac Film gegeben. Darin sei es um eine Reportage gegangen, in der jüngeren Zuschauern die Welt der Banken erklärt werden sollte.

Bei der Deutschen Bank, die im Internet mit Häme für das scheinbar vorproduzierte Gespräch überschüttet wird, herrscht Verärgerung.

Es habe kein gefaktes Interview gegeben, sagt ein Sprecher des Instituts Süddeutsche.de. Die Filmgesellschaft habe vielmehr für eine neue Sendereihe drei Themenfelder genannt, die für eine junge Zielgruppe bei dem Spartensender ZDF Neo aufbereitet werden sollten: Politik, Ökologie und Finanzen.

Die Themen seien von der Produktionsgesellschaft in Fragen gekleidet worden, etwa "Warum haben wir weltweit gerade so viele Probleme mit dem internationalen Finanzsystem?" Aus Sicht der Bank ist eine solche Fragestellung für Jugendliche "aber sehr komplex". Darum seien Themen in Form von Fragen und Antworten vorgeschlagen worden, wie sie im Rahmen ihres Projekts zur Förderung der Finanzbildung an Schulen vermittelt würden.

Einer, der diese Aufgabe nach Angaben der Bank ehrenamtlich an den Schulen übernommen habe, sei der im Video als "Kommunikationsexperte" vorgestellte Herr. Der sei aber kein Kommunikationsexperte, sondern Mitarbeiter einer Filiale. Für die Begegnung mit einem der übermütigsten Satiriker Deutschlands war er denn auch nicht gerüstet.

Die Bank ist empört, die Fernsehzuschauer belustigt - man sollte diese Geschichte trotz allem nicht wichtiger nehmen als sie ist.

Und wer nun wissen will, wie es in der ebenso geheimnisvollen wie hektischen Welt des Geldes wirklich zugeht - der könnte sich noch den Hochleistungspraktikanten und Schauspieler Pierre M. Krause im Video anschauen. Eine der gefährlichsten Banken der Welt, die Volksbank Bühl, hatte da keine Berührungsängste.