Ein Atomkraftwerk im Erdbebengebiet - die Pläne des RWE-Konzerns erschüttern Bulgarien. Umweltschützer wehren sich, doch sie leben gefährlich.
Wo sie sich noch sicher fühlt? Albena Simeonova zuckt mit den Schultern. Mächtige Feinde hatte sie immer schon. Mal legte sich Bulgariens bekannteste Umweltschützerin mit Managern an, deren Papierfabrik die Donau vergiftete. Mal kämpfte sie gegen ein Chemiekombinat, dessen Schornsteine die Luft verpesteten.
Ein Arbeiter auf der Atomkraft-Baustelle Belene: "Für die Energie der Zukunft." (© Foto: Reuters)
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Diesmal aber, weiß Simeonova, ist der Fall eine Nummer größer. "Es steht viel auf dem Spiel", sagt die 45-Jährige und blickt vom Cherkovitsa-Hügel über grüne Felder ins Donautal. Hier, im vergessenen Niemandsland auf dem Balkan, geht es plötzlich um viele Milliarden Euro, die Zukunft von Atomkonzernen und sogar um den Verdacht, die bulgarische Mafia fasse in Europas Energiesektor Fuß.
"Niemand stoppt diesen Wahnsinn"
Zuerst riefen die Männer an, dann schickten sie Nachrichten. Schließlich standen sie vor dem Haus der alleinerziehenden Mutter bei der Kleinstadt Belene ganz im Norden Bulgariens. "Gib' den Widerstand auf, sonst überlebst du den nächsten Tag nicht", sagten Besucher in Anzügen. Mal lösen sich seither Radmuttern ihres Autos, mal folgen rätselhafte Begleiter und mal bieten bulgarische Unternehmer viel Geld fürs Einlenken.
Seit vier Jahren nun schon wacht ein breitschultriger Mann über jeden Schritt der Umweltschützerin. Simeonova braucht einen Bodyguard, weil sie nicht aufgeben will. An der Spitze von 30 Bürgerinitiativen organisiert sie den Protest gegen den Bau des Atomkraftwerks Belene in einer der aktivsten Erdbebenzonen Europas. "Hier droht ein neues Tschernobyl", fürchtet die 45-Jährige. "Und niemand stoppt diesen Wahnsinn."
Ganz im Gegenteil. Die internationale Atomwirtschaft und die bulgarische Regierung treiben das Projekt voran. "Für die Energie der Zukunft", steht in bunten kyrillischen Buchstaben am Bauzaun des streng bewachten Atomareals am Donauufer. Dahinter ein gelber Wald aus Kränen. Bagger haben tiefe Löcher in den sandigen Boden gerissen. Der Trakt für Ingenieure und Arbeiter steht schon. In ein paar Monaten soll es mit der Ruhe am Grenzfluss zu Rumänien ganz vorbei sein. Anfang 2010 könnten 6000 Arbeiter in der 9000-Einwohner-Kleinstadt beginnen, zwei strahlend weiße Kuppeln in den Himmel über Belene zu bauen, die die grauen Plattenbauten überragen.
Riskantes Projekt
Dabei gilt das Atomprojekt unter vielen Wissenschaftlern, Politikern und internationalen Umweltschützern als eines der riskantesten, das je in Europa realisiert wurde. "Die Gefahr ist für jeden spürbar", sagt Umweltschützerin Simeonova. In Panik liefen die Menschen zuletzt am 25. April aus ihren Häusern und blieben stundenlang im Freien - ein Erdstoß der Stärke 5,3 auf der Richterskala. Nichts Ungewöhnliches für die Gegend um die Atombaustelle. 111 Stöße verzeichnet der jüngste Bericht über die Erdbebentätigkeit binnen eines Jahres in der Region. An kaum einer anderen Stelle zwischen Lissabon und Moskau, Reykjavik und Istanbul, sind die seismischen Aktivitäten größer.
Im gläsernen Turm der RWE-Zentrale in Essen, zweitausend Kilometer von Belene entfernt, kann man die Aufregung nicht verstehen. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern will eine Milliarde Euro in den Meiler stecken und 49 Prozent an der Betreibergesellschaft halten. "Bulgarien ist ein attraktiver und schnell wachsender Zielmarkt in Osteuropa", sagt Holger Bietz.
Der 46 Jahre alte Jurist treibt als Chef eines 70-köpfigen Entwicklungsteams den Bau voran. Die Anlage könne Preise stabilisieren und für Energiesicherheit sorgen. Und die Beben? Der Bauplatz liege in seismisch aktiver Region. Das sei bekannt. Bislang aber könne RWE keine Gefahr für die Sicherheit der Anlage feststellen. Der Konzern glaubt, die Naturgewalt im Griff zu haben. Man könne ein Kernkraftwerk absichern, sagt Bietz. Die Anlage werde jedes dort mögliche Beben aushalten.
Gewaltige Kräfte
Dass sich die gewaltigen Kräfte wirklich zähmen lassen, bezweifeln Wissenschaftler allerdings. Schon einmal plante Sofia an dieser Stelle einen Atommeiler, das war in den achtziger Jahren. Nach eindringlichen Warnungen stoppte das postkommunistische Kabinett 1997 den Bau. "Mehr als 400 Atomkraftwerke sind weltweit gebaut worden, aber keines liegt in einem seismisch so komplizierten Gebiet wie Belene", schrieb die Direktorin des Zentrallabors für Geodäsie der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im November 1994 in einer Stellungnahme, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Warum der Plan heute an gleicher Stelle Wiederauferstehung feiert, ist für Gueorgui Kastchiev, den ehemaligen Leiter der bulgarischen Atomaufsicht, ein großes Rätsel. In seinem Büro in Wien zieht Kastchiev die Augenbrauen tief in die faltige Stirn. 2004 hatte die sozialistische Regierung ein neues Prüfverfahren beschlossen und eine neue Umweltstudie in Auftrag gegeben - mit neuem Ergebnis: Das Erdbebenrisiko sei nur noch als gering einzustufen, hieß es plötzlich.
Kastchiev, ein kleiner zurückhaltender Mann, kennt das Projekt aus dem FF. Von 1997 bis 2001 war der 59-Jährige Bulgariens oberster Atomaufseher, fast sein gesamtes Berufsleben hat der Kernphysiker in den AKWs des Landes verbracht. Er war Professor in Tokio und lehrt heute am Institut für Risikoforschung der Universität Wien. "Ich bin Atom-Befürworter", sagt Kastchiev. "Belene aber ist ein Hochrisikoprojekt und muss gestoppt werden. Es sollte die Alarmglocken von RWE klingeln lassen, das die bulgarischen Behörden das Erdbebenrisiko unter den Tisch kehren."
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Wo ist das Verantwortungsbewusstsein von Menschen wie Herrn Bietz, die solche Projekte vorantreiben wider besseren Wissens?!? Für Holger Bietz ist Belene nur eine Karriere-Periode.
Wo ist die Verantwortungsbewusstsein von Dr. Paul Achleitner, Vostandsmitglied der Allianz und Mitglied des RWE Aufsichtsrats?!? Als RWE-Aufsichtsrat erhielt er 2008 eine Vergütung von 40.000 EUR fix, die variable Vergütung lag laut RWE-Geschäftsbericht bei 99.000 EUR für 2008. Für Dr. Achleitner ist Belene eine gut bezahlte Nebentätigkeit.
Dr. Achleitner gehört der Regierungskommission "Deutsche Corporate Governance Kodex" (abgekürzt DCGK) an, die ein gleichnamiges Regelwerk erarbeitet hat, das vor allem Vorschläge für ethische Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Führungen von Unternehmen und Organisationen enthält.
Entspricht Dr. Achleitners Verhalten im RWE-Aufsichtsrat dem von ihm miterarbeiteten Kodex?
Da die normative Kraft des Faktischen in diesem Deutschland von heute durch das absolutistische Primat des Kapitals bestimmt wird, können wir sicher sein, dass dieses AKW gebaut wird.
Die unheilige Allianz, die sich da als Allparteienkoalition der lobbyistisch gesteuerten "Parlamentarier" in Deutschland und in Bulgarien zusammengefunden hat,
bürgt für die Realisierung des größten möglichen Irrsinns, so wie man es von ordentlichen Willkürsystemen erwarten darf.
Deutschland, dass heute faktisch zu einer feudalistisch-ständischen Besitzbürger- und Finanzanlagenbetrugsgesellschaft degeneriert ist, wird sicherlich keine systemische Kraft mehr entwickeln können, um dieser Killerapplikation ein Ende zu bereiten. Viel zu gewaltig sind da die Kräfte, die über solche Exzellenzspitzenleister wie Wolfgang Clement, Großmann, Schneider & Co. in die politischen Prozesse eingespeist werden.
Das bekannt Motto des deutschen Feudalherrensystems "Deutschland soll leben, auch wenn wir (ihr) sterben müssen (müsst)" sollte sicherlich auch im 21. Jahrhundert seine Geltung wieder unter Beweis stellen. Die verbrecherischen Zustände, wie sie inzwischen in Asse öffentlich dokumentiert wurden, sollten hinreichend sein, um auf die Skrupellosigkeit, Rücksichtslosigkeit und die Omnipotenz der an diesen Prozessen entscheidend beteiligten Personen zu schließen.
"Wir werden weiter atomstromen, bis alles vor Begeisterung glüht. Denn heute verseuchen wir Deutschland und im Ausland wird sich nun auch nachhaltig bemüht!"
in erdbebengefährdeten Gebieten ihre Atommeiler bauen zu wollen. Nachdem im erdbebengefährdeten Neuwieder Becken das Atomkraftwerk von Mühlheim-Kärlich nach einem Störfall vom Netz gehen mußte, macht man jetzt im Ausland damit weiter.
Man hat ja schon Erfahrung damit mit falschen Baugenehmigungen, mit widergewährten und gerichtlich einkassierten Baugenehmigungen Atomkraftwerke zu betreiben.
Siehe dazu Wikipedia:
"Die rheinland-pfälzische Landesregierung erteilte 1991 zwar eine veränderte Baugenehmigung, die vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz 1995 jedoch erneut aufgehoben wurde. Diese Entscheidung bestätigte das Bundesverwaltungsgericht in Berlin 1998 in letzter Instanz. Nach Meinung des Gerichts hätten die Erkenntnisse über die Erdbebengefährdung ein vollständig neues Genehmigungsverfahren erfordert."
und davon gehe ich aus, dann sollten alle bürger dieses landes und europas, diese fachlich qualifizierten!? zusammen mit ihren partnern aus bulgarien, den nächsten urlaub finanzieren mit dem reiseziel: versuchsgelände der franzsosen für ihre kleine atombomben !!!!
nur mal probehalber, damit diese verbrecher - sorry, anders kann man diese leute nicht nennen - am eigenen leib spüren, was auf uns zukommen kann!!!
ich bin wahrhaftig kein hardcore gegner der atomkraft, aber zuviel ist zuviel!