Rücktritt von Telekom-Chef René Obermann Der Aufsteiger steigt aus

Frauenquote eingeführt, Spitzelaffäre überstanden, Arbeitnehmer ausgelagert: Die Ära Obermann geht zu Ende. Sie war der Höhepunkt einer Karriere, die ganz anders verlief als die der meisten deutschen Dax-Manager.

Wenn ein Aufsteiger ganz oben angekommen ist, muss er sich entscheiden, wie es weitergeht. René Obermann hat sich dafür entschieden, die Krone abzugeben. Eine Zeitung nannte ihn den "unangefochtenen König im T-Reich". Detailverliebt, extrem ehrgeizig und nüchtern steuerte der 49-Jährige den Konzern Deutsche Telekom in Zeiten von Personalabbau, Sanierung und Affären. Doch der König verlässt sein Reich Ende 2013. Auf ihn folgt der 50-jährige Timotheus Höttges, der seit Jahren mit ihm als Finanzvorstand in der Chefetage sitzt.

Obermann ist Elite, aber er ist nicht als Elite geboren worden. Er unterscheidet sich von der Mehrheit der Chefs von Dax-Unternehmen dadurch, dass er sich seinen Weg in höhere Sphären erkämpft hat. Der gebürtiger Düsseldorfer sagt von sich selbst, er sei bei seiner Großmutter in "wirklich sehr bescheidenen Verhältnissen" aufgewachsen. Nach dem Abitur machte er eine Lehre zum Industriekaufmann bei BMW, nebenbei besuchte er Wirtschaftskurse. Abgesehen von diesem Ausflug nach München blieb der Nordrhein-Westfalen immer treu. Sein Studium in Münster beendete er ohne Vordiplom, dafür gründete er mit 23 Jahren die eigene Firma ABC Telekom und verkaufte mit ihr Autotelefone. Das war der Grundstein für seine Karriere, die ihn zum vielleicht erfolgreichsten Studienabbrecher Deutschlands gemacht hat.

Dass er sich früh auf den wachsenden Telekommunikationsmarkt konzentriert, zahlt sich für ihn persönlich aus: Der Mobilfunkbetreiber Hutchinson kaufte ABC Telekom, von Hutchinson kam Obermann unter der Ägide des Ron Sommer zur Deutschen Telekom. Das ehemalige Staatsunternehmen war eine der größten wirtschaftlichen Baustellen Deutschlands. Obermann hatte Erfolg im Geschäft der Zukunft: Auf dem Mobilfunkmarkt führte er T-Mobile zur Marktführerschaft.

Obermanns Mobilfunksparte war erfolgreich, doch die Festnetzkunden rannten dem Unternehmen davon. Deshalb, und weil der Kurs der 1998 an den Markt gebrachten T-Aktie des Unternehmens immer weiter einbrach, musste Sommers Nachfolger Kai-Uwe Ricke 2006 gehen. Obermann war am Ziel: Mit 43 Jahren, ohne abgeschlossenes Studium, war er Chef eines deutschen Großunternehmens. Verlierer war ausgerechnet Ricke, der ihn jahrelang im Unternehmen gefördert hatte.

Das ehemalige Staatsunternehmen gehört mittlerweile neben dem Bund auch Investoren wie den US-Finanzfirmen Black Rock und Blackstone. Dennoch ist die schiere Größe eine Altlast: Obermann organisierte den aus der Bundespost hervorgegangenen Konzern um und baute Mitarbeiter ab. Sanierung war die größte Herausforderung für Obermann in seiner Amtszeit - abgesehen vom Spitzelskandal. 2008 ermittelten Staatsanwälte gegen führende Telekom-Mitarbeiter und Aufsichtsratsmitglieder. Die hatten auf der Suche nach undichten Stellen, über die der Presse Informationen gesteckt wurden, Arbeitnehmervertreter und Journalisten ausspioniert. Obermann entließ Verantwortliche, er selbst versicherte, nichts über die Aktionen gewusst zu haben.

Einflussreiches Ehepaar: Maybrit Illner und René Obermann 2010.

(Foto: dpa)

Obermann hat den Kundenservice des angestaubten Riesen verbessert, er veränderte auch die Personalstruktur des Unternehmens - auf Kosten der Angestellten, sagen Kritiker. 50.000 Arbeitnehmer wurden 2007 nach einem Tarifstreit in eine Tochtergesellschaft ausgelagert, wo sie für weniger Geld arbeiten mussten. Das war ein Sieg für Obermann und brachte ihm den Ruf als durchsetzungsfähiger, aber kalter Manager ein. Unter ihm wurde allerdings auch die Frauenquote in Führungspositionen eingeführt, mit Europavorstand Claudia Nemat und Personalchefin Marion Schick arbeiten zwei Frauen in Spitzenjobs. Wichtigste Frau für Obermann ist aber Maybrit Illner. Mit der Journalistin und Fernsehmoderatorin ist er seit 2010 verheiratet.