Reden wir über Geld mit Friedrich Ani "Mein Schreiben führt nicht zwangsläufig zu einer Doppelhaushälfte"

Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani, der in Obergiesing lebt und arbeitet - wo zum Teil auch seine Geschichten spielen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine halbe Million Romane hat er verkauft und lebt trotzdem auf 45 Quadratmetern: Krimi-Autor Friedrich Ani erzählt im Interview, warum er trotzdem ganz zufrieden ist.

Von Harald Freiberger und Max Hägler

Der Münchner Krimi-Autor Friedrich Ani, 58, hat den "Hohenwart" für das Interview vorgeschlagen. Das ist eine der Kneipen in seinem Stadtviertel Giesing, in denen er nach getaner Schreibarbeit den Tag ausklingen lässt, ein eher gemütliches bayerisches Wirtshaus mit holzvertäfelten Wänden, Bedienungen in Tracht und Wiener Schnitzel, Schweinsbraten und Kasspatzn auf der Speisekarte. Eine Kneipe, die auch seine bekannteste Figur besuchen würde, der wunder- und sonderbare Kommissar Tabor Süden, der nach Vermissten sucht und Menschen mit seinem Schweigen zum Reden bringt. Die Nonne, die während des Interviews am Nebentisch sitzt, könnte genausogut aus einem Krimi von Ani stammen. Manche meinen, Süden habe viel von Ani.

Zum Glück schweigt der nicht, als er mit der SZ über Geld redet. Ani spricht über seinen mühsamen Weg, sich mit dem Schreiben eine Existenz aufzubauen. Er finanziere sein Leben seit 33 Jahren als freiberuflicher Autor. "Natürlich gab es Durchhänger und bedenkliche Phasen", sagt er. Aber er habe immer seine Unabhängigkeit bewahren wollen.

"Der Rest ist ausgegeben, das meiste in der Gastronomie"

Seit vielen Jahren lebt Ani im Arbeiterviertel Giesing in einer 45-Quadratmeter-Wohnung. Er will sich auch nicht verändern. Gerade hat er mit dem Vermieter geredet, ob er irgendwann einziehen will, aber der "hat zum Glück kein Interesse dran".

Mehr als 30 Bücher hat Ani in den vergangenen 20 Jahren geschrieben, viele davon in der Tabor-Süden-Reihe. Seine gesamte Auflage schätzt Ani inzwischen auf eine halbe Million. "Aber solche Summen verteilen sich auf Jahre und Jahrzehnte", sagt er. "Und alles schön versteuert. Und der Rest ist ausgegeben, das meiste in der Gastronomie."

Wenn man auf den Krimimarkt schaue, sei das, was er mache, materiell gesehen eher kontraproduktiv: langsam, schwermütig, sperrig. Der Kreis seiner Leser sei zwar nicht klein, aber auch nicht Donna-Leon-mäßig groß. "Mein Schreiben führt nicht zwangsläufig zu einer Doppelhaushälfte", sagt Ani. Um die Existenz in seiner kleinen Arbeiterwohnung muss er heute aber immerhin nicht mehr kämpfen: Und wenn vom Geld mal etwas übrig ist, könne er auch verschwenderisch sein: "Ich lade dann alle ein und kaufe mir noch mehr Bücher und noch mehr Platten, obwohl ich gar keinen Platz habe."

Als der Zeitungsverkäufer in den "Hohenwart" kommt, gibt Ani eine Kostprobe seiner Großzügigkeit: Er kauft ihm von jeder Zeitung eine ab. "Den kenn ich schon seit 20 Jahren", sagt er. "Ich kauf's ja nur wegen ihm." Mit nach Hause nimmt er aber nur manche, die anderen lässt er am Tisch liegen, "irgendjemanden wird's schon geben, der sie liest".

"Ich zahlte Vorschüsse zurück, um frei zu sein"

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