Produkt-Rezensionen Amazon klagt gegen Anbieter gefälschter Bewertungen

  • Amazon geht erstmals gegen vier Internetseiten vor, die gefälschte Bewertungen von Produkten verkaufen.
  • Die Rezensionen erscheinen beim Online-Händler unter dem Angebot. Kunden orientieren sich beim Kauf sehr stark an diesen Kommentaren.
  • Seit Jahren versuchen Händler den Missbrauch einzuschränken - bislang nur mit mäßigem Erfolg.
Von Johannes Boie

Egal ob einer auf der Straße Hotdogs verkauft oder im Internet Baumaschinen, jeder Händler träumt im digitalen Zeitalter von guten Bewertungen. Millionen Kunden auf der ganzen Welt informieren sich bei anderen über die Qualität angebotener Waren und Dienstleistungen, bevor sie zugreifen. Bewertungen sind zum bisher wohl mächtigsten Marketingwerkzeug geworden. Kein Wunder, dass zahlreiche schwarze Schafe gefälschte Bewertungen im Netz anbieten. Frei nach dem Motto: Wenn dein Produkt nicht gut und dein Service schlecht ist, können wir immer noch so tun als ob.

Firmen, die schon im Namen offen zugeben, was sie bieten

Jetzt verklagt Amazon, der große Online-Händler, erstmals vier Anbieter solcher gefälschten Bewertungen. "Diese Bewertungen können den Glauben der Kunden, Verkäufer und Hersteller in Amazon erschüttern", sagte ein Sprecher des Konzerns. Amazon bietet auf seiner Webseite zu jedem Produkt die Möglichkeit an, Bewertungen zu hinterlassen. Die unzähligen Bewertungen, Meinungen und Rezensionen sind für viele Kunden ein wichtiger Grund, bei Amazon einzukaufen. Der Konzern ist nicht zuletzt für sein Fünf-Sterne-Bewertungssystem bekannt, mit dem sich die vermeintliche Zufriedenheit diverser Kunden mit einem Produkt auf einen Blick erfassen lässt.

Gekauft: Viele Kunden achten bei ihrer Wahl auf Bewertungen.

(Foto: Simon Dawson/Bloomberg)

Konkret geht Amazon nun gegen die Seiten buyazonreviews.com, buyamazonreviews.com, bayreviews.net und buyreviewsnow.com vor und greift sich damit die dreistesten Anbieter heraus, offenbar, um ein Exempel zu statuieren. Es sind Firmen, die schon in ihrem Namen offen zugegeben, welche Dienste sie anbieten. Für 19 bis 22 Dollar kann sich bei ihnen jeder gefälschte Bewertungen besorgen. Als Rechtsgrundlage dienen Amazon diverse Verbraucherschutz- Wettbewerbs- und Internetgesetze, die Irreführung und "schlechte Absichten" im Zusammenhang mit entsprechenden Geschäften verbieten. Seit Jahren versuchen Händler wie Amazon den Missbrauch durch technische Maßnahmen einzuschränken. Das hat nur zum Teil geholfen.

Die Branche arbeitet mit dreisten Methoden

Sollte Amazon die neue, juristische Strategie konsequent weiterverfolgen, könnten nach der Attacke auf die offensichtlichen Fälscher auch in Deutschland und in Österreich für zahlreiche kleinere Agenturen harte Zeiten anbrechen. Wer sich in der Szene auskennt, stellt schnell fest, dass auch hierzulande das Fälschen von Kommentaren, Bewertungen und Rezensionen ein einträgliches Geschäft ist.

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Das österreichische Magazin Datum und die Süddeutsche Zeitung berichteten im November vergangenen Jahres über zahlreiche Fälle, bei denen eine Wiener Agentur im Auftrag von großen deutschen Konzernen wie Opel, Sigma, Bayer oder auch Tui konsequent Bewertungen im Netz, nicht nur auf Amazon, nach den Wünschen der Auftraggeber fälschte.

Dabei arbeitet die Branche längst mit elaborierten Methoden, die es Außenstehenden nahezu unmöglich machen, den Betrug aufzudecken. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene IP-Adressen, anonyme E-Mail-Adressen und verschiedene Kennwörter. So entfernt sich die Darstellung eines Produktes in der digitalen Sphäre immer weiter von seinem tatsächlichen Beliebtheitsgrad bei jenen Menschen, die es erworben haben.