Probleme mit Regional- und S-Bahn-Zügen Deutsche Bahn verklagt Zughersteller

Die Deutsche Bahn ist die permanenten Probleme mit Regional- und S-Bahn-Zügen des Herstellers Bombardier leid. Nach SZ-Informationen hat die Bahn zwei Verfahren gegen Bombardier angestrengt.

Von Daniela Kuhr, Berlin, und Klaus Ott

Zu leichte Achsen, zu schwache Bremsen und ständige Aufenthalte in der Werkstatt: Die Deutsche Bahn ist die permanenten Probleme mit Regional- und S-Bahn-Zügen des kanadischen Herstellers Bombardier leid. Wie die Süddeutsche Zeitung aus Justizkreisen erfuhr, hat die Bahn zwei Verfahren gegen Bombardier eingeleitet: eines vor dem Landgericht Berlin und ein weiteres vor dem Landgericht München. Insgesamt geht es dem Konzern um Schäden in Höhe von 160 Millionen Euro, die er ersetzt haben will.

Anlass für die Klage in Berlin sind mehr als 200 Regionalzüge, die auch als sogenannte Regio-Swinger bekannt sind. Bei den Fahrzeugen, die zum Teil schon seit den Neunzigerjahren vor allem in Süddeutschland eingesetzt werden, gab es immer wieder Probleme mit der Neigetechnik und den Achsen. Weil Verhandlungen mit Bombardier nicht erfolgreich verliefen, sah die Bahn sich offenbar gezwungen, Klage einzureichen. Ein Termin für eine mündliche Verhandlung zeichne sich noch nicht ab, sagte ein Sprecher des Landgerichts Berlin.

Bei dem in München anhängigen Verfahren geht es um S-Bahn- und Regionalzüge, bei denen immer wieder Probleme mit den Bremsen aufgetreten sind. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte deshalb zeitweise die zulässige Höchstgeschwindigkeit gedrosselt und angeordnet, dass die Fahrzeuge deutlich häufiger gewartet werden müssen. Auch deshalb kam es im S-Bahn-Netz München in den vergangenen zehn Jahren immer wieder zu erheblichen Verspätungen.

Klage auf Schadenersatz

In diesem Münchner Verfahren fordert die Bahn noch kein Geld, sondern will zunächst nur offiziell alle Beweise gesichert haben, die für eine spätere Klage nötig sind. Sobald die Beweissicherung abgeschlossen ist, ist nach Informationen der SZ jedoch geplant, Bombardier ebenfalls auf Schadenersatz zu verklagen. Ein Sprecher der Bahn bestätigte die Existenz der beiden Verfahren, zum Inhalt wollte er jedoch nichts sagen. Auch bei Bombardier wollte man mit Blick auf "die laufenden Verhandlungen" keine Stellung nehmen.

Bombardier ist neben Siemens der wichtigste Zuglieferant für die Deutsche Bahn: Die Fahrzeuge des kanadischen Konzerns, der in Deutschland 9000 Mitarbeiter beschäftigt, werden vor allem im Nah- und Regionalverkehr eingesetzt. Doch während die Bahn mit den Doppelstockzügen gute Erfahrungen gemacht hat, bereiten die einstöckigen Fahrzeuge seit Jahren Probleme. So führt die Bahn auch einen Teil der bei der Berliner S-Bahn aufgetretenen Schwierigkeiten auf Materialfehler an den Zügen zurück. Wie aus Industriekreisen verlautete, plant der Konzern, Bombardier auch wegen dieser Schäden zu verklagen.

Die Forderungen gegen den Zughersteller würden sich damit alles in allem "auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag" addieren, hieß es weiter. Und das sei noch nicht das Ende. Denn auch wegen der viel zu spät gelieferten Regionalzüge vom Typ Talent 2, die beispielsweise in Nürnberg mittlerweile im Einsatz sind, drohen Bombardier hohe Schadenersatzforderungen.