Portcullis Trustnet Offshore-Firma erstattet Anzeige gegen "sehr verdächtige" Person

Die internen Daten des Finanzdienstleisters Portcullis Trustnet sind Teil des Offshore-Leaks. Die Firma hat nun wegen "Datendiebstahls" Anzeige erstattet. Die Polizei der Britischen Jungferninseln ermittelt.

In Sachen Offshore-Leaks deutet sich eine neue Entwicklung an: Portcullis Trustnet, eine der beiden Firmen, aus deren internen Beständen die Daten stammen, hat wegen "Datendiebstahls" Anzeige gegen eine Person erstattet, die "sehr verdächtig" sei, wie das Unternehmen mitteilt. Inzwischen hat die Royal Virgin Islands Police Force, die Polizei der Britischen Jungferninseln (BVI), nach Angaben von Portcullis Ermittlungen aufgenommen.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass die Steuerbehörden Großbritanniens, der USA und Australiens ein Datenpaket besitzen, das nach SZ-Informationen großteils identisch ist mit den Offshore-Leaks-Daten. Auch die deutschen Steuerbehörden werden auf die 400 Gigabyte große Menge von Dokumenten zugreifen können.

Keines der drei Länder hat bisher dazu Stellung genommen, woher sie das Datenpaket erhalten haben und ob dafür Geld gezahlt wurde. Portcullis Trustnet meldet jedenfalls auf seiner Internetseite, sie hätten "ein Individuum identifiziert", das sie "stark verdächtigen". Um wen es sich dabei handelt, gab die Firma nicht bekannt. Dafür erklärte der Finanzdienstleister, er habe seine Sicherheitsmaßnahmen überprüft. Die Botschaft lautet: Die Geheimhaltung ist wiederhergestellt. Zu spät, jedenfalls für viele Kunden: In etlichen Ländern laufen bereits Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Nicht der erste, der staatliche Verfolgung fürchten muss

Losgetreten wurde die Offshore-Leaks-Lawine im April, als Medien auf der ganzen Welt Artikel veröffentlichten, die allesamt auf Basis der entwendeten Daten erstellt wurden. Koordiniert wurde die Recherche vom Internationalen Konsortium für Investigativen Journalismus (ICIJ), dessen Direktor die Festplatte mit den Daten 2011 zugespielt wurde. Womöglich von derselben Person, die sich nun auf den Britischen Jungferninseln nicht mehr blicken lassen sollte.

Er ist nicht der erste Tippgeber, der staatliche Verfolgung fürchten muss: Einige Lieferanten der elf Steuer-CDs, die seit 2006 von deutschen Ermittlern ausgewertet wurden, gerieten unter erheblichen Druck. Tragisch endete der Fall eines Mittelsmannes, der eine CD mit den Kundendaten der Großbank Credit Suisse an deutsche Behörden geliefert hatte: Er wurde von Schweizer Ermittlern festgenommen und nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben.

Einem Beschaffer von Kundendaten wurde in der Schweiz der Prozess gemacht, ein anderer angeblicher Beschaffer einer CD der Privatbank Julius Bär soll noch in diesem Monat angeklagt werden. Der Lieferant der berühmten CD der LGT Treuhand in Liechtenstein ist mit neuer Identität auf der Flucht.