Parship: Peter Schmid Der Kuppler der Nation

Der frühere Gebrauchtwagenhändler Peter Schmid leitet heute Deutschlands größte Online-Partneragentur Parship. Für den 40-Jährigen ist es kein großer Unterschied, ob er im Internet Autos verkauft oder die große Liebe.

Von Varinia Bernau

Die Szene hatte etwas von Loriot: "Ich wohne hier", entgegnete Peter Franz Schmid der verdutzten Nachbarin, die ihre Kleinen zum Kindergeburtstag brachte. In das Haus am Rand von Berlin, in dem Schmid zwar noch wohnt, aber inzwischen nicht mehr so oft mitten in der Woche anzutreffen ist.

Er spürt den Drang der Veränderung: Peter Schmid, Chef der Singlebörse Parship. 

Damals, ein gutes Jahr ist das her, hatte er Zeit für Kindergeburtstage. Er hatte seinen neuen Posten als Geschäftsführer der Partnervermittlungsagentur Parship noch nicht angetreten, konnte der Nachbarin aber schon davon erzählen. Ihren Blick wusste Schmid zunächst nicht zu deuten: War es Verwunderung, Anerkennung, Neugier?

Schätzungen zufolge haben im vergangenen Jahr allein die deutschen Singles 179,5 Millionen Euro bei einer Online-Partnerbörse gelassen. Die Privatinitiative "singleboersen-vergleich.de" hat etwa 2000 Plattformen für die Partnersuche gezählt, darunter aber nur eine Handvoll von ernstzunehmender Größe.

Über das persönliche Parship-Projekt wird nur geredet, wenn es erfolgreich war

Parship, ein Tochterunternehmen der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, gilt in Europa als der größte Anbieter: Präsent in 13 Ländern des Kontinents sowie in Mexiko, 100 Millionen registrierte Mitglieder, ein jährlicher Umsatz von zuletzt 56 Millionen Euro. Und wer Schmid, 40, fragt, wie das so sei als Kuppler der Nation, dem erzählt er von seiner Nachbarin.

Er erzählt dies, weil es längst normal geworden ist, im Netz nach dem Mann oder der Frau fürs Leben zu suchen. Aber eben doch nicht so normal, dass man mit jedem darüber spricht. Nur, wenn man sein Gegenüber kennt. Und auch nur, wenn das persönliche Parship-Projekt erfolgreich war.

Schmids Vorgänger hatte in Interviews noch erzählt, seine Eltern hätten damals, als er 2003 die Führung übernahm, gedacht, er mache jetzt irgend etwas mit Schmuddelkram. Davon will Schmid nichts wissen. Dass es inzwischen die verschiedensten Partnerbörsen im Netz gibt, mache es für Parship einfacher, sich abzugrenzen, sagt er.

Andy Warhol statt ein Kicker

"Wer einen Seitensprung sucht, der füllt nicht erst unseren ausführlichen Fragenkatalog aus." Für die unüberschaubare Menge an Menschen, die im Netz einen Partner suchen, will Parship ein Kompass sein. Für jene, die eine dauerhafte Beziehung aufbauen wollen, und für diejenigen, denen es eher darauf ankommt, Zeit und Nerven zu sparen als Geld. Vor allem Akademiker, gehobenes Einkommen, 28 Jahre aufwärts.

In Schmids Büro über den Dächern Hamburgs steht kein Kicker und kein buntes Sofa. Statt Jeans und Turnschuhen trägt er einen Anzug, weil am Abend noch ein Medien-Dinner in einem noblen Hotel ansteht. Über seinem Schreibtisch hängt ein Poster zu einer Andy-Warhol-Ausstellung, das er einst als Lohn für ein Praktikum in einem Kunstförderverein bekommen hat. An den Rändern sind Klebestreifen und Löcher von Reißzwecken zu sehen, so oft hat er es wegen der vielen Umzüge abnehmen und wieder anbringen müssen. Vor ein paar Jahren aber hat er es ganz edel rahmen lassen.

Schmid sammelt Kunst. Eine Galerie um die Ecke sei bislang der einzige Ort außerhalb des Büros, den er sich genauer angesehen habe hier in Hamburg. Zwar habe ihm seine Frau verboten, in Galerien zu gehen, erzählt er und grinst. Aber nun hat er ja diese kleine Wohnung für wochentags. Das Wochenende verbringt er mit der Familie im Brandenburgischen. Er hat zwei Zwillingssöhne und eine Tochter. Seine Frau, eine Juristin, hat er während des Studiums in München kennengelernt. Inzwischen ist er beinahe ebenso lange verheiratet, wie es Parship schon gibt: fast zehn Jahre.

Auch er und seine Frau haben ihre Persönlichkeit bei Parship analysieren lassen. "Das Ergebnis war interessant", sagt er. Wie gut er demnach zu seiner Ehefrau passt, sagt er nicht. Gut möglich, dass der Computer, der, basierend auf einem von Psychologen entwickelten Persönlichkeitstest, Kandidaten fürs Rendez-vous vorschlägt, die beiden gar nicht zusammengeführt hätte. Das ist der Haken am Anbandeln übers Internet: Es ist wissenschaftlich, aber die Liebe ist nun einmal keine Wissenschaft. Sie ist Zufall, Bauchgefühl, Leidenschaft. Im Internet aber kommt all dies nicht vor: Dort ist der nächste Flirt nur einen Klick entfernt. Dort werden E-Mails hin und her geschickt und so Illusionen geschaffen, die bei der ersten Begegnung zerplatzen wie eine Seifenblase.