Online-Kartendienst Google Maps fährt jetzt auch Bahn

Der größte Kartendienst im Netz zeigt neben Landstraßen und Autobahnen nun auch Zugverbindungen an. Allerdings mit Lücken: Verspätungen, U-Bahn-, Tram- und Busverbindungen werden noch nicht erfasst. Von der Kooperation profitieren beide Unternehmen.

Von Leonard Goebel, Berlin

Fans von Vergleichen können sich freuen: Seit kurzen werden bei Google Maps nicht nur Routen zu Fuß und mit dem Auto angezeigt, sondern auch Bahnverbindungen. Wer etwa vom Kölner Hauptbahnhof zum Berliner Alexanderplatz fahren will, erfährt nun, dass er mit dem Zug etwa eine halbe Stunde spart - Verspätungen und Staus nicht eingerechnet. Der Internet-Kartendienst erhält für diesen Service die Fahrplandaten der Deutschen Bahn.

Nutzer von Google Maps können künftig Landstraßen- und Autobahnrouten mit den Verbindungen der Deutschen Bahn vergleichen.

(Foto: DPA)

Vor allem für die Bahn ist die Zusammenarbeit mit Google vielversprechend. Schon jetzt verkauft sie etwa die Hälfte aller Fernfahrkarten über das Internet. Durch die Kooperation mit Google Maps könnten es noch mehr werden. "Für uns geht es darum, neue Kunden zu gewinnen", erläutert die Vertriebschefin der Deutschen Bahn, Birgit Bohle.

Eine Milliarde Menschen nutzen jeden Monat die virtuellen Karten von Google. Viele von ihnen suchen darüber auch Wegbeschreibungen - ob mit dem Computer oder einer App für das Smartphone. Bisher fanden sie nur Landstraßen und Autobahnen, ab jetzt werden sie auch auf Zugstrecken hingewiesen. Haben sie eine gefunden, gelangen sie sogar per direktem Link zur Ticketbestellung auf die Bahn-Homepage - ohne die gewünschte Verbindung noch einmal eingeben zu müssen. Laut Google bislang ein weltweit einmaliger Service.

Und für die Bahn ein gutes Marketing: Insbesondere ausländische Kunden, bei denen die Internetseite der Bahn im Gegensatz zu Google Maps nicht sehr bekannt sein dürfte, könnten auf diese Weise angelockt werden. Denn über Google Transit - so der Name des Dienstes - werden nicht nur innerdeutsche Bahnstrecken, sondern auch Verbindungen in Europa angezeigt.

Da der Suchmaschinenanbieter bislang nur mit der Deutschen Bahn, nicht aber mit den lokalen Verkehrsbetrieben kooperiert, ist der Nahverkehr von Google Maps derzeit nicht vollständig erfasst. Während Regionalzüge und S-Bahnen angezeigt werden, müssen Reisende für Bus- oder Straßenbahnverbindungen also weiterhin auf bahn.de oder anderen Portalen nachsehen. Das gleiche gilt für die Anzeige von Verspätungen. Google Maps verfügt zeigt nur über den regulären Fahrplan. An beiden Lücken werde derzeit gearbeitet, sagte Raphael Leiteritz, der bei Google für das Produktmanagement verantwortlich ist.

Zwei Jahre Arbeit stecken im Projekt

Für den Internetkonzern dient die Kooperation dazu, den Service für die Nutzer zu verbessern: Das könnte im Endeffekt zu höheren Werbeeinnahmen führen. Von der Bahn erhält Google laut eigener Aussage kein Geld für die Vermittlung und Weiterleitung der Kunden. Preisverhandlungen waren demnach nicht der Grund für die langwierige Umsetzung des Projekts.

Zwei Jahre lang haben die Verantwortlichen der beiden Konzerne miteinander gerungen, bis sie die Zusammenarbeit am Montag vorstellen konnten. "Das ist ein Schritt Richtung Zukunft", sagte Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Bereich Personenverkehr. Und Google-Manager Raphael Leiteritz bezeichnete die Bahn als "absoluten Premium-Partner". Die lange Vorlaufzeit begründeten beide Seiten mit dem außerordentlich hohen Qualitätsanspruch: Man habe sichergehen wollen, dass die Fahrplandaten von Google Maps zuverlässig seien.

Ein Teil der Netzgemeinde fordert seit langem, dass die Bahn die Rohdaten ihres Fahrplans veröffentlicht, damit nicht nur der Internetgigant Google, sondern auch andere Homepages wie Open-Street-Map darauf zugreifen können. Dieser Forderung erteilte die Bahn erneut eine Absage. Die Verwendung der Daten müsse kontrollierbar sein. Schließlich würden Reisende die Bahn verantwortlich machen, wenn die angegebenen Abfahrtszeiten nicht stimmten.

Linktipp: Was Google Maps noch nicht schafft, bietet Ihnen Süddeutsche.de. Der interaktive SZ-Zugmonitor stellt live den Fernverkehr auf dem deutschen Schienennetz dar.