Öko-Benzin in Schweden Fast nur Alkohol

Mehr als 200.000 Autofahrer in Schweden tanken E85. Der Ökosprit enthält bis zu 85 Prozent Ethanol. Allerdings regen sich Zweifel am Nutzen dieses Benzins.

Von Gunnar Herrmann, Stockholm

In diesen Tagen wird es eng an den Ethanol-Zapfsäulen Schwedens. Der Ölpreis ist gestiegen, und das heißt, der Biosprit E85 lohnt sich. Diesen Spezialtreibstoff, der 75 bis 85 Prozent Ethanol enthält, gibt es an mehr als 1700 Tankstellen. Gut 200.000 Autos auf Schwedens Straßen können damit fahren.

In Schweden besteht Ökosprit nicht nur zum Teil, sondern größtenteils aus Ethanol.

(Foto: AFP)

Dafür hat die Regierung gesorgt: Unter dem Namen "Umweltauto" werden Ethanol-Fahrzeuge großzügig subventioniert. 2005 zwangen die Politiker außerdem alle größeren Tankstellen per Gesetz dazu, einen alternativen Treibstoff ins Sortiment zu nehmen.

Alternative Kraftstoffe in Schweden: auf den ersten Blick eine Erfolgsstory. Auf den zweiten zeigen sich Probleme. So werden zwar ständig mehr Ethanol-Autos verkauft - dennoch stagnierte der Absatz von E85 und fiel sogar zeitweise. Der Grund: Nach der Finanzkrise wurde das Öl billiger und viele Umweltauto-Besitzer griffen zum alten Fossilbenzin.

Fahrzeuge, die E85 tanken können, laufen ebenso gut mit Normal oder Super. Sie werden von herkömmlichen Ottomotoren angetrieben, bei denen nur ein paar Verschleißteile ausgetauscht werden, damit sie das Ethanol besser verkraften.

Solche "Flexi Fuel Vehicles" bieten die meisten großen Autobauer an. Ursprünglich hoffte man, das Ethanol aus Zellstoff - also aus schwedischen Wäldern - erzeugen zu können. Bislang geht das aber nur in einer Pilotanlage in Nordschweden.

Noch wird der Alkoholdurst der Volvos und Saabs überwiegend mit brasilianischem Zuckerrohr-Destillat gestillt. Berichte über Regenwaldrodungen lassen nun auch immer mehr Schweden am E85 zweifeln. Die Regierung hält Kurs: Normalbenzin soll zum 1. Mai landesweit durch E10 ersetzt werden.