Oberhausen bezahlt mit einer Regionalwährung Kohle von der Schwarzbank

Im hochverschuldeten Oberhausen bezahlt man jetzt mit einer neuen Währung - für alle Tätigkeiten, die es wert sind, bezahlt zu werden. Sie nennt sich "Kohle", die Scheine zeigen das Gesicht das verstorbenen Theatermachers Christoph Schlingensief und werden an 70 Orten angenommen.

Von Andreas Jalsovec

Die Nussecken im Café Bauer waren ruck, zuck weg, bezahlt mit "Kohle". Das ist ein durchaus sinniger Name für eine neue Währung - zumal in der Ruhrgebietsstadt Oberhausen. Seit dem Wochenende kann man dort mit 1-Kohle-, 5-Kohle und 10-KohleScheinen bezahlen. Auf jedem Schein ist das Gesicht des 2010 verstorbenen Theatermachers Christoph Schlingensief zu sehen, "Oberhausens bekanntestem Sohn", wie eine Sprecherin des Theaters Oberhausen anmerkt.

Zusammen mit der Künstlergruppe Geheimagentur hat das Schauspielhaus die Regionalwährung ins Leben gerufen. "Die Kohle soll ein neues Bewusstsein für Geld schaffen", sagt eines der Mitglieder der Geheimagentur, das - natürlich - seinen Namen geheim halten will. In einer Stadt wie Oberhausen ist das ein nachvollziehbares Anliegen: Die Kommune kämpft seit langem mit einem der höchsten Schuldenstände Deutschlands.

Die Kohle-Scheine werden denn auch als "Mikrokredite" an die Bürger ausgegeben, in zwei Containern der "Schwarzbank", die eigens dafür gegründet wurde. Wer Kohle bekommen will, muss dafür eine Tätigkeit anbieten: dem Nachbarn den Keller aufräumen, im Kindergarten Essen kochen, in der Fußgängerzone Musik machen. "Es kann aber auch etwas sein, das man immer macht, und das es wert ist, bezahlt zu werden", sagt der Geheimagentur-Künstler, ein Ehrenamt etwa.

Wer eine Stunde lang tätig ist, bekommt 20 Kohle. Damit kann er an 70 Orten bezahlen: im Café, im Fitnessstudio, in der Buchhandlung. Bislang wechselt dabei stets Schlingensiefs Porträt den Besitzer. Das muss aber nicht sein. Jeder Oberhauser kann sich auf Kohle-Scheinen verewigen lassen. Bis Ende März, dann endet das Projekt. Die Idee, es weiterzuführen, gibt es schon. Sie kommt vom Oberhauser Kämmerer.