Schornsteinfeger, krisensicherer Job mit garantiertem Einkommen - das ist bald passé. Die Branche verliert einige ihrer Privilegien - noch ist nicht abzusehen, wer davon profitiert.
Die kleine Lampe an der Decke hat nicht die Kraft, den Raum zu erhellen. Vor allem in den Ecken des schmalen Kellerraums, in dem die Heizungsanlage des schmucken Einfamilienhauses ihren Dienst tut, ist es duster. Tobias Willems zückt eine Taschenlampe und leuchtet auf das armdicke Rauchrohr, das vom orangefarbenen Heizungskessel in die Außenwand des Hauses ragt. "Durchgerostet. Das kann gefährlich werden", sagt Willems und zeigt auf zwei eurostückgroße Löcher. Solche Mängel zu entdecken, gehört zum Job des 29-Jährigen. Er ist Schornsteinfeger in Meerbusch, einem kleinen Ort im Regierungsbezirk Düsseldorf.
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Der traditionelle Beruf steht vor einer Revolution: Schornsteigerfeger müssen sich demnächst dem Wettbewerb aussetzen. (© Foto: AP)
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Nur eine Handvoll Dreck
Zu kehren hat der schwarz gekleidete Mann an diesem Morgen wenig. Aus der kleinen Luke im Kamin kratzt er nur eine Handvoll Dreck. Dann nimmt er ein Messgerät in die Hand und überprüft die Abgaswerte der Anlage: "Alles in Ordnung", stellt er nach wenigen Minuten fest, reicht dem Hausherrn den kleinen Finger seiner rußgeschwärzten Hand und verabschiedet sich.
Der Eigenheimbesitzer wird ein paar Tage später Post erhalten: Willems' Chef, Bezirksschornsteinfegermeister Thomas Schulz, schickt eine Rechnung über etwa 57 Euro, verbunden mit dem Hinweis, das defekte Rauchrohr möglichst bald von einem Fachmann auswechseln zu lassen. Dann wird der Schornsteinfeger erneut vorbeikommen und prüfen, ob die Reparatur fachgerecht ausgeführt wurde - und wiederum eine Gebühr berechnen. Wenn sonst nichts passiert, steht Willems in etwa einem Jahr wieder vor der Tür, wenn die nächste vom Gesetzgeber vorgeschriebene Schornsteinreinigung oder Abgaswege-Überprüfung ansteht.
"Lizenz zum Gelddrucken"
Es sind Abläufe wieder dieser, die viele Hauseigentümer ärgern. Angesichts des allgemein hohen technischen Standards der heutigen Feuerungsanlagen sei eine Überwachung alle fünf Jahre vollkommen ausreichend, urteilt Haus & Grund, der Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentümer. Zudem seien die Gebühren, die die Schornsteinfeger in Rechnung stellten, "kaum nachvollziehbar". Der Bund der Energieverbraucher spricht von "zu teuren und oft unsinnigen Messungen".
Noch deutlichere Worte finden andere Branchenkritiker: Die Privilegien der Schornsteinfeger glichen einer "Lizenz zum Gelddrucken", schimpft die Interessengemeinschaft Schornsteinfeger-ade. Und auf Internetseiten wie schornsteinfegerfrei.de lassen Bürger ihrem Ärger über ihrer Meinung nach "überteuerte und häufig überflüssige Arbeiten" freien Lauf.
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waren Feuerungsstätten mit Braun-/Steinkohle oder Hplz. Die Brennstellen in den Wohnräumen und die Schornsteine meistens mit Ziegel gemauert. Heutige Gas- Oelbrenner und die dazu gehörende Abgastechnik (Schornsteine / Keramik) machen einen Schornsteinfeger mehr als überflüssig. Wo jedoch noch mit Feststoffen Brikett, Holz im direkten Wohnraum (Kamin/Kachenofen/Grundofen) geheizt wird sollte die Anlage vom Ofen, der Zuluft und der Abgasführung einer 2 jährigen Kontrolle unterliegen. Dazu braucht es aber keinen staatlich saktionierten zum Gelddrucken beschäftigten Schornsteinfeger.
Zu " 04.09.2008 18:23:30"
Das Sachargument ist, dass es sich beim "Schornsteinfegerwesen" um ein Gebietsmonopol handelt. Auch mit der neuen Gesetzgebung bleibt Deutschland in Kehrbezirke für Schornsteinfeger eingeteilt, wie es 1935 in der Gewerbeordnung eingeführt wurde.
Das BMWi hat den Entwurf einer "Kehr- und Überprüfungsordnung" der Versorgungsanstalt der deutschen Bezirksschornsteinfegermeister zur Stellungnahme zugeleitet. Es geht da nicht um die moderne Heiztechnik, sondern um die Versorgung von Schornsteinfegern.
Zitat: Herfurth Dirk- Gunter Dipl.- Ing.
Bundesweit bekanntgegebener Sachverständiger nach § 29 a BImSchG
"Wo keine Feuergefahr (die ein Schornsteinfeger verhindern könnte) besteht, wie z. B. bei modernen Öl- oder Gas- Feuerstätten, braucht ein Schornsteinfeger auch nicht für Feuersicherheit zu sorgen."
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol - Sektion Bayern
Portal : www.kontra-schornsteinfeger.de - Forum: www.schornsteinfeger-ko.de
Ist schon ne hohe Kunst, einen so langen Kommentar ohne ein einziges Sachargument zu verfassen.
Respekt!!!
Zu 04.09.2008 16:19 "Herr Datko ist vermutlich von der Sorte Ingenieure, die steif und fest behaupten, ..."
Als Ingenieur und Physiker kann ich dem Theater, das ein Schornsteinfeger jährlich bei uns durchführt gar nicht zusehen. Wir haben eine Erdgasheizung und brauchen keinen Schornsteinfeger. Der Schornsteinfeger kassiert dabei über 60 Euro ab.
Viele Ingenieure und Physiker schütteln nur mehr den Kopf, wenn sie von Schornsteinfegern hören.
Z.B.
Beutler E. Dipl.Ing. Schwerpunkt: Feuerungstechnik
" ... weitere Front des zivilen Ungehorsams aufzumachen, um dieser technischen Dümmlichkeit ein Ende zu bereiten."
Luther Gerhard Dipl. Physiker, Dr.
Vorschlag: "Die Messungen nach 1.BImSchV werden aufgegeben oder zumindest stark zurückgefahren.
In der Verbandszeitung der Ingenieure (VDI Nachrichten 19.12.2003)
Oder allgemeiner formuliert:
Dr. Dr. Horst Poller von Haus & Grund Württemberg hat die Schornsteinfeger ein Symbol für nutzlose Beschäftigung, für Monopolisten und für Lobbyisten genannt.
http://www.sueddeutsche-wohnwirtschaft.de/sites/artikel.php?artikel_id=126
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol - Sektion Bayern
Portal : www.kontra-schornsteinfeger.de - Forum: www.schornsteinfeger-ko.de
6. "In Deutschland sollte eine Wartungspflicht durch das Heizungshandwerk mindestens alle zwei Jahre eingeführt werden. Einen Zwangsscheindienstleister brauchen wir nicht mehr."
Stellen Sie sich mal vor unsere Autos würden alle zwei Jahre nicht vom TÜV, sondern vom Autohändler bzw. dessen Werkstatt durchgeführt.
Sicherlich könnte man viele Aufgaben des Schornsteinfegers auch dem TÜV übertragen. Nur würde der sicherlich auch nicht günstiger Arbeiten können und die Umstellung währe ein erheblicher Aufwand. Wenn Sie so wollen, könnte man auch sagen, dass der Schornsteinfeger für seine Bereiche mit der bisherigen und der neuen Regelung die Aufgaben des TÜVs wahrnimmt.
Der TÜV überprüft übrigens Großfeuerungsanlagen ab einer bestimmten Größenordnung bereits jetzt.
Herr Datko ist vermutlich von der Sorte Ingenieure, die steif und fest behaupten, das bei der Messung der Rauch- bzw. Abgase, der dafür erforderliche Kernstrom (welcher die höchste Temperatur sowei die höchste Konzentration der zu messenden Inhaltsstoffe aufweist) grundsätzlich in der Mitte des Rohres zu suchen und zu finden sei. Völlig unabhängig davon ob die Temperatur sowie die Inhaltsstoffe tatsächlich dort die höchste Konzentration haben oder vielleicht auch mal am Rand oder irgendwo anders zu finden sind. Ideale Laborbedingungen die auf einer fest definierten Länge eines Rohres einen mittleren Kernstrom aufweisen, finden sich in der Praxis nur in den seltensten Fällen.
Dies aber nur am Rande erwähnt.
Entscheidend ist die Unabhängigkeit der Kontrollinstanz sowie die Gewährleistung das die gesetzliche vorgeschriebenen Zyklen auch eingehalten werden. Die neue Regelung ist im Ansatz sicher nicht verkehrt, wenn man Sie als Einstieg in eine markgerechtere Form dieses Handwerks betrachtet. Ob Sie allerdings auch den gesetzlich formulierten Ansprüchen genügt bleibt abzuwarten. Sollten Sicherheit und Umweltschutz zu kurz kommen, so sollte sich der Gesetzgeber nicht scheuen die Freiheiten in der Ausübung der Tätigkeiten auch wieder einzuschränken.
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