Neue Vorwürfe gegen den schwedischen Konzern Ikea soll Möbel aus Kubas Gefängnissen gekauft haben

Mussten politische Gefangene in der DDR für Ikea Möbel bauen? Der Konzern geht den Vorwürfen nach. Nun wird bekannt, dass die schwedische Einrichtungskette auch an Ostberlins sozialistisches Bruderland Kuba Aufträge vergeben hat.

Fragwürdige Geschäfte: Das Mobelhaus Ikea soll sich in den achtziger Jahren um Lieferungen aus Kuba bemüht haben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet von Verhandlungen aus dem Jahr 1987, bei denen es um die Produktion von Möbeln in kubanischen Gefängnissen ging.

Bereits zuvor hatte es Vorwürfe gegen die schwedische Einrichtungskette gegeben: Ikea habe Anfang der achtziger Jahren in DDR-Gefängnissen Möbel von politischen Gefangenen produzieren lassen - das berichtete der schwedische TV-Sender SVT. Ein Reporter der Sendung Uppdrag Granskning habe entsprechende Dokumente in Stasi-Archiven gefunden.

Wie die FAZ jetzt berichtet, traf eine fünfköpfige DDR-Expertengruppe am 17. September 1987 in Havanna ein und nahm die Besprechungen mit Vertretern des kubanischen Innenministeriums über gemeinsame Geschäfte auf. Die DDR habe in Kuba für Ikea Möbel aus Produktionsstätten bestellt, die dort "in Strafvollzugsanstalten des Ministeriums des Inneren eingegliedert" waren.

Einen Monat nach dem Kuba-Besuch habe der DDR-Außenhandel laut FAZ mit der "Ikea Trading Berlin" einen Vertrag über die Lieferung von 3000 bis 4000 "Falkenberg"-Garnituren von Kuba nach Schweden abgeschlossen. Dabei hätten Ikea-Vertreter den Wunsch geäußert, in Kuba auch 10.000 Kindertische und 35.000 Esstische herstellen zu lassen.

Die Lieferung erster Garnituren sei dann aber an Qualitätsmängeln der Fertigung in Kuba gescheitert. Die DDR habe dann interveniert und für eine Produktionsumstellung gesorgt, so dass die Möbel noch rechtzeitig nach Schweden verschifft werden konnten. Ikea will den Vorwürfen nachgehen.

Der Möbelkonzern hatte vor der Ausstrahlung der Sendung im schwedischen Fernsehen erklärt, man verurteile die Beschäftigung von politischen Gefangenen in der Produktion "aufs Schärfste". Man nehme die Anschuldigungen sehr ernst und habe eigene Untersuchungen eingeleitet. Über den Einsatz von Häftlingen will der schwedische Konzern nach derzeitigem Kenntnisstand nichts gewusst haben. Man werde mit der Stasi-Unterlagenbehörde zusammenarbeiten, um die Vorwürfe aufzuklären.

In der DDR mussten viele Häftlinge für Betriebe arbeiten. Die Insassen wussten oft nicht, an welche Unternehmen ihre Waren gingen und aus welchem Land die DDR die Aufträge entgegengenommen hatte. Ikea hatte seit den 1960er Jahren Möbel unter anderem in Polen sowie in der DDR in Auftrag gegeben.