Neue Standards Goldpreis soll transparenter werden

Goldbarren und Goldmünzen in einem Tresorraum: Goldpreis unter Manipulationsverdacht

(Foto: obs)

Krisentreffen der Mächtigen in der Goldindustrie: Die verantwortlichen Banken sollen den Goldpreis im Hinterzimmer manipuliert haben. Nun sollen Reformen helfen.

  • Bisheriges Verfahren stammt aus dem Jahr 1919 und ist anfällig für Manipulationen.
  • Banken sollen am Goldpreis gedreht haben.
  • Goldindustrie will neue Regeln, um den Goldpreis festzulegen.

Ein 95 Jahre altes System

Wenn Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen, handeln sie einen Preis aus. Um einen fairen Kompromiss zu finden, möchten sich viele Menschen an einem Marktpreis orientieren - etwa dem offiziellen Goldpreis. Aber wo kommt dieser Preis überhaupt her?

Der Goldpreis wird nach einem 95 Jahre alten System festgelegt. Zuständig sind vier Banken: Barclays und HSBC aus Großbritannien, Société Générale aus Frankreich und Scotiabank aus Kanada. Bis Mai 2014 war auch die Deutsche Bank Mitglied in dem Gremium. Es bestimmt zwei Mal am Tag den aktuellen Kurs.

Bis vor etwa zehn Jahren schickten die Institute jeden Tag Mitarbeiter in die Räume der Londoner Bank N. M. Rothschild. Die fünf Banker saßen in einem kleinen Raum, vor sich Telefone, um mit der Zentrale in Kontakt zu bleiben, und kleine britische Fahnen. Sie verhandelten - wenn alle zufrieden waren, zogen sie die Fahnen nach unten. Der Preis war fix. Mittlerweile treffen sich die Vertreter der Banken nicht mehr persönlich, sondern telefonieren jeden Tag um 10.30 Uhr und um 15 Uhr in einer Konferenzschaltung. Sie geben an, ob sie Gold zu entsprechenden Preisen kaufen oder verkaufen wollen, bis ein Preis feststeht. Die Banken können ihre Sitze an andere Banken weiterverkaufen.

Das Problem: Kurs kann leicht beinflusst werden

Das jetzige System ist äußerst anfällig für Manipulationen. Es beruht auf Angaben der Banken, die ihre Preisvorstellungen melden. In Telefonschalten einigen sie sich auf einen in ihren Augen fairen Preis. Das Verfahren trägt den Fachnamen Fixing und dauert in der Regel fünf bis fünfzehn Minuten. Die Finanzagentur Reuters hat vor einigen Jahren das Fixing detailliert beschrieben. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl kann der Marktpreis für Gold leicht verändert werden. Das hat enorme Konsequenzen. Viele Händler orientieren sich am offiziellen Kurs, sodass schon minimale Manipulationen gigantische Werte verschieben. Und genau das soll geschehen sein, so zumindest der Verdacht: Die Finanzaufsichten mehrerer Länder ermitteln, Händler klagen.

Reformvorschläge sollen es richten

Das World Gold Council, der Verband der Goldindustrie, möchte das System deswegen ändern (Vorschläge als PDF). Statt auf den Angaben der Banken soll der Preis künftig auf tatsächlich ausgeführten Goldverkäufe beruhen. Die angegebenen Preise sollen zudem "höchst transparent, veröffentlicht und einer Prüfung unterworfen" sein. Am 7. Juli ruft der Verband Banken, Goldminenbetreiber und Zentralbanken in London zusammen, um über die Reform des Goldpreis-Fixings zu beraten.