Netzbetreiber präsentieren Ausbaupläne Wo die Stromautobahnen stehen sollen

Die Energiewende macht's nötig: 3800 Kilometer neue Stromleitungen müssen in den kommenden Jahren gebaut werden. Nur wo? Die vier großen Netzbetreiber haben nun ihre Ausbaupläne vorgestellt.

Mit interaktiver Karte. Von Oliver Klasen

Angela Merkel hat den Netzausbau zur Chefsache erklärt. 3800 Kilometer sollen innerhalb der kommenden zehn Jahren entstehen, 20 Milliarden Euro soll das kosten.

Der Ausbau ist die entscheidende Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Schwerpunkt sind dabei leistungsstarke Leitungen von Nord- nach Süddeutschland. Sie sollen die verbrauchsstarken und vom Ausstieg aus der Kernenergie besonders betroffenen Regionen im Südwesten mit den windreichen Gebieten im Norden verbinden.

Die vier großen Stromnetz-Firmen 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBWan haben nun öffentlich vorgestellt, wie sie sich den Ausbau vorstellen. Die Netzbetreiber speisen den Großteil des Stroms ein und verteilen ihn bundesweit über lange Distanzen. Hier die Details des Netzentwicklungsplans:

[] Neben den 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen sollen 4400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie der schwankenden Ökostromeinspeisung gewachsen sind.

[] Die neu gebauten Stromleitungen teilen sich auf in 1700 Kilometer Wechselstromtrassen, die statt mit den herkömmlichen 220 Kilovolt mit 380 Kilovolt betrieben werden sollen. Sie sorgen dafür, dass das Übertragungsnetz in allen Regionen Deutschlands den Strom aufnehmen und sicher verteilen kann. Hinzu kommen 2100 Kilometer Hochspannungsleitungen, die mit Gleichstrom arbeiten und so auf langen Strecken eine verlustarme Übertragung ermöglichen.

[] Es sind neben einigen kürzeren Abschnitten vier große Stromautobahnen geplant, die von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgehend quer durch Deutschland Richtung Bayern und Baden-Württemberg verlaufen. Die erste Fernleitung soll vom niedersächsichen Emden nach Osterath in Nordrhein-Westalen und von dort nach Philippsburg in Baden-Württemberg verlaufen. Eine weitere Stromautobahn verbindet das schleswig-holsteinische Brunsbüttel mit Großgartach in Baden-Württemberg. Gebaut werden sollen weiterhin Trassen zwischen Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) und Grafenrheinfeld (Bayern) sowie von Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Bayern.

Der vorliegende Entwurf der vier Netzfirmen soll jetzt bis Mitte Juli öffentlich zur Diskussion gestellt werden. Dabei haben Bürger Gelegenheit, ihre Stellungnahme online abzugeben. In der Vergangenheit haben sich oft Bürgerinititativen gegen Hochspannungsleitungen vor Ort gebildet.

Kanzlerin Merkel hat angekündigt, die Regierung wolle bis Jahresende auch ein entsprechendes Gesetz für den Ausbau der Stromautobahnen beschließen. Es soll verkürzte Planungs- und Genehmigungsverfahren ermöglichen.

Je weniger Engpässe es gibt, desto stabiler wird das Gesamtsystem. Der Strom sucht sich dann leichter den Weg dorthin, wo er gerade nötig wird. Damit sinkt auch die Notwendigkeit, durch permanente Eingriffe in den Strommarkt Blackouts abzuwenden.

Verbraucher zahlen den Netzausbau

Zu den 20 Milliarden Euro kommen weitere Kosten. Um die Windkraft auf hoher See anzuschließen, kommen zwölf Milliarden Euro hinzu. Der Verband kommunaler Unternehmen, in dem viele Stadtwerke organisiert sind, sieht zusätzlichen Investitionsbedarf: Neben den Stromtrassen müsste auch das dezentrale Netz für die Energiewende umgebaut werden. Der Neubau- und Modernisierungsbedarf nur in diesem Bereich belaufe sich auf mehr als 25 Milliarden Euro.

Die Kosten werden voraussichtlich auf den Verbraucher abgewälzt. Die Netzbetreiber werden ihre Ausgaben per Umlage bei den Stromkunden wieder hereinholen. Für den Verbraucher könnte das große Investitionsprojekt steigende Netzentgelte bedeuten. Diese sind ein Bestandteil des Strompreises.