Nahverkehr In Düsseldorf kann man mit Zeit für die Straßenbahn bezahlen

80 Sekunden Werbung statt 2,60 Euro für ein Ticket: Bei der Düsseldorfer Rheinbahn funktioniert das.

(Foto: dpa)
  • Wer in Düsseldorf die Straßenbahn nutzen will, kann künftig auch mit Zeit statt Geld zahlen.
  • Eine neue App stellt dazu ein digitales Ticket aus - sofern zuvor Werbespots angeschaut wurden.
Von Varinia Bernau

Um in Düsseldorf die Straßenbahn zu nutzen, kann man sich für 2,60 Euro einen Fahrschein kaufen. Oder aber man zahlt in einer anderen Währung: Aufmerksamkeit. Möglich macht das eine neue App, die all jenen ein digitales Ticket ausstellt, die sich zuvor ein paar Werbespots auf dem Smartphone angesehen haben.

Die Idee, gewisse Dienste gratis anzubieten und die dafür anfallenden Kosten durch Werbung wieder reinzuholen, hat sich bereits bewährt. Zeitungen haben sich in Zeiten, als es das Internet noch gar nicht gab, zu großen Teilen so finanziert. Und wer heute Musik über den Streamingdienst Spotify hört, spart Geld, wenn er sich dazu auch einen Werbeblock anhört. Trotzdem, sagt Olaf Peters, einer der beiden Männer hinter der App Welect Go, habe er bei sich selbst, aber auch bei Freunden immer öfter beobachtet, wie genervt die Leute von Werbung sind.

Bedürfnisse verraten

Das will der 41-Jährige, der wie sein Kompagnon Philipp Dommers aus der Werbebranche kommt, ändern. Ihre Idee: "Jeder soll die Möglichkeit haben, sich die für ihn passende Werbung auszusuchen, ehe ein Algorithmus oder ein Werbestratege das tut, der meint, das besser zu wissen." Deshalb wählt, wer kostenlos mit Bus und Bahn durch Düsseldorf kommen will, zunächst vier Werbespots aus einer Liste, die jeweils etwa 20 Sekunden dauern. Anschließend erhält er das Ticket auf dem Smartphone. Mehr als 10 000 Fahrscheine wurden in der knappen Woche, in der es die App gibt, bereits gelöst.

Peters erinnert sich noch gut an das Gefühl, in dem er in das erste Gespräch mit der Rheinbahn ging. "Wir hatten gedacht, dass die uns nach zehn Minuten rausschmeißen." Doch bei der städtischen Verkehrsgesellschaft in Düsseldorf war man begeistert. So könnten sie zeigen, wie einfach es ist, mit Bus und Bahn durch die Stadt zu kommen, und auch, wie einfach sich Fahrscheine digital lösen lassen, sagt eine Sprecherin. Drei andere deutsche Städte sowie zwei weitere in den nahen Niederlanden haben bereits Interesse an der App angemeldet.

Die Begeisterung ist größer, als die beiden Macher der App gedacht hätten. So groß, dass sie nach wenigen Tagen bereits an ihre Grenzen stoßen. Das bislang vergebene Werbebudget könnte zu knapp werden für die äußerst gefragten Tickets. Denn die von sechs großen Unternehmen bereitgestellten Spots sollen nicht beliebig oft aufgerufen werden, sonst würden die beiden Werber ihre eigenen Anzeigenpreise gewissermaßen selbst drücken. Stattdessen suchen sie nun nach weiteren Unternehmen, die Werbung buchen. Nur so können sie das Projekt wie geplant bis zum Ende des Jahres laufen lassen. Vor allem bei kleineren Firmen in der Stadt müssten sie noch Überzeugungsarbeit leisten, sagt Peters. In einen Spot, den sich die Leute aussuchen und vollständig ansehen, sei das Werbebudget doch besser investiert als etwa in eine Anzeige, die nur an der Haltestelle hänge.

Und womöglich taugt die App auch noch dazu, sich für andere Angelegenheiten einen persönlichen Sponsor zu suchen. Nach weiteren Diensten, die sich mit dieser etwas anderen Art der personalisierten Werbung finanzieren lassen, halten die beiden Düsseldorfer jedenfalls auch Ausschau.

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