Nahaufnahme Sein des Scheins

Noch bis 2019 ist die erste Generation des 500-Euro-Scheins im Umlauf, dann soll die überarbeitete Version aus der "Europa-Serie" folgen.

(Foto: imago)

Europa diskutiert über die 500-Euro-Banknote. Strafverfolger wären sie am liebsten los, in Deutschland ist großformatiges Bargeld aber traditionell beliebt.

Von Stephan Radomsky

Er symbolisiert ein Stück Freiheit im Format 160 mal 82 Millimeter. 131,2 Quadratzentimeter Unabhängigkeit in violett quasi. Obwohl nur die wenigsten Europäer ihn jemals in der Hand gehabt haben dürften, jagen ihm alle irgendwie hinterher: Der 500-Euro-Schein weckt starke Gefühle, gute wie schlechte. Er verkörpert Erfolg und Wohlstand, aber auch Aufschneiderei und dunkle Geschäfte - und entfacht gerade deshalb eine leidenschaftliche Debatte um seine Existenz.

Die Bedeutung des Fünfhunderters im alltäglichen Bargeldverkehr ist gering, er macht derzeit gerade einmal 3,2 Prozent der im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten aus. Nur der Zweihunderter ist damit noch seltener. Und beim Bezahlen, etwa an der Tankstelle, sind beide ungern gesehen. Gerade deshalb wäre Europas oberster Korruptions-Bekämpfer Giovanni Kessler den ganz großen Schein am liebsten los. Er frage sich, ob es überhaupt noch Bedarf dafür gebe, sagte er in einem Interview. Der Fünfhunderter nutze vor allem Verbrechern. Schon wenige davon ergeben eine große Summe - und wenn die von Hand zu Hand geht, lässt sich das kaum nachverfolgen, anders als bei einer Überweisung. Verschwände der 500-Euro-Schein, würde das also dunkle Geschäft erschweren, glaubt Kessler, der vor seiner Zeit als Chef der europäischen Antikorruptions-Behörde Olaf als Staatsanwalt gegen die Mafia ermittelte. Und nun prüft auch die EU-Kommission, welche Rolle Fünfhunderter in der Geldwäsche und Terrorfinanzierung spielen. Ob es ohne sie weniger Kriminalität gäbe, ist aber umstritten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann jedenfalls mag nicht recht daran glauben, dass sich Verbrecher und Terroristen abschrecken lassen, nur wenn sie künftig größere Packen Bargeld herumtragen müssten. Und auch von einer Obergrenze von 5000 Euro für Barzahlungen, wie sie die SPD fordert und sie das Bundesfinanzministerium derzeit laut FAZ prüft, hält Weidmann wenig.

Ganz neu ist die Debatte um Sinn und Unsinn der Groß-Banknote ohnehin nicht. Die Europäer führten sie schon vor der Euro-Einführung, schließlich hat kein anderes großes Industrieland eine ähnlich wertvolle Banknote. Die Franzosen beispielsweise wollten den Fünfhunderter nicht, auch sie kannten traditionell nur Scheine mit geringerem Wert, die größte Franc-Note hatte einen Wert von umgerechnet 76 Euro. Die Deutschen dagegen lieben das Barzahlen und haben sich über Jahrzehnte an große, wertvolle Banknoten gewöhnt. Am Ende setzten sie sich durch und bekamen einen Schein, der ziemlich genau dem alten D-Mark-Tausender entspricht.

Bei Fälschern ist der übrigens nicht sonderlich beliebt. Gerade einmal 1,3 Prozent der aufgespürten Euro-Blüten waren im zweiten Halbjahr 2015 nachgemachte 500-Euro-Noten. Fast die Hälfte waren dagegen Zwanziger, ein weiteres gutes Drittel Fünfziger. Um ihnen das Geschäft noch schwerer zu machen, wird alle Banknoten derzeit nach und nach optisch überarbeitet und technisch aufgerüstet. Jedes Jahr kommt ein neuer Schein der sogenannten Europa-Serie in Umlauf, zuletzt im November der neue Zwanziger. Der überarbeitete Fünfhunderter soll dem Fahrplan zufolge als letzte neue Note 2019 folgen.

Es wäre auch ein geradezu verhängnisvolles Signal, würde die größte Euro-Banknote abgeschafft, wenn auch nur symbolisch. Denn die Scheine zeigen die verschiedenen Epochen der europäischen Kulturgeschichte, versinnbildlicht durch Brücken und Fenster verschiedener Architekturstile - von der Klassik auf dem Fünfer bis hinein in die Moderne, eben auf dem Fünfhunderter. Und die werden sich die Europäer, egal woher sie kommen, ziemlich sicher nicht nehmen lassen wollen, nicht mal symbolisch.