Nach Behinderten-Vergleich Druck auf GDL-Chef Weselsky wächst

"Mit Menschen einer solchen Gesinnung kann ich nicht an einem Tisch sitzen": Die Kritik an Claus Weselsky nimmt zu.

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"Wir sind empört und stinksauer": Die Kritik am Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky, wegen seines Behinderten-Vergleichs nimmt zu. Seine Tauglichkeit als GDL-Chef steht in Frage.

  • Nach seinem umstrittenen Behinderten-Vergleich wächst die Kritik am Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky.
  • Der Chef der konkurrierenden Eisenbahngewerkschaft zeigte sich persönlich betroffen, weil ein Sohn von ihm behindert zur Welt gekommen und in der Folge gestorben sei.
  • Die Kontroverse um GDL-Chef Weselsky kommt zu einer schlechten Zeit: seine Gewerkschaft befindet sich in einem verfahrenen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn.

EVG-Chef Kirchner persönlich betroffen

Der Druck auf den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, wegen dessen Behinderten-Vergleich wächst. "Mit Menschen einer solchen Gesinnung, die zudem auf Polarisierung und Spaltung der Belegschaft setzen, kann ich nicht an einem Tisch sitzen und über eine Tarifkooperation verhandeln", sagte der Vorsitzende der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, der Bild am Sonntag (Bams).

Weselsky hatte vergangene Woche auf einer Protestveranstaltung mit Blick auf die Vereinigung der Gewerkschaften Transnet und GDBA zur EVG gesagt: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus." Später entschuldigte er sich dafür. Er bedaure, dass er nicht "die richtigen Worte" gewählt habe, erklärte Weselsky. EVG-Chef Kirchner zeigte sich aber auch nach dieser Entschuldigung entsetzt. Die Aussage habe ihn auch "persönlich schwer getroffen", sagte er der BamS. Er habe selber einen Sohn, "der behindert zur Welt kam und in der Folge starb".

Kritik auch von der Bundesregierung

Der Vertrauensmann für Schwerbehinderte bei der Deutschen Bahn, Gerhard Schimm, sagte dem Blatt: "Wir sind empört und stinksauer". Das sei ein Schlag ins Gesicht der 13.000 behinderten Kollegen bei der Bahn. "Ich würde Herrn Weselsky die rote Karte zeigen", sagte Schimm. Zuvor hatte bereits die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, infrage gestellt, ob Weselsky Gewerkschaftschef bleiben kann. "Die Gewerkschaft sollte sich überlegen, ob jemand mit dieser Geisteshaltung als oberster Repräsentant weiterhin tragbar ist", erklärte Bentele am Freitag.

"Seine markige Wortwahl und die Tatsache, dass er 2010 schon einmal Ähnliches gesagt hat, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er gezielt Menschen mit Behinderungen diskriminieren wollte", kritisierte die Behindertenbeauftragte.

Weselsky entschuldigt sich für Behinderten-Vergleich

Er wollte die Vereinigung zweier Bahngewerkschaften bemängeln und diskriminierte Behinderte. Jetzt hat sich der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft Claus Weselsky für seine Äußerungen entschuldigt. Doch dafür brauchte es erst scharfe Kritik. mehr ...

Verfahrener Tarifstreit zwischen Deutscher Bahn und GDL

Die Deutsche Bahn befindet sich derzeit in einem verfahrenen Tarifstreit mit der GDL. Die Auseinandersetzung gestaltet sich besonders wegen eines Machtkampfs zwischen der Lokführergewerkschaft und der EVG kompliziert. Dabei geht es darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die Bahn will derweil der GDL einen neuen Vorschlag unterbreiten. "Wir sind weiter gesprächsbereit", sagte Personalvorstand Ulrich Weber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. In den nächsten Tagen werde die Bahn einen weiteren Anlauf unternehmen und der GDL einen neuen Vorschlag unterbreiten.