Mutmaßlicher Anlagebetrüger Florian Homm "Schon okay, wenn man mich Aasgeier nennt"

Mit 500.000 Euro in der Unterwäsche soll Florian Homm 2007 ins Exil geflohen sein. Fünf Jahre später tauchte er wieder auf - die Polizei schlug in Florenz zu. Wegen mutmaßlichen Anlagebetrugs droht ihm nun eine lange Haftstrafe. Vor einer Woche saß der Mann, der sich selbst in der Rolle der skrupellosen Heuschrecke gefiel, noch in der Talkshow von Peter Hahne. Warum taten deutsche Ermittler nichts?

Von Simone Boehringer, Alexander Mühlauer und Markus Zydra

Da haut Florian Homm, 53, doch tatsächlich diesen Satz 'raus: "Die Zeit der Banker und Zocker ist vorbei", sagte Deutschlands berüchtigter Hedgefondsmanager, und in seinem Gesicht deutete rein gar nichts darauf hin, er könne bei diesen Worten auch an sich gedacht haben. Gesundes Selbstvertrauen.

Vor gut einer Woche war das, Florian Homm im Streitgespräch mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. ZDF-Moderator Peter Hahne piekste dann noch mit der Frage nach, ob Homm Angst hätte, nachher das Studio zu verlassen - immerhin hatte ein Privatdetektiv im Auftrag zorniger Investoren 2012 ein Kopfgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro auf den früheren Basketballjuniorennationalspieler ausgesetzt. Doch der Mann mit dem knorrigen Dreitagesbartgesicht orakelte nur: "Das ist ja schon ein bisschen vororganisiert", und meinte damit seine Flucht aus der Hauptstadt nach Aufzeichnung der Sendung.

Ab diesem Moment blieben Homm - Lebensmotto: "Jeder soll die Chance haben seinen eigenen Mist zu bauen" - noch genau fünf Tage in Freiheit. Es war am Freitag um 12.30 Uhr in den Uffizien von Florenz, die Homm mit seiner Familie besuchte, als die italienische Polizei zugriff. Die Beamten folgten damit einer Bitte der US-Staatsanwälte in Los Angeles, die ihm Betrug in Höhe von 200 Millionen Dollar vorwerfen.

Homm drohen bis zu 25 Jahre Haft

In Deutschland liegt strafrechtlich nichts gegen Homm vor, doch auch deutsche Behörden hätten wohl schon eine Woche zuvor in Berlin Rechtshilfe leisten können, doch wie das FBI am Montag mitteilte, wurde der Haftbefehl erst am 6. März ausgestellt. Der Auslieferung Homms in die USA steht wohl nichts im Wege, im schlimmsten Fall, so teilt das FBI mit, drohen Homm 25 Jahre Haft. Zusammen mit Komplizen soll er wertlose Aktien durch Kursmanipulationen künstlich aufgeblasen haben.

Florian Wilhelm Jürgen Homm wuchs als Sohn eines mittelständischen Handwerksunternehmers in der hessischen Millionärsstadt Bad Homburg auf, sein Großonkel war der legendäre Versandhauskönig und Dressur-Olympiasieger Josef Neckermann. Früh begann der ehrgeizige Harvard-Absolvent Homm eine Karriere in der amerikanischen Finanzwirtschaft und arbeitete bei Adressen wie Merrill Lynch, später bei Julius Bär.

Dann machte er sich selbständig, wurde zum Finanzjongleur Homm, Bonvivant und großmäuliger Investor. 1993 gründete er die auf kleine Unternehmen spezialisierte Investmentgesellschaft Value Management Research (VMR), der folgende Börsenboom am Frankfurter Aktiensegment Neuen Markt machte ihn reich. VMR war 2000 500 Millionen Euro wert, um zwei Jahre später zu kollabieren. Homm stieg Knall auf Fall aus - und ließ zornige Anleger zurück.

"Ich bin ein Trouble-Maker, der in Risiken Chancen sieht", alberte Homm, der sich nicht darum scherte, was andere von ihm dachten. "Schon okay, wenn man mich Plattmacher oder Aasgeier nennt."