Zahlen der Möbelhauskette Billy aus dem Internet

Jahrelang zahlten die deutschen Möbelhäuser von Ikea horrende Lizenzgebühren an eine Schwestergesellschaft im Ausland.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die großen Möbelkonzerne kämpfen hart um die Vorherrschaft auf dem Markt. Ikea baut den Umsatz in Deutschland aus, tut sich aber schwer, neue Standorte zu finden. Deshalb sucht der schwedische Konzern neue Absatzmöglichkeiten.

Von Helga Einecke, Frankfurt

Immer mehr Menschen bestellen ihre Möbel am Computer. Nach Angaben von Peter Betzel, Deutschland-Chef von Ikea, nutzen vor allem Kunden den Onlinehandel, die in der Nähe der Möbelhäuser wohnen. Offenbar wird erst geschaut und verglichen und dann bestellt. Bisher ist der Umsatzanteil, den Ikea mit Billy, Klippan oder Poäng auf dem Bildschirm macht, gering. Erst 92 Millionen Euro waren es im Jahr, ein einstelliger Anteil am gesamten Geschäft.

Das Onlinegeschäft ist bei Ikea nur ein Zusatzangebot. Noch immer lautet die Devise der Schweden: Expansion. Vor allem auch in Deutschland, dem größten Einzelmarkt außerhalb Schwedens. Und hier drängt Ikea nun in die Innenstädte. Das erste Haus entsteht gerade im Hamburger Stadtteil Altona mit 18.000 Quadratmetern Fläche und vier Parkdecks. Zunächst löste es heftigen Protest der Anwohner aus. Diese fürchten Staus, weniger Parkplätze und steigende Mieten. Eine Mehrheit im Bezirk aber war dafür. Vor Kurzem wurde Richtfest gefeiert. 80 Millionen Euro werden in den Bau investiert, im Sommer 2014 soll er eröffnet werden.

Ob sich die Rückkehr in die Innenstadt lohnt, ist noch nicht ausgemacht. So winkte Ikea vor Kurzem ab, als XXXLutz den Standort Theresienhöhe in München aufgab. Zwar sei man auch innerhalb des Stadtgebiets an Flächen interessiert, aber nicht an so exponierten Stellen, heißt es.

In Wuppertal dagegen wollte Ikea bauen und wurde ausgebremst. Auch die Konkurrenz muss zurückstecken. Segmüller darf in Pulheim bei Köln nicht bauen, muss in Bad Vilbel bei Frankfurt kürzertreten, Höffner weicht von Düsseldorf auf Neuss aus. Meist gibt es Streit um die Fläche für Randsortimente, durch die sich Händler in den Innenstädten bedroht sehen, also um Geschirr, Bilder, Geschenke.

Deutschland bringt Ikea das meiste Geschäft

Die Möbelhändler in Deutschland wetteifern ähnlich den Baumärkten immer stärker um Standorte. Weil der gesamte Umsatz bei 31 Milliarden Euro stagniert, handelt es sich um reine Verdrängung. Schon beherrschen die zehn größten Möbelhändler fast die Hälfte des Marktes, bauen auf der grünen Wiese immer größere Einkaufspaläste. Unter 35.000 Quadratmetern läuft da nichts mehr.

Aus dem Süden drängen Segmüller und die österreichische XXXLutz-Gruppe nach Norden. Möbel Höffner expandiert von Osten nach Westen. Die Kette Porta nimmt den umgekehrten Weg. Platzhirsch Ikea hat längst die ganze Republik im Griff.

Billy und Co. werden in 46 Filialen feilgeboten. 2014 kommen in Lübeck und Hamburg zwei hinzu. Im Geschäftsjahr, das am 31. August endete, erzielten die Schweden in Deutschland einen Umsatz von knapp vier Milliarden Euro, ein Plus von 2,8 Prozent. Zugleich stieg die Anzahl der Mitarbeiter. 15.500 Menschen arbeiten hierzulande für Ikea, 209 mehr als ein Jahr zuvor.

Weltweit kommt Ikea in 300 Einrichtungshäusern auf einen Umsatz von fast 28 Milliarden Euro. Deutschland bringt das meiste Geschäft. Die stärksten Zuwächse gibt es in Russland und China. Bis 2020 soll der Umsatz auf 50 Milliarden Euro verdoppelt werden. Die Schweden wollen grüner werden. In zwei Jahren sollen 70 Prozent der Energie aus Sonne und Windkraft kommen, bis 2020 will man Selbstversorger sein.