Mittelstand Familienunternehmer fordern Reformpaket für eine Million Jobs

  • Familienunternehmer in Deutschland fordern die Bundesregierung dazu auf, angesichts des Flüchtlingszustroms ein neues Reformpaket zu schnüren.
  • Sie schlagen etwa eine Ausbildung inklusive Sprachausbildung vor.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Der Verband "Die Familienunternehmer" fordert von der Bundesregierung ein Reformpaket für eine Million neue Arbeitsplätze, um Flüchtlinge in Deutschland zu integrieren. "Ein drittes deutsches Wirtschaftswunder nach dem nach 1949 und dem nach 2009 ist nötig - und möglich", heißt es in einem Positionspapier des Verbandes, der 5000 Familienfirmen vertritt. Nötig sei dafür ein Reformpaket, das weit über die Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) hinausgehe, sagte Verbandspräsident Lutz Goebel der Süddeutschen Zeitung.

Die Familienunternehmer wollen dafür neben der dualen Ausbildung eine triale Ausbildung einführen, zu der neben der Praxis im Betrieb und der Berufsschule auch der Erwerb der deutschen Sprache gehört. Diese dritte Säule könne dazu führen, dass sich die Ausbildungszeit auf vier Jahre verlängert. Gleichzeitig schlägt der Wirtschaftsverband vor, Unternehmen, die Auszubildende ohne ausreichende Sprachkenntnisse beschäftigen, durch staatliche Zuschüsse mit 1000 Euro pro Azubi im Monat für zwei Jahre zu unterstützen. Das Geld soll aber keine zweckungebundene Subvention sein, sondern nachweisbar in den Sprachunterricht fließen. Zugleich fordern die Familienunternehmer für alle zusätzlichen Stellen, die in Deutschland bis 2020 geschaffen werden, ob für Migranten oder für einheimische Arbeitslose, die Sozialversicherungsbeiträge zu halbieren.

Ausbilden statt abschotten

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Außerdem macht sich der Verband für ein flexibleres Arbeitsrecht stark. Für die große Zahl der wenig bis unqualifizierten Flüchtlinge sei der Mindestlohn von 8,50 Euro "eine echte Barriere für den Einstieg in den Arbeitsmarkt". Am besten wäre deshalb eine gegebenenfalls zeitlich befristete Abschaffung der Lohnuntergrenze, um diesen Menschen "möglichst viele längere Zeiten des Nichts-Tun-Dürfens zu ersparen", heißt es in dem Papier.

Um die Hemmschwelle für Einstellungen zu senken, müsse auch der strenge Kündigungsschutz schrittweise in ein Abfindungsmodell umgewandelt werden. "Der aktuelle Aufwind des Front National in Frankreich sowie die Situation in den Banlieues zeigt, wohin eine mangelnde Integration führen kann", sagte Goebel. Umso wichtiger sei, den Arbeitgebern neue Anreize zu geben, Hunderttausende gering qualifizierte und der deutschen Sprache in der Regel nicht mächtige Flüchtlinge einzustellen.

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