Margrethe Vestager Die Frau, die es mit Apple und Google aufnimmt

EU-Kommissarin Margrethe Vestager im Januar in Brüssel

(Foto: REUTERS)

EU-Kommissarin Margrethe Vestager ist dreifache Mutter, gilt als Vorbild einer TV-Serie und hat in ihrem Büro eine Mittelfinger-Skulptur. Warum sie selbst von Gegnern respektiert wird.

Von Alexander Mühlauer, Brüssel

So hatte man sich das Büro einer EU-Kommissarin gar nicht vorgestellt. Die vier Wände des Zimmers von Margrethe Vestager im zehnten Stock des Brüsseler Berlaymont-Gebäudes sehen eher aus wie eine Galerie. Viel Kunst, eine Stinkefinger-Skulptur neben einer Bismarck-Büste, dazwischen ausgewaschene Teppiche und dänische Designerstühle. Jedes Teil hat sie bewusst ausgesucht. Und jedes Teil hat auch seine eigene Geschichte. Vestager erzählt sie gerne. Wie sie überhaupt offen spricht über ihr Leben als Politikerin, Mutter dreier Kinder und stolze Besitzerin eines Golden Retrievers namens Karlo. Seit vierzehn Monaten ist Vestager nun in Brüssel und hat sich mit so ziemlich allen großen Konzernen angelegt: Google, Amazon, Apple, Gazprom. Um nur die wichtigsten zu nennen. Die Kommissarin aus Dänemark zeigt wie stark Europa sein kann - wenn es denn will.

Vestager gilt als Vorbild für die knallharte, aber grundehrliche Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg in der großartigen Fernsehserie "Borgen". Die Hauptdarstellerin Sidse Babett Knudsen begleitete Vestager (da war sie noch in Kopenhagen) zur Vorbereitung ihrer Rolle. Die Kommissarin ist nicht nur fernsehtauglich, sie ist, man kann das so sagen, der Star in Präsident Junckers Europäischer Kommission. Zumindest hat sie das geschafft, was nur wenige Kommissare schaffen: Sie ist in ihrem ersten Jahr in Brüssel nicht blass geblieben - ihren Namen kennt man in den USA ("Die Frau, die Google zerschlagen will").

Ihr angestrengter Perfektionismus nervt so manchen in Brüssel. Doch im Grunde wird sie ziemlich bewundert. Wie sie in der Lux-Leaks-Affäre versucht, die Glaubwürdigkeit der EU-Kommission zu wahren, beeindruckt sogar ihre Kritiker. Die wiederum werfen ihr vor, Fragen nach Junckers Glaubwürdigkeitsproblem einfach so wegzuwischen. Und am Ende bleibt natürlich die Frage: Wann schließt sie die großen Fälle wie Google ab?

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