Libor-Skandal EU plant Rekordstrafen für tricksende Banken

Jetzt wird es teuer: Die EU-Kommission will Medienberichten zufolge, dass mehrere Banken wegen Zinsmanipulation hohe Bußgelder bezahlen. Es könnte die höchste jemals verhängte Kartellstrafe der Europäischen Union werden. Auch die Deutsche Bank soll betroffen sein.

Im Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor will die EU-Kommission nun hohe Geldbußen gegen die beteiligten Banken verhängen. Das verlautete am Dienstag aus Kommissionskreisen in Brüssel. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia werde dies am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekanntgeben, hieß es.

Unklar ist bislang, welche Geldinstitute genau betroffen sind. Die Financial Times und die Nachrichtenagentur Reuters berichten übereinstimmend, dass sich unter den betroffenen Instituten die Royal Bank of Scotland, die US-amerikanische Citigroup und die Deutsche Bank befinden.

Die FT berichtet weiter, dass auch gegen die französische Sociéte Générale ein Bußgeld verhängt werden soll. Die britische Bank Barclays sowie die Schweizer Großbank UBS kommen dem Bericht nach ungeschoren davon, da sie die Kartellwächter auf die Manipulationen aufmerksam gemacht haben.

Hingegen berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Brüsseler Kreise, dass auch die britische Bank Barclays und JP Morgan Bußgelder zahlen sollen.

Der FT zufolge geht es im Schnitt um Geldbußen von 800 Millionen Euro pro Bank. Die Ermittlungen der EU-Behörde laufen bereits seit zwei Jahren. Zusammen wäre es mit Abstand die höchste jemals verhängte Kartellstrafe der EU. Bislang liegt der Rekord bei 1,5 Milliarden Euro.

Referenzzinssätze gelten als Basis für Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar, zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt. Der London Interbank Offered Rate, kurz Libor, wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in London festgelegt. Er gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten wichtigsten Banken weltweit die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssten. Die höchsten und tiefsten Werte werden gestrichen, aus den übrigen Daten wird ein Mittelwert gebildet.

An diesem Satz orientieren sich weltweit die kurzfristigen Zinsen für eine ganze Reihe von Finanzmarktgeschäften bis hin zu Immobilienkrediten. Der Libor ist über Jahre von Mitarbeitern mehrerer Großbanken manipuliert worden. Einige Geldhäuser mussten im Libor-Skandal bereits hohe Bußgelder zahlen, darunter die niederländische Rabobank.