Kurznachrichtendienst Twitter Wie verdient Twitter in Zukunft Geld?

Derzeit experimentiert Twitter mit Anzeigen, die speziell auf die Zielgruppen der Werbekunden zugeschnitten sind. Eine New Yorker Buchhaltungsfirma berichtete dem Wall Street Journal von positiven Erfahrungen damit. Sie hat eine Anzeige geschaltet, die sich an Twitter-Nutzer richtete, die sich vor der Präsidentschaftswahl vor allem für die Steuerpolitik der beiden Kandidaten interessiert haben. 2,1 Millionen Klicks seien so auf ihre Website geleitet worden.

Die Zukunft

Immer mehr Menschen nutzen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter über ihr Smartphone. Die Unternehmen müssen einen Weg finden, Werbung so zu platzieren, dass sie auch auf den deutlich kleineren Bildschirmen wirkt. Bei Twitter scheint das besser zu funktionieren als bei Facebook: Nach eigenen Angaben macht das Unternehmen mehr Geld mit mobiler Werbung als über seine normale Website. Konkrete Zahlen gibt es nicht.

Als Beispiel für den Erfolg von Twitter in diesem Bereich gilt allerdings die chinesische Restaurantkette P.F. Chang's. Für 25.000 Dollar kaufte sich das Unternehmen Werbung bei Twitter. Das Netzwerk bietet sogenannte "promoted tweets" an, die ganz oben bei den Suchergebnissen auftauchen, wenn ein User die entsprechenden Schlagworte eingibt. Der User erhält also längst keine ungefilterten Ergebnisse mehr. Nach Angaben von P.F. Chang's haben binnen weniger Tage vier Millionen Menschen auf den Tweet des Unternehmens geklickt oder diesen geretweetet - 70 Prozent davon über mobile Geräte. Der Versuch, diesen Erfolg mit einer zweiten Werbekampagne wenig später zu wiederholen, scheiterte allerdings. Die Werbetreibenden schlossen daraus, dass es wohl auf den richtigen Zeitpunkt ankommt.

Die neue Idee

So lange die Unternehmen vom Erfolg ihrer Werbung in sozialen Netzwerken nicht überzeugt sind, bleibt auch der elektronische Handel über Twitter, Facebook und Co. eine Zukunftsvision. Die Kreditkartenfirma American Express hat nun jedoch eine Kooperation mit Twitter gestartet: Amex-Kunden sollen künftig per 140-Zeichen-Nachricht einkaufen können, "pay-by-tweet" sozusagen. User können ihr Kreditkartenkonto mit Twitter verbinden - und wer den entsprechenden Hashtag vergibt, bekommt die Ware direkt nach Hause geliefert. Zum Beispiel Spielekonsolen, Tablet-Computer oder einen Geschenkgutschein.

Twitter selbst wird von der Partnerschaft nur indirekt profitieren. American Express gibt dem Netzwerk nichts von seinen Gewinnen ab, wie die Financial Times schreibt. Twitter hofft aber, auf diese Weise mehr Werbekunden anlocken zu können, die ihre Produkte ebenfalls per Hashtag verkaufen wollen.

Das schnelle Geld

Bei rasant wachsenden Unternehmen aus dem Silicon Valley stellt sich früher oder später zwangsläufig die Frage nach dem Börsengang. Einen Termin gibt es im Fall von Twitter bislang nicht, Analysten gehen aber davon aus, dass es sich noch um maximal zwei Jahre handeln kann. Ende Januar kaufte der Vermögensverwalter Blackrock Firmenanteile von altgedienten Twitter-Mitarbeitern im Wert von 80 Millionen Dollar. Insgesamt bewerten die Investoren den Kurznachrichtendienst mit neun Milliarden Dollar. Das klingt zunächst nach viel Geld für ein Unternehmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von 350 Millionen Dollar, bei dem nicht einmal klar ist, ob es überhaupt Gewinne erwirtschaftet. Für Silicon-Valley-Verhältnisse ist das aber nicht ungewöhnlich - Facebook ist aktuell fast 78 Milliarden Dollar wert, obwohl der Kurs schon etwa zehn Dollar niedriger liegt als beim Börsengang im Mai 2012.

Auf das schnelle Geld ist Twitter-Chef Dick Costolo nach eigener Aussage nicht aus. Er halte einen Börsengang nicht unbedingt für notwendig, sagte er kürzlich in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Er strebe ein nachhaltiges Wachstum für sein Unternehmen an, die Interessen der User stünden im Vordergrund. Sollte der Wert von Twitter weiter steigen, wird sich zeigen, wie ernst Costolo diese blumigen Worte meint.